Schul-Benennung
„Münster Ost“ – als Name zu wenig

Münster -

Die neue Gesamtschule Münster-Ost benennt sich nach der Freiheitsaktivistin Mathilde Annecke. Die wenige Jahre alte Gesamtschule Münster-Mitte verzichtet dagegen ganz bewusst auf einen neuen Namen.

Freitag, 12.01.2018, 09:01 Uhr

Die Beschriftung an der Gesamtschule Münster-Ost wird bald geändert, an der Gesamtschule Münster Mitte bleibt alles beim Alten.
Die Beschriftung an der Gesamtschule Münster-Ost wird bald geändert, an der Gesamtschule Münster Mitte bleibt alles beim Alten. Foto: Matthias Ahlke

Der Beschluss steht: Die neue städtische Gesamtschule im Ostviertel, bisher bekannt als „Gesamtschule Münster-Ost“, wird einen neuen Namen führen. Wie berichtet, hat die Schulkonferenz als Namenspatronin die Schriftstellerin, Journalistin sowie Bürger- und Frauenrechtlerin Mathilde Anneke ausersehen. Anneke lebte in den 40er-Jahren des 19. Jahrhunderts einige Jahre in Münster und gehörte hier zum Kreis von Annette von Droste-Hülshoff . Am 3. Februar wird der neue Name mit einem Festakt offiziell.

„Gesamtschule Münster-Ost, das war uns einfach zu wenig“, fasst Schulleiterin Birgit Wenninghoff die ausführliche Diskussion unter Schülern, Eltern und Lehrern um einen Schulnamen zusammen. „Wir wollten einen Namen, der den Geist unserer Schule transportiert. Unsere Schule will Werte vermitteln – Kinder ermutigen, sich in die Gesellschaft einzubringen, Verantwortung in der Demokratie zu übernehmen.“ Genau dafür sei Mathilde Anneke ein gutes Vorbild, so Wenninghoff. Die Namensfindung sei ein „längerer Prozess“ in den Schulgremien gewesen, „am Ende waren alle mit der Wahl einverstanden“, ergänzt sie.

So deutlich sich die zweite städtische Gesamtschule für eine Person als Namenspatron entschieden hat, so klar lehnt dies die erste städtische Gesamtschule ab. „Wir bleiben bewusst Gesamtschule Münster Mitte“, unterstreicht Schulleiterin Kathi von Hagen. Erstens passe die Bezeichnung „Mitte“ gut zur Schule. „Außerdem habe sich die Schule mit der Bezeichnung, die zunächst nur ein Arbeitstitel war, mittlerweile einen Namen gemacht. „Wir sind unter dem Namen gut bekannt, da macht es keinen Sinn, sich umzubenennen“, bekräftigt von Hagen. Abgesehen von den Schwierigkeiten, die unversehens auftauchen könnten, wenn ein Namensgeber durch neue Erkenntnisse in Misskredit gerate und kein so tolles Vorbild mehr darstellen könne.

Die erregten Debatten der vergangenen Jahre um die Umbenennung von Straßen – und eben auch der früheren Karl-Wagenfeld-Realschule an der Spichern­straße – sind dafür ein Beispiel. Die Realschule hatte sich als neuen Namenspatron zunächst den Zoogründer Hermann Landois ausgesucht – bis bekannt wurde, dass Landois Anfang des 20. Jahrhunderts sogenannte Völkerschauen mit als exotisch wahrgenommenen Menschen veranstaltet hatte. Nach einer langen öffentlichen Debatte benannte sich die Schule nach der Holocaust-Überlebenden Erna de-Vries, die wiederholt die Schule besucht hatte.

Birgit Wenninghoff ist überzeugt, dass ihre Schule mit Mathilde Anneke keine bösen Überraschungen erleben wird. Mathilde Anneke gilt für sie als eine engagierte Vorkämpferin für demokratische Rechte, Bildung und Aufklärung.

Wenninghoff findet es zudem wichtig, dass durch die Schule an die relativ unbekannte Mathilde Anneke erinnert werde. Es gebe nur eine einzige zweite Mathilde-Anneke-Schule – in Sprockhövel, Annekes Geburtsort. Deren Vertreter werden beim Festakt in Münster dabei sein.

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