Sahle Wohnen stellt 33 Flüchtlinge als Azubis ein
Endlich auf den Bau

Greven -

Jetzt sind sie auf dem Bau: Fünf Flüchtlinge aus Reckenfeld konnten vergangene Woche mit ihrer Lehre zum Maurerberuf bei der Unternehmensgruppe Sahle beginnen.

Mittwoch, 14.02.2018, 07:02 Uhr

Diese Reckenfelder Flüchtlinge haben eine Ausbildung bei Sahle wohnen begonnen. Sie stammen aus Afghanistan, Tadschikistan und Somalia.. Foto: Rosemarie Bechtel

Aufmerksam gemacht durch den Artikel „Chance für Flüchtlinge“ in dieser Zeitung hatten Hubert und Monika Höflich von der Grevener Flüchtlingshilfe, sowie Jürgen Otto vom Reckenfelder Bürgerverein Flüchtlinge auf die Ausbildung aufmerksam gemacht. Sie betreuten die jüngen Männer auch bei der Bewerbung.

„Wir hatten über 150 Bewerbungen“, sagt Uwe Sahle, Geschäftsführer von Sahle Wohnen. 33 von ihnen konnte die Wohnungsbaugesellschaft einstellen – ein Projekt mit Vorzeigecharakter. „Für uns ist das ganz neu“, sagt auch Thomas Dues, Leiter der Technischen Schulen im Steinfurt.

Azubis im Alter von 18 bis 37

Dort hat in der vergangenen Woche die erste Sahle-Truppe mit 17 Auszubildenden begonnen. Das Spektrum reicht vom 18-Jährigen bis zum 37-jährigen Familienvater. „Was wir schon jetzt sagen können“, so Dues, „die Lernbereitschaft ist wirklich hoch und die Stimmung ist gut.“

In der Steinfurter Schule hat man Erfahrung mit Flüchtlingen. Derzeit besuchen 150 von ihnen die normalen Bildungsgänge, viele haben den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 oder 10 an der Schule geschafft. Einigen gelang bereits der Sprung in weiterführende Klassen.

Schon in den 90ern Flüchtlinge eingestellt

Uwe Sahle hatte bei seinem Angebot, mit einem Schlag 30 Azubis unter Flüchtlingen zu rekrutieren, kopiert, was seine Firma schon in den 90er Jahren geschafft hatte. Damals wurden Aussiedler und Russlanddeutsche eingestellt. Mit durchschlagendem Erfolg. Fast alle bestanden ihre Prüfungen, viele blieben beim Unternehmen.

Auf ein solches Ergebnis hofft der Grevener Unternehmer jetzt auch. Problematisch könnten möglicherweise die Prüfungsbedingungen bei der Handwerkskammer werden.

Job als Bleibe-Chance

„Es muss gefragt werden, welchen Nachteilsausgleich es für die Flüchtlinge gibt“, sagt Berufsschulleiter Dues. Die gibt es in anderen Fällen auch. Wer etwa eine Rechtschreibschwäche hat, kann bei Tests auf einem Computer schreiben. Möglicherweise könnte man für die jungen Migranten eine Fachwortliste in ihrer eigenen Sprache in Prüfungen erlauben.

Jürgen Otto aus Reckenfeld ist jedenfalls optimistisch für seine Schützlinge: „Die sind hellauf begeistert und strahlen, wenn sie von der Arbeit kommen.“ Der 70-jährige kommt vom Bau, hatte ein kleines Bauunternehmen in Australien und ist vor sechs Jahren nach Reckenfeld zurückgekehrt. Er sollte wissen, wie man Migranten integriert: „Ich hoffe, dass zumindest 50 Prozent der Flüchtlinge die Ausbildung schafft.“ Für die Männer aus Reckenfeld ist der Job eine echte Bleibe-Chance. Sie befinden sich noch im Asylverfahren. Wer eine Ausbildung macht, darf mindestens drei Jahre plus zwei Jahre bleiben, um sich selbständig finanzieren zu können.

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