Blindenfußball zu Gast in Nordwalde Zielen mit dem Ohr

Nordwalde -

Augen zu und durch: Das Telekom-Förderprojekt „Neue Sporterfahrung“ ermöglichte Nordwalder Jugendfußballern nachzuempfinden, was es heißt, Blindenfußball zu spielen. Wie man ohne zu sehen, trotzdem Tore schießt, brachte ihnen ein prominenter Gast bei.  

Von Pjer Biederstädt
Blindenfußball zu Gast in Nordwalde : Zielen mit dem Ohr
Jugendfußballer des 1. FC Nordwalde versuchen, nach Gehör Fußball zu spielen. Foto: Pjer Biederstädt

"Wer hat Fragen?" Die jungen Kicker melden sich. Nichts passiert. Kein Wunder, denn Daniel Hoß ist blind und sieht nicht, dass die Jugend-Fußballer des 1. FC Nordwalde die Finger in die Höhe strecken. Der Bundesligaspieler des PSV Köln kennt das schon. "Einfach hereinrufen", sagt der 30-jährige Wuppertaler.

Zusammen mit  Andreas Pauls , Fußball-Betreuer des Telekom-Förderprojekts „Neue Sporterfahrung“, lässt der Sehbehinderte die Nachwuchsfußballer nachempfinden, was es heißt, Fußball zu spielen, ohne den Ball, die Mitspieler oder die Tore zu sehen. 

Bevor die Jungs blind kicken dürfen, gibt es eine kleine Einweisung in den Blindenfußball. Das Feld ist kleiner, vier Spieler plus (sehendem) Torwart stellen eine Mannschaft, der Ball ist sprungreduziert und gefüllt mit Metallplättchen und Kugeln. Die erzeugen ein Geräusch, denn der Blindenfußballer sieht quasi mit den Ohren.

Deshalb steht auch ein sehender Guide hinter dem Tor, der seine Team-Kameraden ständig rufend dirigiert. "Übersteiger à la Ronaldo könnt ihr euch sparen. Körpertäuschungen sieht der Gegenspieler eh nicht", sagt Andreas Pauls. Ach ja, flach spielen macht Sinn, denn in der Luft macht der Ball kein Geräusch. Dunkelbrille auf, Kopfschutz anziehen, los geht's.

Schon während der ersten Übung zur Orientierung im Dunkeln wird der D-Jugend von Trainer Alfred Schunck klar: Fußball ohne Augen ist schwerer als gedacht. Sie treten Luftlöcher, führen den Ball ganz vorsichtig am Fuß, versuchen sich am Torschuss, in dem sie ganz genau hinhören - ein "Ohrschuss" quasi. Als Daniel Hoß mal eben locker und leicht über den Platz dribbelt und den Ball ins Netz zimmert, klatschen die Jungs spontan. Ohne zu sehen, schafft das nicht mal Messi.

Zum Abschluss spielen die Nordwalder Kicker eine echte Partie Blindenfußball. Hier und da rasseln sie gegeneinander oder rennen in die falsche Richtung. Doch es gibt auch sehenswerte Passagen. Am Ende fallen sogar ein paar Tore. "Man fühlt sich so hilflos und muss sich sehr auf den anderen verlassen", fasst ein Junge seine Gefühle nach der Partie zusammen.

Ziel erreicht: Die Jungs haben Berührungsängste gegenüber Blinden abgebaut, ihren Horizont erweitert und eine Menge Respekt vor Fußballern wie Daniel Hoß gewonnen, die den Ball mit Ohrenmaß in den Winkel schlenzen.  

Blindenfußball

Zwei Mannschaften treten mit je fünf Spielern (vier blinde Feldspieler, ein sehender Torwart) gegeneinander an. Das Spiel dauert 50 Minuten und wird auf einem 20 mal 40 Meter großen Spielfeld ausgetragen. Die Tore messen drei Mal zwei Meter. Die Torhüter und die so genannten Guides, die jeweils hinter dem gegnerischen Tor positioniert sind, sowie die Trainer an den Banden dirigieren mit Zurufen ihre Spieler. Der Ball ist im Inneren mit Rasseln versehen und auf diese Weise hörbar. Die Spieler auf dem Feld sind blind im Sinne des höchsten Schweregrads B1. Augenklappenbinden und Augenpflaster gleichen Unterschiede in der Sehschädigung unter den Spielern aus. In Deutschland gibt es Blindenfußball erst seit 2006. Zu den Paralympischen Spielen in Athen im Jahr 2004 wurde der Sport als Disziplin aufgenommen.  

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