Fußball: 3. Liga
Preußen-Mitglied und Ausgliederungsgegner Schmitt: „Austauschbares Anlageobjekt“

Münster -

Nicht jeder aus den Reihen der Preußen-Mitglieder befürwortet die angestrebte Ausgliederung. Doch was steckt dahinter? Einfach aus Prinzip dagegen zu sein? Ein anderes Verständnis eines Fußballvereins? Ernsthafte Sorgen? Maximilian Schmitt, Blogbetreiber und Mitglied, äußert sich dazu im Interview.

Mittwoch, 10.01.2018, 08:01 Uhr

Ressentiments gegen eine Ausgliederung der Profiabteilung werden allenthalben geäußert. Hier solidarisieren sich die Fans des VfL Bochum mit dem SCP – gemeint sein könnte allerdings auch der aus Paderborn, der genau einen Tag nach der Entscheidung in Münster den Schritt vollziehen will.
Ressentiments gegen eine Ausgliederung der Profiabteilung werden allenthalben geäußert. Hier solidarisieren sich die Fans des VfL Bochum mit dem SCP – gemeint sein könnte allerdings auch der aus Paderborn, der genau einen Tag nach der Entscheidung in Münster den Schritt vollziehen will. Foto: imago

Die Clubbosse haben sich längst klar positioniert. Nur als GmbH & Co. KGaA habe Preußen Münster eine Zukunft im bezahlten Fußball. Doch es gibt auch Gegner im Verein. Die Ultras sowieso, Fiffi-Gerritzen-Kurve und Deviants haben sich auch mit dem Ziel zusammengeschlossen, die Ausgliederung zu verhindern.

Im Stadion warben sie mit einer 32-seitigen Broschüre für ein „Nein“. Im Netz tut sich der Blog „Den Adler im Herzen“ hervor. Maximilian Schmitt (26) betreibt ihn mit fünf Mitstreitern. Im Interview mit Redaktionsmitglied Thomas Rellmann erläutert der WWU-Student, der sich zur aktiven Fanszene zählt, seine Beweggründe.

Welche Befürchtungen haben Sie, sollte am Sonntag die Ausgliederung beschlossen werden?

Schmitt: Dass wir uns unumkehrbar in eine Struktur begeben, die den Verein von seinen Mitgliedern und Fans entfernt und ihn zu einem austauschbaren Anlageobjekt unter vielen macht. Wir Mitglieder können dabei nicht mitbestimmen, wer Teilhaber an der ausgegliederten Mannschaft wird. Und mittelfristig, über die Weiterverkaufsrechte der Investoren, können es nicht einmal die von uns gewählten Vertreter. Zudem befürchte ich, dass wir uns damit in eine Spirale begeben, in der die Vereine – wie der Blick in die Bundesliga, nach England oder Spanien zeigt – bereit sind, sämtliche Werte, Mitgliederrechte oder gesellschaftliche Verantwortungen mittelfristig für den Profit über Bord zu werfen.

Wie viel Zeit investieren Sie, um andere von Ihrer

Schmitt: Unser Blog war zu Beginn gar nicht darauf ausgelegt. Wir wollten eine kritische Gegenöffentlichkeit zu den einseitigen Publikationen des Vereins bieten und Anregungen und Ideen in die Debatte einbringen. Leider wurde davon fast nichts berücksichtigt. In dem Blog stecken dabei nach etwa einem Jahr nun sicherlich 400 Arbeitsstunden.

Warum, glauben Sie, betreibt die Vereinsführung den recht hohen Aufwand für eine Ausgliederung?

Schmitt: Sie wird von ihren Plänen überzeugt sein. Allerdings finde ich es schade, dass wir nicht mitgenommen wurden. Bei anderen Vereinen gab es Arbeitskreise und Diskussionsabende. Beim SC Preußen wurde die Ausgliederung im stillen Kämmerlein vorbereitet und uns als fertiges Paket vor die Nase gesetzt. Auf Anregungen und Wünsche des Fanprojekts, einzelner Mitglieder, der Fanszene kamen nie Rückmeldungen, viele blieben unberücksichtigt.

Fänden Sie es nicht schlimm, wenn es eine oder zwei Ligen nach unten ginge – oder gar in den Ruin?

Schmitt: Die Gefahr ist kurzfristig nicht gegeben. Die Lizenz ist bis zum Saisonende gesichert, auch danach droht das nicht. Mittelfristig wird es in der bisherigen Struktur aber schwierig, höher zu spielen. Wenn man jedoch die gesamtdeutsche Konkurrenz betrachtet, dort Mitgliederzahlen, Zuschauerinteresse und Unterstützung von Stadt und Region vergleicht, sind dies ohnehin die Spielklassen, in die Preußen gehört. So gerne ich den Verein höher spielen sehen würde – ein mitgliedergeführter, basisdemokratischer SCP mit lebendigem Vereinsleben ist mir lieber.

Würden Sie weiter ins Stadion kommen, wenn die Ausgliederung klappt?

Schmitt: Sicherlich würde ich nicht von einem auf den anderen Tag fernbleiben. Zu lange hängt mein Herz schon an diesem Verein. Ich wäre jedoch nicht mehr motiviert, mich aktiv einzubringen und vergleichbare Projekte wie den Blog zu stemmen. Und auf Dauer, so fürchte ich, würden dann auch die Besuche im Stadion immer weniger werden.

Wie geht es für den Verein denn weiter, wenn das Ansinnen der Clubbosse am Sonntag scheitert?

Schmitt: Dann sind wir Mitglieder, und ganz besonders die Gegner der Pläne, gefragt, alles dafür zu tun, den Verein finanziell wieder auf gesündere Beine zu stellen und gemeinsam mit der Vereinsführung ein Leitbild zu entwickeln. Ein SC Preußen, für den Mitglieder, Fans und das Vereinsleben an erster Stelle stehen, und der versucht, in dieser Struktur höchstmöglich Profifußball zu spielen. Ich bin da sehr zuversichtlich.

Der Facebook-Post wird geladen
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5414920?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F216%2F
Staatsanwalt erhebt Anklage gegen Busfahrerin
Tödliches Busunglück: Staatsanwalt erhebt Anklage gegen Busfahrerin
Nachrichten-Ticker