Westerkappelner Delegation besichtigt neue Feuerwache
Anschauungsunterricht in Recke

Westerkappeln/Recke -

Welche Bedürfnisse hat die Freiwillige Feuerwehr für ein neues Gerätehaus ? Und was darf das kosten ? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Gemeinde Westerkappeln seit dem vergangenen Jahr. Anschauungsunterricht, was es für knapp 2,7 Millionen Euro gibt, nahmen die Mitglieder eines dazu eingesetzten Arbeitskreises sowie weitere Vertreter der Verwaltung, des Rates und der örtlichen Feuerwehr am Donnerstagabend in Recke.

Freitag, 18.05.2018, 15:00 Uhr

Vertreter des Westerkappelner Rates, der Verwaltung und der Feuerwehr ließen sich von den Recker Fachleuten (rechts der Wehrführer Uwe Witthake) durch das neue Gerätehaus führen.Die Umkleide in Recke bietet Platz für weit über 100 Wehrleute. Foto: Heinrich Weßling

In der Nachbargemeinde ist Anfang März für die genannte Summe eine neue Feuerwache in Betrieb genommen worden, die in nur neun Monaten aus dem Boden gestampft wurde.

In Westerkappeln soll das neue Gerätehaus an der Mettinger Straße gebaut werden. Im September vergangenen Jahres hatte die kplan AG, eine Aktiengesellschaft für Projektentwicklung und Gesamtplanung mit Hauptsitz in Abensberg bei München, eine Machbarkeitsstudie vorgestellt. Seitdem wabern mögliche Investitionskosten von 4,6 bis 6,1 Millionen Euro durch den politischen Raum. Die Diskussion darüber, ob ein neue Gerätehaus wirklich so viel Geld kosten muss, dürfte durch den Besuch in Recke vermutlich neu befeuert werden.

Bei der Planung der neuen Wache arbeitete die Nachbargemeinde nicht mit einer überregional tätigen Gesellschaft zusammen, sondern vertraute dem örtlichen Architekten Werner Doeker, der unlängst auch im Westerkappelner Rat Rede und Antwort stand. Das Gebäude nahe des Recker Schulzentrums sei ein klassischer Industriebau, betont er auch am Donnerstag. „Das ist heute eigentlich Standard“, sagt der Westerkappelner Gemeindebrandinspektor Ingo Bünemann nach der Besichtigung.

Was er und die anderen Gäste zu sehen bekamen, stieß durchaus auf Gefallen, wenn auch die Westerkappelner Feuerwehr an der einen oder anderen Stelle andere Vorstellungen hat. „Insgesamt hat mich schon überrascht, wie hochwertig die Qualität ist“, meint Bünemann. Angetan ist er nicht zuletzt von der nach seinen Worten „vorbildlichen“ Lüftungsanlage im Gebäude. „Das ist nicht billig gebaut.“

Bei dem neuen Gerätehaus hat der Architekt auch Wert auf ökologische Aspekte gelegt: Das Regenwasser, das auf 5100 Quadratmeter versiegelte Fläche prasselt, wird beispielsweise nicht in die Kanalisation geleitet, sondern versickert auf dem Grundstück. Das gesamte Gelände wird durch LEDs beleuchtet. Beheizt wird das Gebäude über die Fernwärme der benachbarten Biogasanlage.

An den Eingangsflur des Büro- und Verwaltungstraktes ist neben Besprechungs- und Stabsraum, der Küche, der Einsatzzentrale und sanitären Einrichtungen mit Behinderten-WC auch ein großer Schulungsraum angeschlossen. Was Bünemann fehlt, sind allerdings passable Räume für die Jugendwehr. „Und wir wollen ja auch noch eine Kinderfeuerwehr aufbauen“, sagt der Wehrführer. An der Bullerteichstraße sei dies mangels Platz derzeit nicht möglich.

Westerkappelner Delegation besichtigt Feuerwache Recke

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  • Reckes Wehrführer Uwe Witthake (Mitte) führte die Besucher durch die Räume.

    Reckes Wehrführer Uwe Witthake (Mitte) führte die Besucher durch die Räume.

    Foto: Heinrich Weßling
  • Die Umkleide in Recke bietet Platz für weit über 100 Wehrleute.

    Foto: Heinrich Weßling
  • Eine große Delegation aus Westerkappeln hat am Donnerstag die neue Feuerwache in Recke besichtigt. Foto: Heinrich Weßling
  • Architekt Werner Doeker (rechts) im Gespräch mit (von links) dem Westerkappelner Gemeindebrandinspektor Ingo Bünemann, seinem Vertreter Thorsten Schmidt, Reckes Kämmerer Wolfgang Reiners und Ratsherr Horst Wieligmann.

    Foto: Heinrich Weßling
  • Der Recker Löschzugführer Norbert Zurlinden mit Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer

    Foto: Heinrich Weßling
  • Eine große Delegation aus Westerkappeln hat am Donnerstag die neue Feuerwache in Recke besichtigt. Foto: Heinrich Weßling
  • Eine große Delegation aus Westerkappeln hat am Donnerstag die neue Feuerwache in Recke besichtigt. Foto: Heinrich Weßling
  • Eine große Delegation aus Westerkappeln hat am Donnerstag die neue Feuerwache in Recke besichtigt. Foto: Heinrich Weßling
  • Ob Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer und Architekt Werner Doeker aus Recke den Bannerspruch auch für sich reklamieren?

    Foto: Heinrich Weßling
  • Die Waschhalle wurde von den Westerkappelner Feuerwehrleuten für zu klein befunden.

    Foto: Heinrich Weßling
  • Die Feuerwache Recke ist Anfang März offiziell in Betrieb genommen worden.

    Foto: Heinrich Weßling

Die Umkleide in Recke ist ausgelegt auf 84 Männer, zwei Dutzend Frauen und einer etwa gleich starken Jugendfeuerwehr. Tatsächlich sind im Löschzug Recke aktuell nur 67 Männer und eine Frau aktiv. Bünemann gefällt besonders die Leichtbauwand, die sich ohne großen Aufwand verschieben lässt, sollten mehr Kameradinnen in die Wehr eintreten. Im Löschzug Westerkappeln sind derzeit gut 60 Wehrleute aktiv, darunter fünf Frauen. „Aus der Jugendfeuerwehr kommen aber demnächst noch einige dazu“, berichtet Bünemann.

Was er und seine Kameraden allerdings vermissen ist eine sogenannte Schwarz-Weiß-Schleuse, in der die Feuerwehrleute beispielsweise Stiefel und Einsatzkleidung reinigen, bevor sie von der Fahrzeughalle in die Umkleide treten. „Recke hat da ein anderes Konzept“, sagt der Gemeindebrandinspektor.

Die Fahrzeughalle mit angeschlossenem Lager, Schlauchtrocknung, Schlosser- sowie Atemschutzwerkstatt hat sieben vier Meter hohe Tore, hinter denen sechs Fahrzeuge und ein Anhänger stehen. Die Westerkappelner Wehr benötigt nach Bünemanns Angaben nicht nur ein Tor mehr, sondern auch höhere Ausfahrten (4,50 Meter). „Wir werden in den kommenden Jahren wahrscheinlich einen kompletten Fahrzeugwechsel haben.“ Zum Vergleich: Im alten Gerätehaus sind die Tore maximal 3,10 Meter hoch.

„Definitiv zu klein“ findet Bünemann die Waschhalle. „Arbeitstechnisch ist das ein Witz.“ Norbert Zurlinden, Löschzugführer in Recke, hätte auch gerne „einen Meter mehr“ gehabt. „Hier ist aber alles Mindestmaß nach Norm gebaut worden.“

Nichtsdestotrotz: Insgesamt findet Bünemann das Recker Gerätehaus durchaus gelungen. Was die Kosten für einen Neubau in Westerkappeln betrifft, sei er schon gespannt. „Wir brauchen ehrliche Zahlen“, erklärt der Gemeindebrandinspektor. Denn es gibt schon Unterschiede: So gehörte das Grundstück in Recke bereits der Gemeinde. Die Küche ist gesponsert worden. Und auch ein Teil der Fliesen wurde gestiftet, war zu hören. Vielleicht gibt es ja auch in Westerkappeln ein paar edle Spender...

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