Krimi-Stadtführungen
Auf den Spuren der Tatort-Stars in Münster

Münster -

Kein anderer "Tatort" ist bei den Zuschauern so beliebt wie die Folgen mit Prof. Boerne und Kommissar Thiel aus Münster. Wer die Domstadt besucht, kann Touren zu den Drehorten machen. Das lohnt sich - nicht nur für Fans der Krimireihe.

Donnerstag, 01.03.2018, 13:00 Uhr

«Tatort»-Dreh in Münster: Auf den Spuren der beliebten Krimiserie gibt es verschiedene geführte Spaziergänge durch Münster. Foto: Rena Ronge

Diese Krimitour ist nur etwas für hartgesottene «Tatort»-Fans, so viel scheint gleich zu Beginn klar. Es ist Samstagmorgen, der Wind pfeift über den Innenhof des Münsteraner Rathauses. Eisige Kälte, grauer Himmel. Trotzdem kommen mehr als 20 Leute.

Sie haben die «Tatort»-Tour bei K3 Stadtführungen gebucht. Zwei Stunden lang soll es zu den Drehorten des beliebten Sonntag-Krimis gehen - ein zweifelhaftes Vergnügen bei diesem Wetter. Doch auch dank eines gut gelaunten Stadtführers werden alle bis zum Schluss durchhalten - und das liegt nicht nur an den vielen Hintergrundinfos zum Münsteraner «Tatort».

Münster - die Krimistadt

Seit mittlerweile 15 Jahren ermitteln Kommissar Thiel und Prof. Boerne in Münster. Mit riesigem Erfolg: Schon 14 Millionen Zuschauer sahen eine Folge - kaum ein anderes Team erreicht regelmäßig solche Traumquoten. Auch der «Tatort» hat die Fahrrad- und Studentenstadt ifür Touristen attraktiv gemacht.

Krimidrehorte vom Tatort und Wilsberg

1/14
  • 2013 Münster Krimi - 0016

    Das Antiquariat Solder dient als Dreh- und Angelpunkt von Wilsberg.

    Foto: Markus Lehmann
  • Der Prinzipalplatz von Münster ist immer ein Teil im Tatort und Wilsberg Krimi.

    Foto: Markus Lehmann
  • Auch von diesem Winkel aus wird der Prinzipalplatz gerne genutzt.

    Foto: Markus Lehmann
  • Ein weiterer bekannter Drehort: Der Aasee.

    Foto: Markus Lehmann
  • In Münsters Szene-Hafen ist Wilsbergs Patentochter als Rechtsanwältin tätig.

    Foto: Markus Lehmann
  • Der Friedensaal diente schon als Drehort für beide Krimis.

    Foto: Markus Lehmann
  • Das Amtsgericht musste in den älteren Wilsberg-Folgen als Stadtverwaltung herhalten.

    Foto: Markus Lehmann
  • Dieses Universitätsgebäude dient im Wilsberg als Polizeirevier.

    Foto: Markus Lehmann
  • Bei einem Tatort wurde der Hafen-Kran in einer Schluss-Szene verwendet.

    Foto: Markus Lehmann
  • Der alte Sitz des Aschendorff-Verlages diente im Tatort als eine Großbäckerei.

    Foto: Markus Lehmann
  • Im Bankhaus Lampe war im Tatort ein Priesterseminar untergebracht.

    Foto: Markus Lehmann
  • Auch die Redaktionszentrale der WN war schon Drehort für eine Wilsberg-Folge.

    Foto: Markus Lehmann
  • Das Universitätsschloss wird gerne als Drehort von beiden Münsterkrimis verwendet.

    Foto: Markus Lehmann
  • Der Domplatz ist ein gern genutzter Hintergrund für beide Krimis.

    Foto: Markus Lehmann

Die Veranstalter von Stadtführungen greifen den Krimi dankbar auf. Mehrere bieten inzwischen Krimitouren in Münster an - manche mixen auch den «Tatort» mit «Wilsberg», dem zweiten Krimi, der in der Stadt zu Hause ist. Und das Interesse ist groß: Laut Julia Hülsmann von Stattreisen Münster haben bereits rund 36.000 Menschen an deren «Tatort»-Tour teilgenommen.

Eine Kriminaltour trüge den Namen kaum zu Recht, wenn zu Beginn kein Rätsel stünde. Prof. Boerne sei verschwunden, erklärt Stadtführer Georg Naumann von K3, nachdem er ein paar einführende Infos zur Stadt erzählt hat. Dazu gehören Klassiker: In Münster gibt es mit 500.000 Fahrrädern fast doppelt so viele Räder wie Einwohner. Dann teilt Naumann Zettel an alle aus - 18 Fragen sind darauf notiert. Gelingt es, sie zu beantworten, ist das Rätsel gelöst und Prof. Boerne gefunden, verspricht Naumann. Und so geht es dann los zu einer Schnitzeljagd kreuz und quer durch die Stadt.

Details zur Stadtgeschichte

Das Gute an der «Tatort»-Tour ist: Sie ist nicht nur etwas für eingefleischte Fans des schnöseligen Prof. Boerne (Jan Josef Liefers), Kollegin Alberich (Christine Urspruch), Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und seinem kiffenden «Vadder» (Claus D. Clausnitzer). Naumann schafft es, auch Teilnehmer mit Details zur Stadtgeschichte zu unterhalten, die mit dem Krimi nicht vertraut sind. Und selbst für Münsteraner dürfte Neues dabei sein.

Das Prinzip der Schnitzeljagd ist immer gleich: Naumann hält ein Setbild aus einer «Tatort»-Folge hoch, in der die Charaktere und im Hintergrund die Stadt zu sehen sind. Letzteres kommt tatsächlich seltener vor als viele zunächst denken. Denn der größere Teil des Münsteraner «Tatorts» wird in Köln in Fernsehstudios gedreht. So sind zum Beispiel Boernes und Thiels Wohnung nicht in Münster zu finden. Dann folgt eine Frage zum Setbild. Und die zu beantworten, ist oft überraschend und macht ziemlich viel Spaß.

Beispiel: Auf einem Foto ist Kommissar Thiel auf dem Prinzipalmarkt zu sehen. «Welches Tier ist unter Thiels Füßen zu finden?» lautet die dazugehörige Frage auf dem Rätselzettel. Minutenlang sucht die Gruppe in der Folge das Kopfsteinpflaster ab. Und tatsächlich, so mancher Münsteraner ist wohl schon Hunderte Mal mit dem Fahrrad unwissend darüber gefahren: Im Kopfsteinpflaster steckt statt eines Steins ein kleines, bronzefarbenes Quadrat mit einer Taube drauf, das an die Wiedertäufer erinnern soll. Die Wiedertäufer regierten Münster vom Februar 1534 bis Juni 1535 und waren eine radikale Abspaltung der Reformationsbewegung - wieder eine Frage auf dem Zettel gelöst.

Des Rätsels Lösung...

Wer sich von Naumann lustige Anekdoten zum Münsteraner «Tatort» erhofft, kommt bei der Tour natürlich auch auf seine Kosten. Da sind zum Beispiel auf einem Setbild neben Boerne und Thiel zwei Polizisten zu sehen - in der Folge damals noch in grüner Uniform. «Die beiden Polizisten gibt es wirklich», erzählt Naumann. Hin und wieder habe ein Stadtführer Glück - und während man das Setfoto hochhält, kommen die beiden zufällig auf Streife wieder vorbei. Dann erzählten sie gerne noch einmal etwas von den Dreharbeiten. Dass der Krimi bei ihnen zu Hause ist, macht die Münsteraner durchaus stolz.

Nach zwei Stunden Führung ist das Rätsel gelöst. Wo Prof. Boerne steckte und ob ihm etwas zugestoßen ist, wird jedoch nicht verraten. Ein Fakt der Tour bleibt hängen: Zwei Münsteraner «Tatort»-Folgen pro Jahr machen zwei Leichen. «Das ist mehr, als es in der Realität gibt», erzählt Naumann. 2017 war es zum Beispiel nur ein Toter.

 

10 spannende Fakten zum Münster-Tatort

1/10
  • Tatort „Der doppelte Lott“: Im achten Tatort haben die beiden Kölner Kollegen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) einen Gastauftritt. Hier rekonstruiert der Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, r.) den aktuellen Mord: Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, M.), spielt den Verdächtigen, der russische Lokalbesitzer Gennadi Krusenstern (Rezzo Tschchikwischwili) das Opfer.

    Tatort „Der doppelte Lott“: Im achten Tatort haben die beiden Kölner Kollegen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) einen Gastauftritt. Hier rekonstruiert der Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, r.) den aktuellen Mord: Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, M.), spielt den Verdächtigen, der russische Lokalbesitzer Gennadi Krusenstern (Rezzo Tschchikwischwili) das Opfer.

    Foto: WDR/Michael Böhme
  • Tatort „Spargelzeit“: Der in Hagen geborene Schauspieler Jörg Hartmann hat in dieser Episode einen Gastauftritt. Seit 2012 ist er selbst im Tatort-Team vertreten als Chefermittler Peter Faber in Dortmund.

    Foto: NDR/WDR/Martin Menke
  • Die nebeneinander liegenden Wohnungen von Thiel und Boerne als auch die Autos Boernes wechseln seit Beginn der Reihe ständig.

    Foto: WDR/Stephan Rabold
  • Tatort „Wolfsstunde“: In dieser Episode hatte Jörg Pilawa einen Gastauftritt.

    Foto: WDR/Uwe Stratmann
  • Tatort „Herrenabend“: Für den von Jan Josef Liefers gespielten Rechtsmediziner Professor Boerne gibt es reales Vorbild: Professor Bernd Brinkmann, der von 1981 bis Juli 2007 Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster war.

    Foto: SWR/WDR/Willi Weber
  • In den ersten Folgen hat Kommissar Thiel keinen Führerschein und muss sich oft von anderen Leuten fahren lassen, später darf er selbst fahren.

    Foto: rbb/WDR/Uwe Stratmann
  • Das Schauspielerteam des Tatorts Münster mit Jan Josef Liefers, Axel Prahl, Christine Urspruch, Mechthild Großmann, Friederike Kempter und Claus Dieter Clausnitzer war „für langjährige herausragende Leistung in der humoristischen Fernsehunterhaltung“ für den Grimme-Preis 2012 in der Kategorie „Unterhaltung/Spezial“ nominiert.

    Foto: WDR/Martin Menke
  • Die Dreharbeiten finden hauptsächlich in Köln und Umgebung statt. In Münster selbst werden Außenszenen gedreht. Das Thema Fahrradstadt und Fahrradklau wird ebenfalls häufig thematisiert.

    Foto: WDR/Michael Böhme
  • Tatort Mörderspiele: Im Aasee wurde eine Leiche gefunden. Mehrere Folgen aus Münster erreichten hohe Einschaltquoten. Diese Folge hatte eine von 24 Prozent Marktanteil (8,34 Millionen Zuschauer). Die Folge Schwanensee, die auch - teilweise - am Aasee gedreht wurde, erreichte 13,6 Millionen Zuschauer - die meistgesehene Sendung des Jahres 2015 überhaupt.

    Foto: WDR/Michael Böhme
  • „Permanente Gegenwart“: Der erste Tatort „Der dunkle Fleck“ wurde 2002 ausgestrahlt. Der Sohn von Kommissar Thiel (Axel Prahl) ist in dieser Folge 12 Jahre alt. Sechs Jahre später in der Folge „Wolfsstunde“ ist er immer noch 12 Jahre alt.

    Foto: WDR/Thomas Kost

 

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5558887?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F198%2F711292%2F214%2F1727708%2F
Ein Fest, so bunt wie Münster
Rundgang über „Münster mittendrin“: Ein Fest, so bunt wie Münster
Nachrichten-Ticker