Arbeitskreis Emsinsel warnt: „Nicht den Hut des Investors aufsetzen“

Warendorf -

Der Arbeitskreis Emsinsel meldet sich zurück, nicht mit erhobenem Zeigefinger – aber mahnend: „Die Gestaltung der Emsinsel ist eine Jahrhundertchance für die Stadt. Alle Ideen und Möglichkeiten müssen ausgelotet werden – und das unter Beteiligung einer breiten Bürgerschaft.“ Dabei macht der Arbeitskreis keinen Hehl daraus, dass er ein „Zukleistern“ der Emsinsel mit neuen Wohnhäusern auf Kosten von Grünflächen nach wie vor strikt ablehnt.

Von Joachim Edler
Lobbyisten ohne Eigeninteresse (v.l.): Alfred Kiel, Mechtild Wolff und Sigfrid Krebse vom Arbeitskreis Emsinsel. Die Emsinsel sei weitaus mehr als nur das brachliegende vier Hektar große Brinkhausgelände, finden die Sprecher des Arbeitskreises und zeigen die Größe auf einem Plan: „Die Emsinsel verbindet Alt- und Neustadt zwischen der Überlaufschwelle im Osten und der Andre-Marie-Brücke im Westen. Das Gebiet gilt als Kulturlandschaft.“
Lobbyisten ohne Eigeninteresse (v.l.): Alfred Kiel, Mechtild Wolff und Sigfrid Krebse vom Arbeitskreis Emsinsel. Die Emsinsel sei weitaus mehr als nur das brachliegende vier Hektar große Brinkhausgelände, finden die Sprecher des Arbeitskreises und zeigen die Größe auf einem Plan: „Die Emsinsel verbindet Alt- und Neustadt zwischen der Überlaufschwelle im Osten und der Andre-Marie-Brücke im Westen. Das Gebiet gilt als Kulturlandschaft.“ Foto: Joachim Edler

„Nur die Industriebrache Brinkhaus in den Blick zu nehmen, ist falsch“, betont Sigfrid Krebse , einer der Sprecher des Arbeitskreises Emsinsel. Die Emsinsel sei weitaus mehr als nur das brachliegende vier Hektar große Brinkhausgelände. „Sie verbindet Alt- und Neustadt zwischen der Überlaufschwelle im Osten und der Andre-Marie-Brücke im Westen. Das Gebiet gilt als Kulturlandschaft.“

Der Arbeitskreis Emsinsel meldet sich zurück, nicht mit erhobenem Zeigefinger – aber mahnend: „Die Gestaltung der Emsinsel ist eine Jahrhundertchance für die Stadt. Alle Ideen und Möglichkeiten müssen ausgelotet werden – und das unter Beteiligung einer breiten Bürgerschaft.“

Dabei macht der Arbeitskreis keinen Hehl daraus, dass er ein „Zukleistern“ der Emsinsel mit neuen Wohnhäusern auf Kosten von Grünflächen nach wie vor strikt ablehnt. Nach dem Verkauf des Brinkhausgeländes befürchtet der Arbeitskreis eine „totale Kommerzialisierung“ und hat deshalb bereits im Oktober vergangenen Jahres eine zweiseitige Eingabe an die Stadt gemacht, in der die Mitglieder die Beauftragung eines Landschafts- und eines Stadtplaners, der das gesamte Gebiet in den Blick nimmt, für den richtigen Weg halten.

Umso verwunderter ist der Arbeitskreis, der übrigens Mitstreiter beim Kneipp-Verein, den Heimat- und Altstadtfreunden, dem BUND und dem NABU-Kreisverband hat, dass seine Eingabe nicht auf der Tagesordnung des Umwelt- und Planungsausschusses am kommenden Donnerstag (18. Januar) steht.

Statt dessen schlage die Verwaltung der Politik vor, sich mit der Entwicklung des Brinkhausgeländes am Flächenpool NRW zu bewerben (die WN berichteten).

Das sieht der Arbeitskreis für zu kurz gegriffen und habe sich einmal schlau gemacht: „Der Flächenpool ist nichts anderes als ein Moderator zwischen Eigentümer und Stadt. Es geht allein um eine Revitalisierung des Brachgeländes. Das allein kann es aber nicht sein“, fühlt sich der Arbeitskreis mit seinem Begehren nicht ernst genommen.

Alfred Kiel spricht von „Schönfärberei“ und einem „Kaufschnäppchen“ für den Investor: 42 000 Quadratmeter für 2,9 Millionen Euro, umgerechnet 69 Euro pro Quadratmeter. Und er findet: „Dieses Filetstück hätte sich die Stadt nie durch die Lappen gehen lassen.“

Mechtild Wolff, Vorsitzende des Heimatvereins und Mitstreiterin im Arbeitskreis Emsinsel, fordert: „Rat und Stadt müssen jetzt sagen, was sie dort wollen. Alles andere ist nur ein Abgeben der Verantwortung.“

Und sie warnt davor: „Die Stadt darf nicht den Hut des Investors aufsetzen.“

Während der Arbeitskreis einer Wohnbebauung auf der Emsinsel die rote Karte zeigt, schlagen die Mitglieder stattdessen Veranstaltungsflächen, Parkerweiterung, Hotel mit Ausstellungsflächen für die Textilgeschichte, Gastronomie, Spiel und Sport, Barfußpark, essbarer Stadtpark, grünes Klassenzimmer, Wassertretbecken, Bildung und Kunst – und viel Grün vor. Und dann könnte es aber doch etwas Wohnen sein, und zwar in den bestehenden Gebäuden.

Alfred Kiel stellt abschließend im WN-Gespräch klar: „Wir sind gut 40 Leute im Arbeitskreis, die keine spinnerten Ideen haben, sondern Lobbyisten ohne Eigeninteresse sind – zum Wohle der Stadt.“

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