Easter Suite von Oscar Peterson
Mal schlägt das Herz gar nicht, dann schnell

Schöppingen -

Der letzte ganz tiefe und ganz leise Ton verklingt. Es ist der Schlusspunkt einer Reihe immer schwächer werdender Töne. Die Sequenz symbolisiert eindrucksvoll die letzten Herzschläge Jesu am Kreuz. Das Trio Olaf Kordes (Flügel), Wolfgang Tetzlaff (Kontrabass) und Karl Godejohann (Schlagzeug) spielten am Sonntag die Easter Suite von Oscar Peterson in der St.-Brictius-Kirche.

Montag, 19.03.2018, 17:03 Uhr

Schlagzeuger Karl Godejohann (r.) beherrschte den dezenten Einsatz der Jazzbesen. Wolfgang Tetzlaff (l.) spielte ebenso einfühlsam den Kontrabass. Foto: Rupert Joemann

Zu jedem vorgetragenen Stück führt Pfarrer Thomas Diedershagen mit einer kurzen textlichen Passage der Passionsgeschichte ein. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, zitiert Diedershagen den sterbenden Jesus. Beim Lauschen Petersons Musik zu diesem Thema kann der Zuhörer zunächst ein wenig seinen Gedanken nachhängen, ehe abrupt harte, laute Töne den Besucher die Wirklichkeit dieser Stelle der Geschichte vor Augen zurückführen: Jesus stirbt.

Die drei Profimusiker aus Bielefeld sind bestens aufeinander abgestimmt. Karl Godejohann streichelt förmlich mit seinen kleinen Jazzbesen über die Becken des Schlagzeugs. Seine beiden Mitstreiter passen sich einfühlsam der dezenten Spielweise an. Karl Godejohann kann aber auch ganz anders.

Bei der Passage mit Statthalter Pontius Pilatus ahmt Godejohann mit einem extrem harten Trommelwirbel das Anrücken von Soldaten nach. Dabei hat er zunächst ganz fein begonnen. Es war der Ausdruck, dass Jesus sich noch Hoffnung machen durfte. Das Ende kommt im wahrsten Sinne des Wortes am Schlagzeug knüppeldick.

Mit einem leicht spöttischen Hauch arbeitet Oscar Peterson die Frage der Soldaten an Jesus ab, ob er der König der Juden sei. Das Trio spielt Gute-Laune-Musik. Es ist der Blick der fröhlichen Soldaten auf den vermeintlichen Hochstapler. Die Musik drückt ein wenig die Überheblichkeit der Soldaten aus.

Kraftvoll führt das Trio auf den Höhepunkt zu – die Auferstehung Christi. Die Ankunft des Engels in Gestalt eines Blitzes lassen die drei mit überraschenden, blitzartigen Momenten erscheinen. Jeder der drei Musiker steht für eine kurze Zeit bei Soli im Mittelpunkt – wie der Engel oder der Auferstandene, je nach Interpretation. Das Trio versprüht fast schon enthusiastische Spielfreude. Sie streben gekonnt temporeich und energiegeladen auf das (österliche) Finale zu.

Doch dem Trio ist noch eine Botschaft wichtig. Es spielt Oscar Petersons „Hymn to Freedon“. Martin Luther King machte dieses Stück in den 1960er-Jahren zu dem Hauptsong seiner Bürgerrechtsbewegung gegen die Unterdrückung der afroamerikanischen Menschen in den USA. Barack Obama wählte es zudem 2009 zu seiner ersten Amtseinführung aus. Der 2007 gestorbene Peterson war überzeugter Kämpfer gegen Rassismus. „Das Thema ist aktueller denn je“, findet Olaf Kordes an diesem Abend.

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