Fußball: Interview Fanprojekt-Chef Sicking im Interview: „Wir sind ein Teil des SC Preußen“

Münster -

Benjamin Sicking hat als Vorsitzender des Fanprojekts sein Ohr nah dran an der Szene. Im Interview beschreibt er, was die Anhänger aktuell im Stadion beschäftigt, was er sich vom Vorstand erhofft und warum er und seine Mitstreiter nicht nur Ultra-Themen behandeln.

Benjamin Sicking und seine Kollegen aus dem Fanprojekt wollen auch in schwierigen Zeiten für alle Fans im Preußenstadion sprechen und nicht nur für einzelne Gruppierungen.
Benjamin Sicking und seine Kollegen aus dem Fanprojekt wollen auch in schwierigen Zeiten für alle Fans im Preußenstadion sprechen und nicht nur für einzelne Gruppierungen. Foto: privat/Peperhowe

Stürmische Zeiten an der Hammer Straße, für Preußen Münster geht es in den nächsten Monaten um Weichenstellungen. Der Verein kämpft um seine Zukunft, um ein neues Stadion, die Ausgliederung. Mittendrin die Anhänger, die viele Fragen haben, auch Anregungen – und für die ab und an Kleinigkeiten genauso wichtig sind wie das große Rad. Benjamin Sicking ist Vorsitzender des Fanprojekts und hat somit einen Überblick über das, was die Kurven bewegt. Unser Redaktionsmitglied Thomas Rellmann mit ihm über diese Themen gesprochen.

Vor wenigen Wochen meldete sich das Fanprojekt zu Wort und kritisierte einmal mehr die „Kommunikation“ im Verein. Was hatte es damit auf sich?

Sicking: Wir haben oft das Gefühl, nicht als Partner angesehen zu werden, sondern eher als Bittsteller. Wenn wir Dinge kritisieren, bekommen wir das Gefühl, wir seien gegen den Verein. Aber wir sind klipp und klar dafür, wir sind ein Teil des SC Preußen .

Was störte Sie im Alltag denn konkret?

Sicking: Wir werden zu oft vertröstet, Absprachen werden getroffen und können dann doch nicht eingehalten werden. Die im Sommer 2016 gebildete Stadionverbotskommission ist gerade erst vom Club nach außen getragen worden. Das ist gut, hätte aber schon viel eher passieren können. Was viele ärgert, ist der geschlossene Zugang von der Kurve zum Fancontainer. Und in dieser Saison kam es bisher zu extremen Einlasskontrollen.

Sie sind vor drei Jahren mit einer neuen Führung angetreten und wollten auch die Ultras im Fanprojekt repräsentieren. Viele der angesprochenen Punkte klingen tatsächlich nach deren Sorgen ...

Sicking: Wir sind kein Sprachrohr der Ultras und wollen das auch nicht sein. Klar, es gibt immer Überschneidungen. Aber es geht auch darum, dass auf der Gegengerade keine Schnipsel mehr geworfen werden dürfen, im A-Block Schals kontrolliert werden, dass bei Brisanzspielen nur Auswärtsfans auf die Parkplätze können. Das tangiert die Ultras gar nicht. Wir alle wollen als gern gesehene Gäste im eigenen Stadion sein und nicht erst hinter VIP’s und gegnerischen Anhängern kommen. Und von erneuten Änderungen beim Einlass würden viele auch gerne früher erfahren und nicht erst am Tag vor dem Spiel per Mailverteiler.

Passt denn Ihre Balance zwischen den verschiedenen Gruppierungen?

Sicking: Ich denke schon, dass wir einen großen Teil erreichen. Natürlich nicht jeden einzelnen, doch das sollte das Ziel sein. Alle, die mit uns ins Gespräch kommen wollen, können uns immer kontaktieren, etwa bei Heimspielen am Container.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Fanbeirat Burkhard Brüx?

Sicking: Wir pflegen den Kontakt zu ihm und zu Siggi Höing, der der Beauftragte des Präsidiums ist. Burkhard darf nichts entscheiden, aber wir arbeiten dran.

Haben Sie Verständnis dafür, dass der SCP derzeit wichtigere Themen beackern muss?

Sicking: Das ist vollkommen okay, wir wollen ja gar nicht im Vordergrund stehen. Aber wir sehen eben auch andere Themen – und wir haben lange Nachsicht gezeigt, uns eineinhalb Jahre kaum öffentlich geäußert. Es geht darum, für unsere Mitglieder transparenter zu sein, damit sich erst gar keine Emotionen aufstauen.

Sind die Schwierigkeiten in Kürze lösbar?

Sicking: Wir sind in der Terminfindung, wollen jetzt mit Siggi Höing sprechen. Uns ist auch zugesagt, dass wir an der Überarbeitung der alten Stadionordnung mitwirken können.

Bei der geplanten Ausgliederung wollen Sie auch mitreden. Aus dem Vorstand heißt es, das Fanprojekt werde gern gehört ...

Sicking: Dazu wollen wir öffentlich noch nichts sagen, ehe die nächste Sitzung stattgefunden hat. Belastbare Dinge gibt es erst in zwei Wochen, wenn die Unternehmensberatung ihre Prüfung abgeschlossen hat. Die Ausgliederung soll ja möglichst noch in diesem Jahr passieren. Die Informationen müssen jetzt wirklich zeitnah kommen, sonst fühlen sich viele abgehängt. Es wird knapp.

Wie hat sich das Verhältnis zwischen Fans und Funktionären unter der neuen Führung entwickelt?

Sicking: Die anfangs positive Grundstimmung verfliegt langsam, weil einfach wenige Infos kommen.

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