Ein Mann als Kita-Leiter
„Die Kids lieben ihn“

Lengerich -

Männer, die in Kindergärten arbeiten, sind nach wie vor eine Seltenheit. Insoweit darf sich Thomas Kipp als etwas ganz Besonderes ansehen. Er leitet sogar eine Einrichtung, das Hohner Kinderhaus.

Dienstag, 13.02.2018, 05:02 Uhr

Mit den Kindern an der frischen Luft: Thomas Kipp ist Erzieher im Hohner Kinderhaus – und seit September 2017 auch dessen Leiter. Für ihn „ein Traumberuf“.
Mit den Kindern an der frischen Luft: Thomas Kipp ist Erzieher im Hohner Kinderhaus – und seit September 2017 auch dessen Leiter. Für ihn „ein Traumberuf“. Foto: Mareike Stratmann

Sein Lieblingsort im Kindergarten? Egal. Hauptsache mittendrin. Seit gut zwölf Jahren ist Thomas Kipp Erzieher im Hohner Kinderhaus, hat im vergangenen September sogar dessen Leitung übernommen und fühlt sich in der von einer Elterninitiative getragenen Einrichtung pudelwohl. Er geht sogar noch einen Schritt weiter, meint: „Ja, ich würde sagen, dass das mein Traumberuf ist.“

Dabei ist er als männlicher Erzieher in einem Kindergarten ein absoluter Exot. Kitas sind seit eh und je fest in Frauenhand. Kreisweit liegt der Männeranteil in Kindertagesstätten bei etwa drei Prozent. Und auch im Hohner Kinderhaus ist der 37-Jährige einziger Mann in einem ansonsten komplett weiblichen Team. Was ihm herzlich egal ist. Wichtig ist ihm, dass das Team funktioniert und harmoniert. „Und das tut‘s“, sagt er über die fünf Kolleginnen, die sich mit ihm gemeinsam um die 36 Kinder im Alter zwischen acht Monaten und sechs Jahren in den zwei Gruppen an der Iburger Straße kümmern.

Ob er von Anfang an den Berufswunsch Erzieher gehabt habe? „Ich habe mich über Jahre im Bereich der Jugendarbeit in der evangelischen Kirchengemeinde Lienen engagiert. Das hat mir immer viel Spaß gemacht“, erinnert sich Thoma Kipp. Dass er heute mit Kleinkindern Bilderbücher liest, mit den Größeren kleinere Experimente macht und mit allen gerne an der frischen Luft unterwegs ist, habe er zu Schulzeiten so aber keineswegs vor Augen gehabt.

Sein beruflicher Werdegang hat verschiedene Wendungen genommen. Nach dem Realschulabschluss schlug er den Weg als Computerfachmann ein, wurde damit aber ebenso wenig glücklich wie mit der Lehre als Metaller. „Das war nichts für mich“, blickt er zurück und sagt nun, nachdem er die dreijährige Erzieherausbildung mit Anerkennungsjahr in einem Heilpädagogischen Kindergarten absolviert hat und seither im Hohner Kinderhaus arbeitet, dass er angekommen ist. Und er ist überzeugt: „Dieser Umweg hat mir gutgetan.“

Seit September 2017 ist Thomas Kipp zudem Leiter der Einrichtung und froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Denn trotz der Vielzahl an administrativen Aufgaben und Arbeit im Büro bleibt ihm genügend Zeit für den Gruppenalltag mit Morgenkreis, gemeinsamen Mahlzeiten und unterschiedlichen Aktivitäten.

Was ihm an seinem Beruf am meisten gefällt? „Die Abwechslung und Kreativität, die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Team“, sprudelt es aus ihm heraus. Am meisten allerdings, „dass die Kinder einem so viel zurückgeben“, sagt er und schmunzelt. Als er aus der Elternzeit zurückgekehrt sei, wären die Kids auf ihn zugelaufen, hätten ihn umarmt und sich riesig gefreut.

Eine Einschätzung, die Melanie Pichl bestätigt. Die Vorsitzende der Elterninitiative findet es „total wichtig“, dass auch männliche Erzieher in Kitas arbeiten, weil sie mit den Mädchen und Jungen noch einmal anders spielten als Frauen. Und was für sie die größte Rolle spielt: „Die Kids lieben Thomas einfach.“

Egal ob in der Bastelecke, auf dem Bauteppich oder auf dem großen Abenteuer-Spielplatz der Einrichtung: Im Hohner Kinderhaus ist eine Menge los. Das macht für Thomas Kipp die Arbeit dort aus. „Ich habe das Haus hier lieben gelernt“, sagt der zweifache Familienvater. Und behält dabei eines immer im Auge: „Spielerisch Impulse zu setzen und die Kinder so in ihrer Entwicklung zu fördern“, hat er sich auf die Fahnen geschrieben. Und dazu gehört auch, gemeinsam mal Quatsch zu machen und herumzualbern. Denn irgendwie mache ihm das neben aller Ernsthaftigkeit eben auch eine ganze Menge Spaß.

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