Gleich zwei erste Preisträger
Steinway-Förderpreis: Doppelt erstklassiges Klavierspiel

Münster -

Der Steinway-Förderpreis ist ein wichtiger Prüfstein für Studierende der Klavierklassen der Musikhochschule Münster. Dass es in diesem Jahr zwei erste Preisträger gibt, spricht für sich.

Montag, 12.02.2018, 18:02 Uhr

Erster Preis für beide Interpreten: Kie Wouk Lim (l.) und Chanho Park überzeugten die Jury mit Ravel und Prokofieff.
Erster Preis für beide Interpreten: Kie Wouk Lim (l.) und Chanho Park überzeugten die Jury mit Ravel und Prokofieff. Foto: spe

Es soll Klavierwettbewerbe geben, bei denen sich die Jury kaum auf einen einzigen ersten Preisträger verständigen kann. Nicht so in der Schlussrunde des Steinway-Förderpreises im Pianohaus Micke: Die Jury um Prof. Elena Margolina-Hait (Detmold) und Prof. Richard Braun (Köln) vergab am Sonntagabend ohne viel Federlesens gleich zwei erste Preise.

Chanho Park aus der Klasse von Prof. Michael Keller stellt sich mit der Interpretation von Ravels „Gaspard de la Nuit“ selbst das beste Zeugnis aus. Es ist die vielleicht reifste Gesamtleistung des Abends, eine emotional stimmige, technisch meisterliche Interpretation. Man kann sich „Scarbo“ bissiger vorstellen, die „Ondine“ einen Hauch differenzierter, aber Chanho Park lässt keinen Zweifel an seiner Souveränität: Hier habt ihr meinen Gaspard, denkt euch euren Teil . . . Sehr gut, erste Klasse.

Natürlich gibt es noch Kie Wouk Lim, Schüler von Prof. Arnulf von Arnim. Der weiß genau, wie man ein Konzertpublikum am Ende des Abends kitzeln muss: mit einem von Arcadi Volodos frisierten „Türkischen Marsch“, den niemand ungestraft anpackt, der nicht Titanenfäuste hat. Kie Wouk Lim hat sie, und der Saal tobt. Dabei ist Prokofieffs sechste Sonate eigentlich das wichtigere Stück. Kie Wouk Lims Interpretation der Ecksätze klingt vielversprechend; nur muss er aus Zeitgründen – der Zugabe wegen – die Mittelsätze opfern. Die Erstplatzierten teilen sich nun das von Beresa ausgelobte Preisgeld von 1500 Euro.

Die Preisträger und ihre Lehrer (v.l.): Prof. Arnulf von Arnim, Kie Wouk Lim, Chanho Parku und Prof. Michael Keller

Die Preisträger und ihre Lehrer (v.l.): Prof. Arnulf von Arnim, Kie Wouk Lim, Chanho Parku und Prof. Michael Keller Foto: spe

Wo ein zweiter Platz fehlt, wird der dritte interessant. Jeder der vier übrigen Bewerber, allesamt Studierende der münsterischen Musikhochschule, hat Ansprechendes zu bieten: gefühlvollen Brahms (Shuxuan Rao), virtuose Kraft für Ligeti und „Islamey“ (Siquan Fan) und eine herbe, souverän bewältigte Hindemith-Sonate (Bárbara Sá da Costa). Letztlich erhält der Peter-von-Wienhardt-Schüler Kyo Jun Chu den mit 250 Euro dotierten Preis. Sein extrovertierter, eine Haydn- und eine Skriabin-Sonate fast überdehnender Ansatz ist zwar höchst diskutabel – macht aber doch neugierig auf mehr.

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