Alternativen für Münsters Langstrecken-Pendler
Wenn das Fahrrad nicht mehr ausreicht

Als mehrfach ausgezeichnete Fahrradstadt gibt Münster seinen Einwohnern eigentlich die Richtung vor: Wer sich hier fortbewegen will, greift zur Leeze. Touristen staunen in der Regel nicht schlecht über die Massen an Fahrrädern, die hier unterwegs sind. Ganz zu schweigen von den Bikes, die an jeder freien Ecke zuhauf geparkt auf ihren nächsten Einsatz warten. In Münster haben Radler Vorfahrt – und die weitaus bessere Umweltbilanz im Vergleich zu anderen Verkehrsteilnehmern.

Dienstag, 21.05.2019, 11:41 Uhr aktualisiert: 22.05.2019, 09:06 Uhr
Im Winter erwarten Radfahrer hin und wieder solche Tage. Beim Münsterländer Schneechaos von 2005 fielen für die Region ungewöhnliche 50 Zentimeter Schnee. Foto: pixabay.com / R391n4

Bündnis 90/ Die Grünen unterstützen Münsters Fahrradentwicklung sogar mit einer eigenen Kampagne. Die Stadt selbst hat Fahrradzählstationen eingerichtet, um den Verkehr in Zahlen zu erfassen und Möglichkeiten für einen Ausbau des Radnetztes aufzuzeigen. An Grenzen stoßen viele Radler jedoch dort, wo es ins Umland gehen muss. Obwohl in Münster verschiedene Radfernwege aus der näheren und weiteren Umgebung zusammentreffen, sind nicht alle Ziele gut auf zwei Rädern zu erreichen. Steigungen sind selten das Problem, doch die Entfernungen sind mitunter groß. Vor allem der Weg zum Arbeitsplatz ist, wenn er im entfernteren Münsterland liegt, einfach nicht mit der Leeze zu schaffen. Die große Anstrengung, widrige Wetterbedingungen und die oft zu lange Dauer zwingen Pendler zu Alternativen.

Auto rückt wieder in den Fokus

Eingefleischte Radfahrer werden widerwillig umsteigen, doch manchmal gibt eben der Job die Richtung vor. Wer beispielsweise seinen Arbeitsplatz kurzfristig von Münster nach Coesfeld verlegt, muss die 40 Kilometer wahrscheinlich mit dem Auto zurücklegen. Dann tut er das, was 59 Prozent der Deutschen laut einer aktuellen Aral-Studie ebenfalls tun: mit dem PKW zur Arbeit pendeln. Angehen lässt sich dieses Projekt auf unterschiedliche Weise.

Ein eigenes Auto anschaffen

Eine Möglichkeit für Pendler ist der Kauf eines eigenen Fahrzeugs. Sowohl der Neuwagen- als auch der Gebrauchtwagenmarkt geben in der Regel einiges her. Wenn es schnell gehen muss und die Ersparnisse nicht ganz ausreichen, lässt sich ein Auto über einen Kredit finanzieren. In wenigen Minuten ist eine Online-Anfrage erstellt. Einige Kreditportale sind auf die Finanzierung eines PKW trotz negativer Schufa spezialisiert und liefern Pendlern die benötigte Finanzspritze durch jahrelange Erfahrung schnell und unkompliziert. Über die Hausbank ist der Weg meist deutlich länger und steiniger.

Carsharing

Wer sich nicht so schnell entschließen kann oder das Auto zunächst nur sporadisch nutzen muss, könnte es mit Carsharing versuchen. Die moderne Form des Auto-Teilens erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Besonders die Stadt Münster beheimatet mit dem „Stadtteilauto“ einen Pionier unter den Carsharing-Anbietern. Seit 1991 können die Münsteraner auf die gemeinschaftlichen Fahrzeuge zurückgreifen – und damit die Zahl der Privat-PKW nachhaltig reduzieren. Mittlerweile greifen 5000 Nutzer auf diese Möglichkeit zu. Spezielle Tarife gibt es in Kooperation mit der Stadtwerke-Pluscard.

Beim Stadtteilauto profitieren die Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Buchung jederzeit über App, online oder per Telefon
  • alle Fahrzeuggrößen verfügbar
  • alle Kosten im Mietpreis enthalten
  • Ausleihe für Minuten, Stunden oder Tage flexibel möglich

Außerdem profitieren Umwelt und Verkehr in der Stadt: Weniger Autos bedeuten mehr Platz für alle. Die deutsche Carsharing-Hauptstadt ist Münster jedoch noch lange nicht. Bundesweit werden nirgendwo mehr Autos geteilt als in Karlsruhe. Hier sind pro 1.000 Einwohner 2,71 Carsharing-Fahrzeuge im Einsatz (Stand: 2017)

Gemeinschaftsauto für eine saubere Luft: Immer mehr Carsharing-Angebote setzen auf Elektromobilität. Vor allem im Stadtverkehr mit kurzen Wegen und meist schlechter Luft ist das eine gern gesehene Variante.

Gemeinschaftsauto für eine saubere Luft: Immer mehr Carsharing-Angebote setzen auf Elektromobilität. Vor allem im Stadtverkehr mit kurzen Wegen und meist schlechter Luft ist das eine gern gesehene Variante. Foto: pixabay.com / Efraimstochter

Im Carsharing-Bereich sind mittlerweile auch private Modelle populär. Ähnlich wie bei Airbnb für den Wohnungsmarkt können Privatpersonen über Online-Plattformen ihr Auto gelegentlich verleihen. Dabei erwarten Mieter wie Vermieter eine geordnete Abwicklung und vor allem ein geringes Risiko im Schadenfall. Wer das Angebot nutzt, ist über eine entsprechende Versicherung gegen Schäden abgesichert. Meist haben die Plattformen eine Versicherungsgesellschaft als Partner an der Hand, die den Schutz für die Mietsituation übernimmt. Nutzt der Halter sein privates Auto selbst, greift hingegen seine eigene KFZ-Haftpflicht.

Hinweis:

Den privaten PKW auf eigene Faust zu vermieten, ist keine Option. Hauptgrund ist die fehlende Versicherung, falls der Mieter Schäden am oder mit dem Auto verursacht. Die private KFZ-Versicherung kann sich in diesem Fall der Verantwortung entziehen. Ohnehin schließt bei den meisten Versicherungsverträgen eine entsprechende Klausel aus, dass Dritte das Auto fahren dürfen oder es gegen Entgelt vermietet werden kann.

 

Statista
Foto: Statista 2019

Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Als Alternative zum Auto bietet sich für lange Strecken in Münster und Umgebung der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) an. Dabei ist das Angebot innerstädtisch nicht ganz so facettenreich wie andernorts: Münster ist in Deutschland die größte Stadt, die über keine schienenbasierte Transportmöglichkeit verfügt. Wer sich im Stadtgebiet von einem Ende zum anderen bewegen muss, fährt Bus – mit Ticket-Abo für 47,90 Euro monatlich sogar so oft und lange er will. Auch die Nahverkehrszüge lassen sich damit teils nutzen.

In entferntere Teile des Münsterlands und für weite Strecken bietet das Schienennetz der Deutschen Bahn geeignete Verbindungen. Vom Hauptbahnhof Münster fahren Pendler vor allem ins Ruhrgebiet ohne Probleme. Für Vielfahrer, die in ihrem Job deutschlandweit unterwegs sein müssen, hat die Bahn die flexible Bahncard 100 im Angebot. Wer sie im Geldbeutel hat, reist zweiter Klasse für 4.395 Euro im Jahr überallhin – mit Zügen der deutschen Bahn und vielen Stadtbussen.

Kreuz und quer durchs Münsterland bringt Pendler neben der Deutschen Bahn auch die Westfalenbahn: Auf drei Linien sorgen 28 Elektrotriebzüge für Mobilität.

Kreuz und quer durchs Münsterland bringt Pendler neben der Deutschen Bahn auch die Westfalenbahn: Auf drei Linien sorgen 28 Elektrotriebzüge für Mobilität. Foto: pixabay.com / MichaelGaida

Als klassischer Mitfahrer pendeln

Etwas weniger flexibel und eher auf die Bedürfnisse anderer angewiesen sind Pendler, wenn sie sich zu klassischen Fahrgemeinschaften zusammenfinden. Während das bei Freunden noch problemlos funktioniert, entstehen unter Fremden meist einige Fragen, die im Vorfeld geklärt werden sollten . Die Suche nach einer passenden Fahrgemeinschaft gestaltet sich wiederum leicht. Online werden Interessenten auf mehreren Plattformen fündig. Auf muenster.pendlernetz.de können sich alle Einheimischen umschauen, wenn die Leeze im Keller bleiben soll.

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