Bitte einmal volltanken
Ökologischer Lifestyle: Die Trinkflasche

Münster -

Bei Sportlern ist die Trinkflasche schon lange ein brauchbares Utensil. Heute aber geht weder das Kindergartenkind noch der Berufstätige ohne eigene Wasserflasche aus dem Haus. Seit Anfang 2017 gibt es zudem kostenlose Auffüll-Stationen in vielen Städten.

Freitag, 28.12.2018, 01:56 Uhr aktualisiert: 28.12.2018, 13:06 Uhr
In zahlreichen Innenstädten gibt es mittlerweile Refill-Stationen: Jeder, der seine eigene Trinkflasche mitgebracht hat, kann sich dort kostenlos Leitungswasser abzapfen. Foto: dpa

Beginnen wir mit Mark Flekken. Nur Wenigen wird der Name etwas sagen. Flekken ist Fußball-Torhüter des Zweitliga-Vereins MSV Duisburg . Der Schlussmann erfuhr zu Beginn des Jahres große Aufmerksamkeit, als er sich während der Partie gegen den FC Ingolstadt einen kräftigen Schluck aus seiner Flasche gönnte - mit dem Rücken zum Spielfeld und im Glauben, die Begegnung sei unterbrochen. War sie aber nicht. FC-Stürmer Stefan Kutsche nutzte daraufhin die Unaufmerksamkeit des Niederländers zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich.

Die Flasche avancierte zum begehrten Kultobjekt und wurde für 1619,02 Euro versteigert. Nun ist Flekken nicht gerade der Initiator, wohl aber Teil einer deutschland-, wenn nicht weltweiten Bewegung: Wiederverwertbare Trinkflaschen sind zum Lifestyle und Modeobjekt geworden. Im Fußball, im Radsport, im Fitness-Studio gehören die Flaschen mit dem seltsamen Mundstück seit langem schon zum obligatorischen Equipment.

Trinkflaschen als Mode-Accessoir 

Mittlerweile aber sieht man sie immer häufiger in Schulen und Büros. Wer sich heute im Internet oder bei den lokalen Händlern eine Trinkflasche kaufen möchte, wird nicht selten in ein Fachgespräch verwickelt – derart groß ist die Auswahl geworden. Modelle aus Plastik, Glas oder Edelstahl, mit Verschlüssen zum Drücken, Klappen oder Schrauben in scheinbar jedweder Form, Farbe und Größe beherrschen den Markt.

Ob mit Holz- oder Marmor-Optik, grundsätzlich gibt es nichts, was es nicht gibt. Es gibt sogar Flaschen, die ihrem Besitzer per Bluetooth eine Erinnerung aufs Handy schicken, um ihm mitzuteilen, dass er grade durstig ist. Die ganz exklusiven Modelle mit Swarovski-Steinen liegen preislich bei weit über 100 Euro. Man fragt sich: Wer zum Henker braucht so einen Unsinn?

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Trinkflaschen gibt es in den verschiedensten Varianten. Foto: dpa

Ob nun eine Trinkflasche zum Mode-Accessoir taugt oder bitteschön lieber Alltagsgegenstand bleiben soll, darüber kann man streiten.

Trend zu Gunsten der Umwelt

Fakt ist: Für die Umwelt ist der Trend gar nicht mal schlecht. Wie Statistiken des Umweltbundesamtes belegen, ist die Mehrwegflasche in Deutschland auf dem Rückzug. Seit 2004 ist deren Anteil an Getränkeverpackungen um 20 Prozent bis auf 45 Prozent gesunken. Und obwohl die Idee, Plastikmüll zu vermeiden mittlerweile Common-Sense ist, ist der Anteil sonstiger Einwegverpackungen wie beispielsweise Dosen oder PET-Flaschen im gleichen Zeitraum stark gestiegen. Mineralwasser etwa geht zu rund 70 Prozent in Wegwerfflaschen über die Ladentheke. Da kommt der Griff zur wiederbefüllbaren Flasche gerade recht.

Wie aber lässt sich dieser Trend erklären? Schließlich handeln Menschen in ökologischen Sachlagen nur selten aus reiner Vernunft oder Nächstenliebe. Und dass Tausende in großer Angst sind, zu dehydrieren und daher zur Flasche greifen, scheint auch höchst unwahrscheinlich.

Umweltbewegung als Lifestyle

Tatsächlich hat sich gleichzeitig zum Lifestyle so etwas wie eine stille aber wirkungsvolle Umweltbewegung entwickelt: Trinkflaschen-Besitzer demonstrieren ökologisches Engagement, sie zeigen, dass Konsum und Nachhaltigkeit vereinbar sind und richten einen stummen Vorwurf an die Umstehenden, die immer noch aus ihrer Einwegflasche trinken.

Ganz nebenbei hat sich seit einiger Zeit die Meinung durchgesetzt, dass die meisten Menschen zu wenig trinken – alleine deswegen laufen immer mehr Leute mit großen Wasserflaschen umher, um nur ja auf die erforderlichen zwei Liter zu kommen. Und noch zwei weitere – zugegeben sehr individuelle – Vorteile bringt der Griff zur Trinkflasche mit sich: Man vermeidet es am Bahnhofskiosk, wahnwitzige 2,99 Euro für ein Getränk zu bezahlen, und: in der Regel füllen Flaschenbesitzer anstelle von zuckerhaltigen Säften, Energy-Drinks und Coca Cola Wasser in ihre Behältnisse.

Refill spart Plastikmüll

Da ist es mehr als ein Zufall, dass sich gleichzeitig zur mitgebrachten Flasche ein weiterer Trend aufgetan hat: Refill. Das deutschlandweite Umweltprojekt, folgt einem ganz einfachen Prinzip: Mitgebrachte Wasserflaschen können an den ausgewiesenen Orten mit Leitungswasser aufgefüllt werden. Das spart Plastikmüll und löscht gratis den Durst. Kleine blaue Aufkleber am Fenster oder an der Eingangstür geben den Hinweis darauf, welches Ladenlokal sich an der Aktion beteiligt.

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Gekennzeichnet sind die jeweiligen Refill-Stationen mit einem kleinen blauen Aufkleber an der Scheibe oder Tür des Lokals. Foto: dpa

Frisöre, Bioläden, Restaurants oder der Einzelhandel sind dabei. Im März 2017 ist das Projekt in Hamburg gestartet und hat mittlerweile Partner in zahlreichen Städten Deutschlands gefunden. Tatsächlich gibt es bundesweit mittlerweile über 3000 Refill-Stationen. Tendenz steigend.

Strenge Anforderungen an Trinkwasser

Auch in Münster gibt es zahlreiche Anlaufstellen für Durstige. Unter anderem auch im City-Shop der Stadtwerke Münster in der Salzstraße. „Trinkwasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel. Durch regelmäßige mikrobiologische sowie chemisch-physikalische Untersuchungen unterliegt es einer kontinuierlichen Qualitätssicherung. Somit können wir bestätigen, dass das Münsteraner Trinkwasser in jeglicher Hinsicht den sehr strengen Anforderungen der Trinkwasserverordnung entspricht und somit für den menschlichen Genuss uneingeschränkt geeignet ist“, teilen die Stadtwerke auf Anfrage mit.

„Wir empfehlen unser Trinkwasser als Getränk für den Alltag, entweder direkt aus dem Hahn oder prickelnd mit einem Wassersprudler. Die meisten Stadtwerke-Mitarbeiter trinken selbst das münstersche Trinkwasser aus Trinkwasserspendern in den Teeküchen.“

Münsterische Wasserwerke

Drei Viertel des Wasserbedarfs der Stadt Münster wird in den münsterischen Wasserwerken aufbereitet. Das restliche Viertel kommt von der Gelsenwasser AG aus Haltern. Der gesamte Prozess der Wasseraufbereitung wird kontinuierlich kontrolliert und analysiert.

Eine mikrobiologische Untersuchung, so teilen die Stadtwerke mit, findet am jeweiligen Wasserwerksausgang dreimal wöchentlich statt. Weitere routinemäßige sowie umfassende Trinkwasseruntersuchungen kontrollieren die chemisch-physikalisch einwandfreie Qualität des Trinkwassers.

Zum Thema

Was bei der Diskussion um Plastikmüllvermeidung nicht übersehen werden darf: Das Problem der Einwegflaschen ist ein sehr exklusives. Es gibt immer noch mehr als eine Milliarde Menschen auf der Erde, die gar keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. In vielen Teilen der Welt nutzen die Menschen – wenn sie es sich denn leisten können – Flaschenwasser, um die unzuverlässige oder hygienisch bedenkliche Leitungswasserversorgung zu ersetzen.

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