Tempo 30 in Münster
Sinnvoll oder Aktionismus?

Münster -

Der Rat hat entschieden: Ab 2019 soll auf einigen Straßen in der Innenstadt Tempo 30 gelten. Ist das eine sinnvolle Maßnahme – oder Aktionismus, der die Mobilität ausbremst? Ein Pro und Contra.

Samstag, 16.12.2017, 14:12 Uhr

Tempo 30 in Münster: Sinnvoll oder Aktionismus?

Pro: Welt geht nicht unter

So mancher SUV-Fahrer, der es gewohnt ist, um 22 Uhr mit mindestens 60 km/h über leere Innenstadt-Straßen zu brettern, wird vor Wut schäumen. Doch es gibt nicht nur SUV-Fahrer in Münster. Es gibt auch Menschen, die an den mittlerweile chronisch verstopften Straßen wohnen – und unter Lärm und Abgasen leiden. Es gibt Fußgänger, die diese Straßen überqueren wollen – und nicht selten bei Grün stehen bleiben müssen, weil noch eben ein Pkw bei Rot durchgezogen hat. Und es gibt Radfahrer, die bei Unfällen mit Pkw grundsätzlich den Kürzeren ziehen.

Ja, Tempo 30 verlangsamt den Verkehr. Doch die Welt wird nicht untergehen, wenn demnächst auf einer Handvoll Straßen nur noch Tempo 30 erlaubt ist. Denn auf den Strecken, die betroffen sind – wie Aegidiistraße oder Wolbecker Straße – kann man bereits jetzt oft kaum schneller fahren.

Und so hat Tempo 30 viele Gewinner. Die Wohnqualität an den Straßen wird verbessert, der Verkehr insgesamt sicherer. Allerdings reicht es nicht aus, lediglich Schilder aufzustellen: Regelmäßige Kontrollen sind erforderlich, um auch Uneinsichtige zur Einsicht zu bringen.  

Martin Kalitschke

Diese Straßen werden ab 2019 Tempo 30 bekommen.

Diese Straßen werden ab 2019 Tempo 30 bekommen. Foto: Grafik: Christ

Contra: Rosarotes Ideal

Ja, Geschwindigkeitsreduzierungen machen Sinn. Jedenfalls wenn es darum geht, den Verkehr sicherer zu machen. Fraglich ist aber, ob sie Sinn ergeben, wenn man den Verkehr leiser machen möchte. Dabei darf nicht von Laborbedingungen ausgegangen werden, sondern von der Realität. Und die zeigt häufig genug: Wer bei Tempo 30 den dritten Gang drin lässt, läuft Gefahr, zu schnell zu fahren. Wer runterschaltet, dessen Wagen wird sogar lauter als bei Tempo 50 im dritten oder sogar vierten Gang.

Und überhaupt, Tempo 30 nachts auf der Hammer Straße? Also dann, wenn eh kaum jemand Auto fährt? Wenn zu dieser Zeit dort mal einer richtig Krach macht, fährt der weder 30 noch 50, sondern eher 80 – und wird dies vermutlich auch weiter so halten. Es sei denn, die Polizei widmet sich der Sache – und wird so für minder wichtige Aufgaben gebunden. Und noch ein Argument spricht gegen die geplanten Maßnahmen: Es entsteht ein Flickenteppich in der Stadt, der die Übersicht für Autofahrer weiter erschwert. Stress verursachen, um Stress zu bekämpfen, das macht bei allem guten Willen keinen Sinn.

Björn Meyer


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