Der Tag nach der schweren Explosion in Westerkappeln
Polizei geht von versuchter Tötung aus

Westerkappeln -

Einen Tag nach der Explosion in dem Orientladen am Kreuzplatz in Westerkappeln stehen noch immer viele Passanten fassungslos vor der Brandruine und fragen sich, was da passiert ist. Das will auch die Polizei wissen, die jetzt die vielen Spuren und Zeugenaussagen auswertet. Ermittelt wird nicht nur wegen schwerer Brandstiftung, sondern auch wegen versuchter Tötung.

Donnerstag, 08.02.2018, 12:02 Uhr

Trümmerhaufen: Die Fassade und das Inventar des Orientladens wurden vollkommen zerstört. Für die Brandstelle hat die Staatsanwaltschaft ein vorläufiges Betretungsverbot angeordnet.
Trümmerhaufen: Die Fassade und das Inventar des Orientladens wurden vollkommen zerstört. Für die Brandstelle hat die Staatsanwaltschaft ein vorläufiges Betretungsverbot angeordnet. Foto: Frank Klausmeyer

Zum Stand der Ermittlungen, die das Polizeipräsidium in Münster noch am Mittwochmorgen an sich gezogen hat, will dessen Sprecher Andreas Bode nicht viel sagen. Es werde weiter in alle Richtungen gefahndet. Konkrete Hinweise auf die Täter gibt es offenbar noch nicht.

Die Spurensuche am Tatort ist weitgehend abgeschlossen. Die verkehrsberuhigte Zone im Westerkappelner Ortskern ist am Donnerstagmorgen wieder für den Verkehr freigegeben worden. Bis auf einige Glasscherben an den Hausecken hat der Bauhof der Gemeinde das Pflaster besenrein hinterlassen. Die Brandstelle bleibe aber vorerst weiter beschlagnahmt und dürfe – außer von der Polizei – nicht betreten werden, sagt Bode.

Der Sachschaden ist derzeit schwer bezifferbar. „Er dürfte aber auf jeden Fall im sechsstelligen Bereich liegen“, sagt Frank Büker von der Provinzial-Versicherung. Bei ihr sind sowohl das Wohn- und Geschäftshaus an der Großen Straße wie auch das gegenüberliegende Gebäude versichert, in dem das Geschäft „My Home Chrystal“ ansässig ist. Dort wurden durch die Druckwelle vor allem die Schaufenster in Mitleidenschaft gezogen. „Wir wissen noch gar nicht, ob und wie die Statik des Hauses betroffen ist“, so Büker zum explodierten Orientladen. Auch die Versicherung dürfe die Brandstelle nicht betreten. Zum Schaden hinzuzurechnen seien in solchen Fällen unter Umständen auch gewerbliche oder private Mietausfälle für die Eigentümer.

Unklar ist noch, wodurch die gewaltige Explosion ausgelöst wurde, die solche eine Wucht hatte, dass Fenster samt Rahmen und sogar Klinkersteine aus der Wand gerissen wurden. Dass niemand verletzt wurde, insbesondere die Familien, die über dem Orientladen wohnen, grenzt da schon an ein Wunder. Deshalb ermittelt die Polizei nicht nur wegen schwerer Brandstiftung, sondern auch wegen versuchter Tötung.

Anhaltspunkte für eine technische Ursache gibt es jedenfalls keine, betont Bode. Auch wurden nach Erkenntnissen der Polizei keine Gasflaschen in dem Geschäft gelagert.

Dafür, dass die Explosion und das Feuer vorsätzlich herbeigeführt wurden, spreche der Umstand, dass Zeugen zwei Personen vom Tatort haben weglaufen sehen. Zur Spurensuche wurde deshalb am Mittwoch auch ein sogenannter Mantrailer eingesetzt, ein Hund, der aufgrund seiner hochsensiblen Nase darauf trainiert ist, nach menschlichen Gerüchen zu schnuppern.

Auch Sprengstoffhunde wurden laut Bode eingesetzt. Ob die Täter Benzin oder einen anderen Brandbeschleuniger oder einen Sprengstoff verwendet haben, müsse untersucht werden. „Da ist ja nur Asche übrig geblieben. Bis dazu Erkenntnisse vorliegen, kann es Tage dauern“, bittet Bode um Verständnis, dass die Polizei Zeit braucht.

  Foto: Frank Klausmeyer

Im Umfeld des Tatortes gibt es an einem Haus eine Videokamera, die das Geschehen in der unmittelbaren Nähe rund um die Uhr aufzeichnet. Möglicherweise wurden der oder die Täter gefilmt. Diese Aufnahmen werden nun ausgewertet, erläutert der Polizeisprecher.

Die Motivlage bleibt ebenfalls noch unklar. Ein fremdenfeindlicher oder rechtsextremistischer Hintergrund wird nicht ausgeschlossen. Der Inhaber des Orientladens hatte sich nach WN-Informationen in der Vergangenheit mehrfach bei der Polizei gemeldet, weil Unbekannte Müllgefäße neben dem Geschäft mit Hakenkreuzen beschmiert haben. Bode bestätigt das. Deshalb ermittele der Staatsschutz auch in diese Richtung. „Ob es da aber einen Kontext gibt, muss man abwarten.“

Weitere Zeugen gesucht

Die Polizei sucht weitere Zeugen, die in der Nacht zum Mittwoch verdächtige Beobachtungen im Westerkappelner Ortskern gemacht haben, oder sonstige Hinweise geben können. Diese werden vom Polizeipräsidium Münster, ' 0251/2750, oder jeder anderen Polizeidienststelle entgegengenommen.

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Denkbar ist ebenfalls ein politischer Hintergrund, weil der Ladenbesitzer – ein Deutscher – kurdische Wurzeln hat. Doch all das sind gegenwärtig nur Spekulationen.

In den sozialen Netzwerken sprießen diese und andere Mutmaßungen zuhauf. In der Facebook-Gruppe „Westerkappeln“ wird auch ein „böser Jugendstreich, der gründlich schief gegangen ist“ für möglich gehalten. „Ich bete, dass es keinen fremdenfeindlichen Hintergrund hat“, meint eine Westerkappelnerin – wohl in der Gewissheit, was für ein öffentliches Echo dann zu erwarten wäre.

Bei vielen Usern schwingt Mitgefühl für den Ladenbesitzer mit und der Wunsch, dass dieser sein Geschäft bald wieder öffnen kann.

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