Brüder Gerassimez spielten effektreich in der „LVM-Akademie“
Mit Kleiderbügel im Flügel

Münster -

Mit „60 Minuten Musik“ war das Programm der Brüder Nicolai (Klavier) und Wassiliy Gerassimez (Cello) umschrieben. Am Ende waren es rund eineinhalb Stunden bester Unterhaltung.

Montag, 12.02.2018, 18:02 Uhr

Die Brüder Nicolai (Klavier) und Wassiliy Gerassimez (Ukulele) wussten zu unterhalten.
Die Brüder Nicolai (Klavier) und Wassiliy Gerassimez (Ukulele) wussten zu unterhalten. Foto: Ulrich Coppel

Mit „60 Minuten Musik“ war das Programm der Brüder Nicolai (Klavier) und Wassiliy Gerassimez (Cello) umschrieben. Am Ende waren es rund eineinhalb Stunden bester Unterhaltung. Die beiden jungen Essener Musiker (jeweils Gewinner zahlreicher bedeutender Musikpreise) spielten am Sonntagnachmittag in der voll besetzten „LVM-Akademie“ am Kolde-Ring Werke von Gershwin , Say und eigene Kompositionen. „Gut 60 Zuhörer haben leider keinen Platz mehr finden können“, erklärte Veranstalterin Monika Schäfer-Althoff fast schon nachdenklich vor Beginn.

Das wohl bekannteste Werk des US-Amerikaners George Gershwin ist die Arie „Summertime“ aus der 1935 fertiggestellten Oper „Porgy and Bess“. Von Ella Fitzgerald bis Janis Joplin hat sich so ziemlich jeder daran versucht – nun auch die Brüder Gerassimez. In ihrer Fassung, die sie neben drei Preludes von Gershwin zu Beginn spielten, spannten sie einen Bogen aus melancholischen Gefilden hinein in die Wildnis der pentatonischen Improvisation.

In „La Guitarra“ entdeckte Wassiliy Gerassimez zupfenderweise andalusische „Ma­lan­guena“-Kadenzen auf seinem auf den Knien liegenden Cello. In der Tat klang dies sehr nach Gitarre. Bruder Nicolai setzte mit Fazil Says „Paganini Variation“ noch eins drauf. Basierend auf dem Caprice Nr. 24 aus der Feder des wohl berühmtesten Geigen-Virtuosen aller Zeiten komponierte der zeitgenössische türkische Pianist (ein Regierungs- und Islamkritiker) sein zirkusreifes Stück. Nicolai Gerassimez gelangen alle enthaltenen Kunststückchen mit größter Leichtigkeit.

Überhaupt strotzte das Konzert vor Effekten: Wassiliy Gerassimez’ Cellostück „Die letzte Nacht im Orient“ klang nach Irish Folkrock. Für „Amira“ (eine eigene Komposition für Cello und Klavier) wurde der Flügel vorsichtig mit einem Geschirrtuch und einem hölzernen Kleiderbügel versehen. Derart präpariert klang das perfekt nach arabischer Oud (Laute).

„Wir stehen Ihnen nach dem Konzert noch für Fragen gern im Foyer zur Verfügung. Dort können sie auch Autogramme erhalten“, moderierte Wassiliy Gerassimez vor dem letzten Werk „Transition“ ein wenig lakonisch. Das Publikum dankte mit langem Applaus.

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