Festrednerin beim 14. „Women in Business-Dinner“
Karin Ernsting hat den „Ehrgeiz vom Vater geerbt“

Münster -

Ihr Vater gründete die Firma in der Waschküche seines Elternhauses, heute ist „Ernsting‘s family“ ein Unternehmen mit 12 000 Mitarbeitern. Karin Ernsting, Festrednerin beim 14. „Women in Business-Dinner“ in Münster, erzählt im Interview, wie sie in das väterliche Unternehmen eingebunden ist und wie es im hart umkämpften Textilgeschäft bestehen will.

Samstag, 13.01.2018, 09:01 Uhr

Karin Ernsting bringt mit Organisationstalent, Ehrgeiz und Fleiß die Familie, das Reiten und ihre Aufgaben im Familienunternehmen unter einen Hut.
Karin Ernsting bringt mit Organisationstalent, Ehrgeiz und Fleiß die Familie, das Reiten und ihre Aufgaben im Familienunternehmen unter einen Hut. Foto: Jürgen Peperhowe

Karin Ernsting wird als Festrednerin beim nächsten „Women-in-Business-Dinner“ am Freitag (19. Januar) im münsterischen Rathaus sprechen. Das WIB-Dinner wird jedes Jahr vom Forum „Frauen u(U)nternehmen“ in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen veranstaltet. Das Forum ist für Unternehmerinnen und für Frauen in Führungspositionen geöffnet. Das Festessen findet in diesem Jahr zum 14. Mal statt. Redakteurin Gabriele Hillmoth sprach mit Karin Erns­ting (54) unter anderem über die heutige Rolle der Unternehmerin im Familienbetrieb in Coesfeld-Lette.

Frau Ernsting, Sie sind Festrednerin beim diesjährigen „Women-in-Business-Dinner“ in Münster und haben damit ein Heim­spiel. Nehmen Sie zum ersten Mal an dieser Veranstaltung teil?

Ernsting: Ja, für mich ist dieser Abend in dem Kreis eine Premiere. Ich bin gespannt.

Was haben Sie den Frauen zu sagen?

Ernsting: Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Zukunft eine Herkunft braucht, das wird auch in meiner Rede eine Rolle spielen.

Wie sieht Ihr bisheriger Lebenslauf aus?

Ernsting: Nach meinem Abitur in Coesfeld habe ich zunächst eine Ausbildung im Textileinzelhandel absolviert. Die Firma Petzhold am Prinzipalmarkt in Münster war von 1982 bis 1984 meine erste Arbeitgeberin. Dann wechselte ich als Trainee zu „Ernsting‘s family“ in Lette. Von 1985 bis 1987 habe ich mich auf den Besuch der Lehranstalt des Deutschen Textileinzelhandels in Nagold konzentriert und den Abschluss dort zur Textildiplom-Betriebswirtin absolviert. Von 1987 bis 1989 ging es für mich zurück in das Marketing des elterlichen Betriebes nach Coesfeld-Lette.

Dann wechselten Sie den Beruf?

Ernsting: Das war tatsächlich im Jahr 1989. Gemeinsam mit meinem damaligen Mann übernahm ich die Leitung eines Pferdewirtschaftsbetriebes im Osnabrücker Land.

Man sagt, das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. Trifft dies bei Ihnen auch zu?

Ernsting: Die Reiterei lässt mich bis heute nicht los. Als Springreiterin habe ich fünf Medaillen bei Deutschen Meisterschaften gewonnen. Ich bin stolz darauf, dass ich unter anderem mit dem deutschen Team starten durfte und zahlreiche Nationenpreise gewonnen habe. Zwischenzeitlich habe ich meine Prüfung als Pferdewirtschaftsmeisterin abgelegt und bis heute rund 20 Lehrlinge zum Pferdewirt ausgebildet. Ehrenamtlich bin ich als Prüferin bei der Landwirtschaftskammer für Pferdewirte tätig. Vor sechs Jahren bin ich mit meinen drei Söhnen ins Münsterland zurückgekehrt und leite hier einen Ausbildungs- und Turnierstall.

Aber irgendwann sind Sie auch zur Ernsting-Gruppe zurückgekehrt?

Ernsting: In den Jahren zwischen 2006 und 2010 gehörte ich der Geschäftsführung an.

Wie schaffen Sie es, Ihre Familie, das Reiten und Ihre Aufgaben im Unternehmen unter einen Hut zu bringen?

Ernsting: Ich beschäftige mich heute mit der strategischen und investiven Steuerung der Ernsting-Gruppe innerhalb des Gesellschafterkreises und Beirats. Das Organisationstalent, den Ehrgeiz und den nötigen Fleiß habe ich, so glaube ich, von meinem Vater geerbt. Aber alle Aufgaben sind tagtäglich wieder eine Herausforderung!

Als Ehrengast dürfen Sie sich im Friedenssaal ins Goldene Buch eintragen und einen Schluck aus dem Goldenen Hahn trinken. Hatten Sie schon früher die Ehre?

Ernsting: Nein, und ich freue mich darum ungemein auf den Abend und den Empfang im Friedenssaal. Ich empfinde die Einladung als Ehre und finde es toll, in der Stadt Münster Spuren hinterlassen zu können.

Ihr Unternehmen ist im Textil-Einzelhandel tätig. Wie schaffen Sie es, in dem hart umkämpften Markt so erfolgreich zu sein?

Ernsting: Durch anständiges Arbeiten, in dem der Kunde immer im Mittelpunkt steht. Für mich und uns steht ein fairer, verantwortlicher Umgang mit unseren Mitarbeitern und Geschäftspartnern im Mittelpunkt. Ein extrem gutes Miteinander von uns Gesellschaftern, im Beirat und in der Geschäftsführung verbindet. Außerdem trägt ein hoher Re-Invest durch die Familie Ernsting zum Erfolg bei.

Wie sehen Sie als Unternehmerin die Zukunft des Textilhandels auch mit Blick auf die harte Konkurrenz durch Primark, H&M, Zara und unter anderem durch TK-Maxx?

Ernsting: Wir haben nicht den Anspruch, der Billigste am Markt zu sein, sondern immer beste Qualität zu fairen Preisen anzubieten. Nachhaltigkeit und Einhaltung aller „social standards“ in den Produktionsstätten sind oberste Priorität. Durch unsere deutschlandweite Filialvernetzung besteht ein ideales Cross-Channel-Geschäft, da der Kunde sein Online-Paket in jeder von ihm gewünschten Filiale portofrei abholen und gegebenenfalls kostenlos wieder zurückgeben kann. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass der stationäre traditionsreiche Textil-Einzelhandel sich weiterhin behaupten kann, wenn er Einkaufserlebnis und Service anbietet, aber um ein Online-Angebot wird in Zukunft niemand herumkommen.

Ihre Einschätzung, welchen Stellenwert der Online-Handel in Zukunft haben wird?

Ernsting: Sehr hoch – und unumgänglich. Wer sich hier verschließt, wird auf der Strecke bleiben. Digitalisierung ist das Zauberwort.

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