Aus Herbern nicht wegzudenken
Bauern und Bäuerin sind gern gesehene Gäste

Herbern -

In Herbern gehört es zum guten Ton, dass Jubilaren ab dem 80. Lebensjahr oder „Goldhochzeitern“ Bauer und Bäuerin Glückwünsche übermitteln.

Dienstag, 13.02.2018, 17:02 Uhr

Elfriede Neuhaus  und Alfred Brochtrop sind zwei von vier Mitgliedern des Heimatvereins, die als Bauer und Bäuerin gratulieren.
Elfriede Neuhaus  und Alfred Brochtrop sind zwei von vier Mitgliedern des Heimatvereins, die als Bauer und Bäuerin gratulieren. Foto: iss

In Herbern gehört es zum guten Ton, dass Jubilaren ab dem 80. Lebensjahr oder „Goldhochzeitern“ Bauer und Bäuerin Glückwünsche übermitteln. Die Tradition wurde in den 1970er Jahren vom Herberner Heimatverein ins Leben gerufen. Stilecht in alter Tracht und mit einem plattdeutschen Gruß auf den Lippen erfreut das Besuchsteam die Jubilare und ihre Gäste.

Begonnen hatte alles mit dem Kiepenkerl, der in den 1970er Jahren von Anton Goldschmidt verkörpert wurde. Schon damals ging immer eine Bäuerin mit. Die Aufgabe hatte lange Marianne Krampe inne, die allerdings vor zwei Jahren verstorben ist. Im Laufe der Jahre rückte ein Bauer an die Stelle des Kiepenkerls, der nun zusammen mit der Bäuerin die Jubilare besucht.

Franz Wemhoff und Alfred Brochtrop sowie Marita Heitbaum und Elfriede Neuhaus stellen zurzeit das Besuchsteam des Heimatvereins dar. „Es macht ganz große Freude“, sagt Elfriede Neuhaus. Sie kam erst vor sechs Monaten zum Team. „Wir sprechen die Termine untereinander ab, damit es für den Einzelnen nicht zu viel wird“, sagt sie weiter. Als gelernte Schneidermeisterin kümmert sie sich um die Trachten, die bei den Besuchen getragen wird. Aus Brokat und mit Stickerei versehen, sind die alten Kleider schon besondere Schmuckstücke. Sie wurden nach historischen Vorbildern angefertigt. So ganz alt sind sie allerdings nicht. „Schätzungsweise in den 1960er Jahre wurden sie genau für diesen Zweck angefertigt“, so Neuhaus. Es gibt drei Trachten für die Damen. „Die erste ist nur noch für die Ausstellung bestimmt, aber die zweite werde ich mir wieder aufmöbeln und dann auch anziehen. Die ist noch richtig gut in Schuss“, sagt Neuhaus mit Blick auf das noch handbestickte Unikat. Durchschnittlich 50 bis 75 Mal im Jahr werden die Kleider übergezogen.

Elfriede Neuhaus möbelt derzeit die alten Kleider der Bäuerin auf

Elfriede Neuhaus möbelt derzeit die alten Kleider der Bäuerin auf Foto: iss

Warum sind es Bauer und Bäuerin, die die Jubilare besuchen? „Das gehört zum ländlichen Leben hier in Herbern dazu“, weiß Elfriede Neuhaus. Sie selber ist hier geboren, also Herberanerin. Die Grüße werden immer auf Plattdeutsch übermittelt. „Das ist Tradition“, ergänzt Alfred Brochtrop. Für jeden Besuch textet der „Bauer“ ein ganz persönliches Gedicht. „Natürlich up platt“, so Brochtrop. Vor anderthalb Jahren kam er dazu. „Ich habe vorher Theater gespielt, da hat man mich für den Posten auserkoren“, so der 74-Jährige. Dass ihm die plattdeutsche Sprache besonders am Herzen liegt, versteht sich von selber. Bei den Besuchen haben Bauer und Bäuerin auch immer ein Präsent dabei, das mit Geldern vom Herberner Weihnachtsbasar finanziert wird. Verwaltet wird es durch das Vierergremium.

„Die Jubilare freuen sich immer, wenn wir kommen. Diese Freude macht unsere ‚Arbeit‘ zu etwas Besonderem“, so Brochtrop. Bei seinen Gedichten hat er eine Maxime: „Es muss zum Jubilar passen, denn es ist immer wieder schön, wenn man die Menschen damit berühren kann.“

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