Zusätzlicher IC nach Münster Neue Bahn-Direktverbindung von Berlin

Münster -

Der Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn am 10. Dezember bringt Münster eine neue Direktverbindung nach Berlin. Die Preise für Bahnfahrten steigen unterdessen leicht an.

Zusätzlicher IC nach Münster: Neue Bahn-Direktverbindung von Berlin
Ab dem 10. Dezember kann man mit dem IC 1929 an vier Tagen die Woche morgens von Berlin nach Münster fahren - ohne umzusteigen. Foto: dpa

Wie die Bahn am Montag mitteilte, gibt es ab dem 10. Dezember eine neue Direktverbindung von Berlin nach Münster. Aufgrund des großen Erfolges der im Vorjahr eingeführten zusätzliche IC-Direktverbindung von Köln über Münster (16.30 Uhr) nach Berlin - allein in Münster steigen nach Bahn-Angaben jeden Tag rund 150 Reisende zu - wird das Angebot nun um eine Direktverbindung in der Gegenrichtung erweitert.

Ab Fahrplanwechsel wird die bestehende tägliche Abend-Verbindung (Start in Berlin um 18:34 Uhr) montags bis Donnerstags um eine frühe IC-Verbindung ergänzt. Los geht es mit IC 1929 laut Plan am Berliner Hauptbahnhof um 7.59 Uhr. Die Fahrt über Wolfsburg (9.20 Uhr), Hannover (9.56 Uhr) und Osnabrück (11.09 Uhr), erreicht Münster nach dreieinhalb Stunden (11.30 Uhr) und endet nach Zwischenstopps in Recklinghausen, Essen, Duisburg und Düsseldorf in Köln. Tickets für die neue IC-Verbindung von Berlin nach Münster sind ab sofort verfügbar und kosten 85 Euro zum Normalpreis, Spar-Angebote gibt es derzeit ab 59 Euro. Bei den späteren Direktfahrten von Berlin nach Münster gibt es dagegen Sparpreise bereits ab 29 Euro.

Was man sonst zum Fahrplanwechsel wissen muss:

Wie viel müssen Bahnkunden jetzt mehr hinblättern?

Das kommt darauf an, welches Ticket man kauft. Sparpreise sollen weiterhin bei 19,90 Euro anfangen. Fahrkarten zum vollen Preis - dem sogenannten Flexpreis - werden dagegen im Schnitt um 1,9 Prozent teurer, in der ersten Klasse um 2,9 Prozent. Die Bahncards 25 und 50, für die es 25 und 50 Prozent Rabatt auf das jeweilige Ticket gibt, kosten so viel wie bisher. Für eine Platzreservierung für die zweite Klasse sind unverändert 4,50 Euro zu zahlen. Die Bahn rechnet all diese Veränderungen zusammen - und kommt zum 10. Dezember auf eine Preiserhöhung im Fernverkehr von durchschnittlich 0,9 Prozent.

Wen treffen die Erhöhungen besonders?

Wer kurzfristig in den Zug steigt, zahlt oft mehr, weil er keinen Sparpreis nutzen kann. Die Bahncard 100, mit der häufig Geschäftsleute pauschal alle Züge ein Jahr nutzen können, kostet in der zweiten Klasse 4270 Euro (plus 80 Euro).

Wer zahlt eigentlich den vollen Preis?

Nach Angaben der Bahn lediglich etwa 10 Prozent aller Fahrgäste. Die anderen 90 Prozent haben entweder eine Bahncard oder kaufen sich ein Ticket im Sonderangebot, das bei der Bahn Sparpreis heißt. Auch 2018 will die Bahn mit Sparpreis-Aktionen locken. Seit Sommer 2016 hat sie 10,5 Millionen solcher verbilligten Tickets auf den Markt geworfen, auch um gegen die Fernbus-Konkurrenz zu bestehen. Vor allem Schüler und Studenten seien umgestiegen, sagt Fernverkehrschefin Birgit Bohle.

Was zahle ich künftig auf meiner Strecke?

Auch hier kommt es darauf an. Die neue Strecke München-Berlin etwa wird deutlich teurer: 150 statt 132 Euro mit dem Flexpreis - ein Plus von 13,6 Prozent. Dafür sind die Züge auch bis zu zwei Stunden schneller. Die Fahrt Hamburg-Berlin soll 81 Euro kosten (plus 2,5 Prozent). Bahnkunden zwischen Karlsruhe und Basel dagegen zahlen nicht mehr - eine Entschädigung dafür, dass die Rheintalbahn nach einer Panne beim Tunnelbau wochenlang gesperrt war.

Warum geht es so viel schneller von München nach Berlin?

Die Strecke wurde für 10 Milliarden Euro über Jahre ausgebaut. Die Sprinterzüge mit nur drei Stopps schaffen die Strecke nun in knapp vier Stunden, mit Tempo 300 durch Thüringen. Die Bahn will so die Leute für sich gewinnen, die dafür normalerweise ins Flugzeug gestiegen wären. «Wir rechnen mit einer Verdopplung unser Fahrgastzahlen auf 3,6 Millionen reisen pro Jahr», erklärt Bohle. Von der neuen Strecke profitieren auch Menschen an vielen anderen Orten in der Region.

Die Bahn hat ein Jahr getestet, dass Tickets zum Beispiel vor Feiertagen mehr kosten. Was ist daraus geworden?

Die Idee der Bahn: Gerade vor Feiertagen sollen nicht alle an einem Tag fahren, sondern einige dank des Preisanreizes vielleicht schon früher oder später. Die Bahn will das noch ausbauen. Künftig sollen Tickets an manchen Tagen 4,9 Prozent günstiger oder teurer sein, bisher waren es 2,9 Prozent. Denn am Ostermontag oder am Freitag vor dem Einheitswochenende in diesem Jahr zum Beispiel waren die Fernzüge viel zu voll. Im kommenden Jahr soll es etwa an 60 der 365 Tage Preisabweichungen nach oben und unten geben.

Darf die Bahn eigentlich so oft die Preise erhöhen wie sie möchte?

Was den Fernverkehr betrifft: Im Prinzip ja. Denn diesen betreibt sie anders als den Regionalverkehr auf eigene Rechnung. Die Deutsche Bahn AG ist ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen, gehört aber zu 100 Prozent dem Bund. Im Aufsichtsrat sitzen entsprechend auch Vertreter aus der Politik. Auch Bundesländer und Regionen nehmen auf vielfältige Weise Einfluss auf Bahn-Entscheidungen wie etwa Streckenführungen und Haltepunkte. Im Wettbewerb mit Privatauto, Fernbus und Flugzeug muss die Bahn darauf achten, nicht aus dem Preisgefüge zu fallen.

Viele beschweren sich über die Bahn - aber es fahren mehr Menschen damit, oder?

Die Bahn erwartet in diesem Jahr wieder einen Rekord bei den Fahrgastzahlen. Bis September waren es 2,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Es läuft auf 141 bis 142 Millionen Fahrten mit ICE oder Intercitys hinaus. Viele sind auf die Bahn angewiesen - Urlauber, Pendler oder Paare in Fernbeziehungen. Klagen gibt es immer wieder über Zugausfälle, Verspätungen oder ausgefallene Klimaanlagen.

Die Bahn ist zuletzt pünktlicher geworden. Ob sie ihr Ziel für 2017 von höchsten 20 Prozent verspäteter Fernzüge in diesem Jahr erreicht, ist offen. In den vergangenen fünf Monaten hat sie dieses Ziel verfehlt. Im September waren nach eigener Statistik 21,1 Prozent der ICE und Intercitys verspätet, das heißt mindestens sechs Minuten nach Plan am Ankunftsort.

Bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) sind die Beschwerdezahlen über Reisen mit der Deutschen Bahn und ihren Konkurrenten drei Jahre in Folge gesunken. Das ist zumindest ein Indiz dafür, dass die Unternehmen großzügiger beim Umgang mit Kunden geworden sind.

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