Mysteriöser Tod Disput über Vertretungsregelung für verstorbenen Hausarzt

Gronau -

Der mysteriöse Tod des Gronauer Hausarztes in Moskau hat nicht nur den Hinterbliebenen, den Nachbarn und Freunden wie auch den Arztkollegen einen tiefen Schock versetzt, auch die seitdem ungeklärte weitere medizinische Versorgung der Patienten sorgt in der Stadt für viel Unruhe.

Von Susanne Menzel
Die Patienten des verstorbenen Gronauer Hausarztes müssen sich derzeit anderweitig nach einem Mediziner umsehen, der sie weiter behandeln kann.
Die Patienten des verstorbenen Gronauer Hausarztes müssen sich derzeit anderweitig nach einem Mediziner umsehen, der sie weiter behandeln kann. Foto: Soeren Stache/dpa

„Dabei hatte ich der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in der vergangenen Woche angeboten, dass ich kurzfristig als eine Art Feuerwehr zeitlich befristet einspringen könnte“, erklärt Dr. Hans Ulrich Fiesser gegenüber unserer Zeitung. „Ich habe von 1980 bis 2014 hier praktiziert, die Praxis ist sozusagen mein Kind. Ich kenne sowohl das Helferteam als auch noch viele der Patienten. Es wäre für mich ein Heimspiel gewesen“, so der Gronauer.

„Ich hätte eingreifen können, bis das erste Chaos nach dem Tod meines Nachfolgers beseitigt ist. Dazu wären auch die Hinterbliebenen bereit gewesen, mit denen ich in Kontakt stehe. Ums Geld ging es mir dabei nicht einmal. Als Poolarzt der KV habe ich zudem alle rechtlichen Legitimationen – nur die KV wollte diesem Vorschlag nicht zustimmen. Und das ist für mich vollkommen unverständlich“, ärgert sich der 69-Jährige.

Totenschein fehlt

Nach Aussagen der KV wie auch denen einer Justiziarin bei der Ärztekammer sei es nicht so einfach, in solch einem Fall eine Vertretung zu übernehmen. Einen Antrag dazu könnten laut ihrer Aussage nur die Erbberechtigten stellen. Die benötigen dazu jedoch den Totenschein. Der wiederum ist noch nicht ausgestellt, da in Russland momentan Neujahr gefeiert wird und die Behörden überwiegend geschlossen haben.

Hans Ulrich Fiesser empört besonders, „dass in diesem strengen behördlichen Korsett der KV scheinbar keine Ausnahmen vorgesehen sind. Ich zweifele die juristischen Argumentationen ja keineswegs an, aber mir geht es auch darum, so etwas für die Zukunft mal zu regeln und vielleicht zu vereinfachen.“

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„Es hat in der vergangenen Woche Gespräche mit Dr. Fiesser gegeben, bei dem wir ihm zwei Möglichkeiten aufgezeigt haben“, entgegnet Jens Flintrop , Pressesprecher der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe mit Sitz in Dortmund. „Mir scheint, wir wollen im Grunde alle in die gleiche Richtung, nämlich die, die Versorgung der Patienten sichergestellt zu wissen.“

Nach Angaben des KV-Sprechers habe man Dr. Fiesser angeboten, die Vertretung sofort übernehmen zu können. Das Geld für die abgerechneten Leistungen sei aber zunächst auf das Konto des verstorbenen Hausarztes zu überweisen. Mit den Hinterblieben müsse sich Dr. Fiesser im Detail über seine Bezahlung oder auch Regelungen wie Praxismiete, Miete der eingesetzten Apparaturen usw. klären.

Warten auf den Rückruf

Die Alternative sieht vor, dass Dr. Fiesser umgehend wieder seine KV-Zulassung beantragt und die Praxis zunächst einmal unter eigener Flagge weiterführt. Jens Flintrop: „Über den Antrag auf eine Wiederzulassung entscheidet der Zulassungsausschuss der Ärzte und Krankenkassen. Der kommt am 23. Januar zusammen. Da Dr. Fiesser ja alle Voraussetzungen erfüllt, dürfte die Entscheidung auch kein Problem darstellen.

Wir warten jetzt im Grunde auf einen Rückruf von Dr. Fiesser, für welche der beiden Möglichkeiten er sich entscheidet. Welches dieser Angebote er auch in Anspruch nehmen möchte: Wir als KV wären bereit, sowohl den einen als auch den anderen Weg mit zu gehen.“

Kein Antrag auf erneute Zulassung

Nach Angaben von Fiesser „entsprechen die Äußerungen der KV zu dem angeblichen Gespräch mit mir nicht den Tatsachen. Das, was die KV jetzt erzählt, ist eine glatte Lüge und in dieser Form so an mich nicht herangetragen worden. Ich bin von diesen Aussagen jetzt vollends überrumpelt.“ Einen Antrag auf erneute Zulassung lehnte der Gronauer noch im Gespräch mit den WN rundweg ab: „Ich bin Rentner und will es auch bleiben. Ich habe nicht vor, meine Praxis zu reaktivieren.“

Die Lösung, sich mit den Hinterbliebenen finanziell für die nächsten Wochen zu einigen und erst einmal für eine gewisse Zeit die Vertretung in seiner einstigen Praxis zu übernehmen, „muss ich mir in Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Das kann ich spontan so nicht entscheiden. Zumal ich gerade erst Vertretungen für die nächsten Tage anderweitig zugesagt habe.“

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