Youtubes Lösch-Pläne Kritiker sehen Meinungsfreiheit eingeschränkt

Youtube hat ein Problem mit gewaltverherrlichenden Videos - und lässt sie löschen. Zukünftig mit mehr Personal und schon jetzt mit einer Technologie, die unangemessene Videos automatisch erkennen soll. Doch auch Youtube-Kanäle, die nicht nur auf Unterhaltung setzen, haben jetzt Probleme:

Von Julie Milch
colourbox.de
Foto: colourbox.de (Symbolbild)

Die Netzgemeinde reagiert geteilt auf Youtubes Absicht, künftig mehr Mitarbeiter mit dem Löschen von Videos mit verbotenen Inhalten zu beauftragen. Während viele Nutzer die Ankündigung durch Youtube-Chefin Susan Wojcicki begrüßten, wurde zeitgleich auch Kritik in den sozialen Netzwerken laut.

Kritiker werfen Googles Videoplattform vor, die Meinungsfreiheit zu beschneiden, würden Videos und ganze Kanäle ohne Rückfrage gesperrt. So käme es vor, dass es auch Beiträge erwische, die nicht gegen die bestehenden Richtlinien verstießen: Gefährdet sei beispielsweise das YouTube-Gaming, bei dem sich User beim Spielen nicht immer gewaltfreier Spiele aufnehmen, aber eben auch politische Beiträge und Interviews, die nicht nur auf Unterhaltung setzen.

Damit würde Youtube nach Meinung der Kritiker nur die Wünsche zahlungskräftiger Werbepartner berücksichtigen. Die Videoproduzenten hingegen würden durch dieses Vorgehen generell benachteiligt, obwohl sie die die Plattform einst groß gemacht hätten.

Rückgängige Werbeeinnahmen

YouTube reagierte mit diesem Schritt auch auf rückgängige Werbeeinnahmen. Viele Kunden hätten laut Medienberichten ihre Anzeigen zurückgezogen, nachdem ihre Werbung neben jugendgefährdenden Beiträgen gezeigt wurde. Sie stand neben eindeutig sexuellen Kommentaren unter Kinder-Videos oder gefälschten Kinderfilmen mit gewalttätigen Inhalten. Auch dass die automatische Suchanfrage Begriffe rund um Kinder mit pädophilen Vorschlägen vervollständige, sei ein Problem. Zudem würden Schlagwörter wie die Namen von Kinderfilmfiguren auch bei Videos mit kinderfeindlichen Inhalten genutzt.

Beim Löschen Kinderfreundlichkeit im Blick

Solche jugendgefährdenden Videos und Kanäle gehörten nach Aussage der Videoplattform zur großen Masse der gelöschten Beiträge der vergangenen Monate, auch entsprechende Kommentare seien abgestellt worden. Laut Wojcicki würde dabei eng mit Kinderschutzorganisationen zusammengearbeitet. Kritiker stellten jedoch infrage, ob jedes Video kinderfreundlich sein müsse. So seien von den Löschaktionen auch Videos betroffen, die explizit als nicht kindgerechte Filme vom Videoproduzenten eingestuft wurden. Zudem wird kritisiert, dass der automatische Algorithmus zu streng vorgehe.

Keine Werbegelder für zweifelhafte Videos

Laut Wojcickis Ankündigung sollen künftig strengere Kriterien angelegt werden, neben welchen Videos Werbung gezeigt wird. Eine vorangegangene Verschärfung der Werberichtlinien hatte bereits im Spätsommer für Kontroversen gesorgt. In diesen behält sich das Unternehmen vor, keine Werbung neben unangemessenen Beiträgen zu schalten.

Kritische Berichterstattung betroffen

Kritisiert wurde dabei die breite Definition des Wortes „unangemessen“. Keine Werbung solle mehr neben Videos stehen, die Gewalt zeigten oder „umstrittene Themen“ wie politische Konflikte in den Fokus rücken. Was auf den ersten Blick nach einer guten Idee klingt, bedeute weniger Einnahmen auch für jene, die sich kritisch mit solchen Themen auseinandersetzen. Ein deutsches Beispiel ist die politische Interview-Sendung „Jung & Naiv“ oder auch der Kanal des Youtubers LeFloid. Die Produzenten der Videos verdienen Geld mit der Werbung: Je mehr Menschen ihr Video und damit die Werbung sehen, desto mehr Einnahmen erhalten sie von und über Youtube. Ohne ein solches Einkommen würden Kanäle möglicherweise eingestellt oder zu anderen Plattformen verlegt, so die Befürchtung.

Youtube-Kanal von Tilo Jung: "Jung & Naiv"

Youtube-Kanal von LeFloid

Hintergrund

Diese Woche hatte Wojcicki in einem Blog-Eintrag bekannt gegeben, dass sich ab 2018 insgesamt 10.000 Mitarbeiter im Konzern mit der Einhaltung der Richtlinien beschäftigen sollen. Diese verbieten beispielsweise extremistische oder gewalttätige Inhalte. Neben Personal werde dazu bereits seit Juni auch künstliche Intelligenz eingesetzt. Laut Wojcicki konnten so bereits 150.000 Videos mit verbotenen Inhalten gelöscht werden.

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