Adam Riese verlegt seine Erfolgsshow vom Pumpenhaus in die Cloud Punkerin hat rebellische Töchter

Münster -

Adam Riese wartete bis zur letzten Minute, um dann seine Bombe zu zünden: „Dies ist die letzte Adam-Riese-Show“ – den Fans stockte der Atem – „im Pumpenhaus.“

Von Arndt Zinkant
Adam Riese (weißer Anzug) hatte in seiner letzten Pumpenhaus-Show Ingo Pohlmann (r.) zu Gast.
Adam Riese (weißer Anzug) hatte in seiner letzten Pumpenhaus-Show Ingo Pohlmann (r.) zu Gast. Foto: Tom Heyken

Adam Riese wartete bis zur letzten Minute, um dann seine Bombe zu zünden: „Dies ist die letzte Adam-Riese-Show“ – den Fans stockte der Atem – „im Pumpenhaus.“ Wenn der Moderator am 8. Oktober das nächste Mal vor das Show-Sofa tritt, so wird dies in der „Cloud“ am Germania Campus stehen. Der Grund: Die Show ist zu erfolgreich. Mittlerweile, gab Riese zu Protokoll, würden sogar Kartensucher bei ihm privat an der Haustür klingeln. Also mit einem weinenden Auge raus aus dem engen, aber atmosphärisch einmaligen Pumpenhaus – und mit einem lachenden rein in die Cloud, wo deutlich mehr Fans Platz finden.

Diese letzte Pumpenhaus-Show wurde dem Genius loci gerecht. Übersprudelnde Laune und Gäste, die für Riese so maßgeschneidert waren wie sein Anzug. Denn wie so mancher weiß, war der Mode-Maniac in seinen Flegeljahren in Münsters Punkszene aktiv – als Sänger so legendärer Combos wie den „Fidelen Schwagern“. Die allerdings brachten es nicht zu solcher Berühmtheit wie „ Hans-A-Plast “, eine Punkband, die ab 1978 mehr Frauen als Männer hatte. Eine davon saß nun auf dem Sofa und erzählte von wilden Zeiten: Annette Benjamin . Außerdem war dabei Martin Quilitz (Kabarettist und Moderator im GOP-Varieté) sowie der erfolgreiche Sänger Pohlmann, dessen mal schelmische, mal leidenschaftliche Songs begeisterten.

Der Punk-Veteranin merkte man ihre wilden Jahre so wenig an wie dem Krawattenmann die seinen. Aber: Videos zeigten die junge Annette Benjamin mit kurzer Wuschelfrisur, wie sie im Fernsehen ihre Songs röhrte. Zu Zeiten, als sie mit ihrer Mutter noch Lindenberg in der Küche hörte. Überhaupt, die Familie: Annette Benjamin erzählte nachdenklich von ihrem Großvater, der ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, dann allerdings freigekauft worden war. Und auch Ehemann und Töchter saßen im Publikum; „rebellische!“, wie sie versicherte. Und dann röhrte sie nach fast 40 Jahren noch einmal ihren „Rock’n’Roll-Freitag“. Wie viel Charme Punk verströmen kann, wenn Markus Paßlicks „Original Pumpernickel“ begleiten und damenhafte Milde wirkt!

Charme hatte auch Martin Quilitz, der (rein zufällig) die Benjamin-Töchter im Publikum interviewte und in der Pause flugs eine Facebook-Schelmen-Reportage darüber verfasste. Chapeau! Einen Ostwestfalen, der in der Paradiesvogel-Szene des „Schmidt-Theaters“ reüssierte, schreckt eben so leicht nichts.

„Der faule Esel schleppt sich tot“ sang Ingo Pohlmann – eine Lebensweisheit, die er aus seiner Maurer-Lehre mitnahm. Der sympathische Musiker erzählte unter anderem vom zweiten Bildungsweg am Overberg-Kolleg, wo er dem Lehrer Herrn Räuber („Rudi Räuber?“) viel verdankte.

Kurz nach Ende der Show waren online bereits 30 Karten verkauft. Man sieht sich wieder in der Cloud.

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