Architektur sorgt weltweit für Aufsehen
Handverlesener Faltenwurf

Münster -

Der Neubau des Textilverbandes mit einer Fassade aus 74 000 Klinkersteinen sorgt weltweit unter Architekten für Aufsehen. Jeder Stein wurde nach Plan verlegt, um den Faltenwurf zu erzielen.

Freitag, 12.01.2018, 10:01 Uhr

Der neue Sitz des Textilverbandes am Martin-Luther-King-Weg sorgt mit einer Klinkerfasse in Vorhangoptik sowie zahlreichen textilen Elementen im Gebäude für Aufsehen.
Der neue Sitz des Textilverbandes am Martin-Luther-King-Weg sorgt mit einer Klinkerfasse in Vorhangoptik sowie zahlreichen textilen Elementen im Gebäude für Aufsehen.

Die Vorhangfassade ist täuschend echt und suggeriert zusätzlich noch einen Faltenwurf. Möglich machen dies rund 74 000 Ziegelsteine in sieben unterschiedlichen Größen, die auf etwa 100 Metern verbaut worden sind. Handverlesen wurden die Steine, extra für das Projekt gebrannt, gesetzt. Den Maurern lag ein Plan vor, auf dem die Position jedes einzelnen Steines abgebildet war. Architekt Roland Bondzio freut sich, dass das Gebäude in der zweiten Reihe am Martin-Luther-King-Weg in Münster inzwischen weltweit für Aufsehen sorgt. Der Neubau habe es bis auf Titelseiten von Architekturzeitschriften geschafft.

Die Idee für die Neubaupläne lagen auf der Hand: Der bisherige Stammsitz des Verbandes an der Moltke­straße glänzte durch fehlende Parkplätze und durch eine veraltete Infrastruktur. Modernisierungsmaßnahmen scheiterten. Die Suche nach einem neuen Standort begann.

Der Verband mit seinen 270 Mitgliedern vor allem aus dem Westmünsterland und dem Ostwestfälischen wollte unbedingt an seinem Sitz in Münster festhalten, sagt Oliver Teuteberg , im Verband der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie für Wirtschaftspolitik und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Für den Neubau galt auch: „Wir wollen als Textilverband erkennbar sein.“ Aber textiles Bauen kam nicht infrage, denn der Bebauungsplan auf der Loddenheide schreibt eine Klinkerfassade vor.

Ohne einen Computer und der Methode des parametrischen Entwerfens, erklärt Architekt Bonzio heute, wäre der Bau nicht möglich gewesen. Jetzt suggeriert die Steinfassade ohne Fenster nach Süden, dass sie ein riesiges Tuch sein könnte. Die eigens dafür gebrannten Ziegel sind „ein Viertel von dem, was für die Elbphilharmonie in Hamburg verbaut wurde“, so Teuteberg, der wie alle anderen Beschäftigten in einem Büro mit riesigen Fenstern gen Norden arbeitet.

Das Thema Stoff zieht sich wie eine Linie durchs Haus und spielt in allen Büros der 17 Mitarbeiter sowie in den Fluren eine Rolle. Größter Blickfang ist ein 45 Quadratmeter umfassendes Filzgeflecht im Sitzungsraum. Die Filzbahnen haben eine akustisch-dämmende Funktion und sorgen zugleich für ein passendes Raumklima. Textilien verdecken selbst im Sanitärbereich technische Installationen und sorgen im gesamten Neubau über drei Etagen für ein optimales Licht, wobei die oberste Etage nicht vom Verband genutzt wird.

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