Das Glenn Miller Orchestra verbindet in Münster viele Generationen
Ein Sound, der immer jung bleibt

Münster -

Es geht auf halb elf zu, als die Stimmung im Kongresssaal der Halle Münsterland ihren Gipfel erreicht. „In the Mood!“, so fordern es etliche ältere Herren im Parkett. Ihr Silberhaar lässt vermuten, dass sie jenen Titel, den sie mit Swinglegende und Bandleader Glenn Miller (1904-1944) verbinden, womöglich schon in den 30er Jahren auf Schellack oder (verbotenerweise?) bei ausländischen Sendern gehört haben.

Mittwoch, 14.02.2018, 16:02 Uhr

Bandleader Wil Salden (am Piano), Sängerin Ellen Bliek und das famose Glenn Miller Orchestra präsentierten ihr Programm „Jukebox Saturday Night“ in Münster.
Bandleader Wil Salden (am Piano), Sängerin Ellen Bliek und das famose Glenn Miller Orchestra präsentierten ihr Programm „Jukebox Saturday Night“ in Münster. Foto: Markus Lehmann

Der Niederländer Wil Salden, seit 35 Jahren Chef des Glenn Miller Orchestra, tut den Herrschaften den Gefallen, aber auch den jüngeren Gästen im Saal. Seine 15 Mannen schwärmen aus, die Posaunen und Trompeten tönen aus allen Winkeln. Dabei stammt „In the Mood“ gar nicht originär von Glenn Miller, sondern von dem Saxofonisten und Komponisten Joe Garland. Aber Glenn Miller hat das Stück mit seinem Orchester unnachahmlich arrangiert, und deshalb ist es seine Erkennungsmelodie. Nun zuckt und wippt es in den Fingern und Füßen der Gäste, und wenn man die Stühle beiseite schöbe, würde der eine oder andere sicher tanzen. Denn der Sound, den das heutige, für Europa lizenzierte Glenn Miller Orchestra in Münster produziert, lässt an Pfiff und Pfeffer kaum Wünsche offen. Allein die einleitende „Moonlight Serenade“ ist, wie Bandleader Salden (67) routiniert erklärt, wirklich von Glenn Miller. Was dann in über zwei Stunden klangvollen und unterhaltsamen Programms folgt, ist satter Big-Band-Sound der 1930er und 1940er Jahre vom Feinsten und Musik, die im Grunde nicht altert. Bei einem „Tiger Rag“ lässt der Schlagzeuger seine Bude dröhnen. Bei „Too Darn Hot“ erinnert Sängerin Ellen Bliek an die unsterbliche Ella Fitzgerald, und bei dem wunderschönen „Perfidia“ von Alberto Domínguez singt der Bandleader mit drei Kollegen und der Sängerin fünfstimmig. Das hat Swing, das hat Soul.

Überhaupt der Sound: Wie einst Glenn Miller mischen sich bei den Swing-, Blues- und Rumbaklängen fünf Saxofone, jeweils vier – teilweise gestopfte – Trompeten und Posaunen, der Bass, das Schlagzeug und das perlende Klavier mit Bandleader Salden an den Tasten zu einem süffigen, mal knalligen, dann wieder butterweichen Klang. Das wird zu keinem Zeitpunkt langweilig, zumal die Ensemblemitglieder der Reihe nach ans Mikrofon treten und als Solisten glänzen. Auch optisch erfreut die Variation. Mal wippen die Posaunen nach links, mal die Trompeten nach rechts. Beim „Don’t Fence Me In“ aus der Feder von Cole Porter erinnert Wil Salden mit schönem Bariton an Frank Sinatra, beim „We’ll Meet Again“ formuliert die famose Ellen Bliek den Wunsch, den die rund 500 Zuhörer nach diesem Konzert sicher ebenfalls verspüren. Man möchte sich wieder treffen und diesen Sound nicht mehr aus dem Sinn verlieren.

So jedenfalls bleibt Glenn Miller, der legendäre amerikanische Musiker und Bandleader, der im Dezember 1944 bei einem Flug über den Ärmelkanal spurlos verschwand – vermutlich hatten heimkehrende Bomberverbände das Flugzeug bei Notabwürfen versehentlich getroffen – in den Herzen der Musikfreunde unsterblich. 

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