Kommentar
Er schlägt Brücken: Weber kandidiert für EU-Spitzenposten

Münster -

Als Brückenbauer tritt Manfred Weber auf. Der EVP-Kandidat für die Nachfolge von Jean-Claude Juncker will die gegensätzlichen Lager der EU zusammenführen. Da hat er schon in der EVP-Fraktion einiges zu tun: hier die eindeutig pro-europäische CDU, dort die immer weiter ins nationalkonservative Lager abdriftende Fidesz-Partei des Ungarn Viktor Orbán. Dem verbindlichen EVP-Fraktionschef gelingt es, dies zusammenzuhalten. Weber will die Fidesz weiter einbinden, aber wo es um die Verletzung von Grundwerten geht, hat er zuletzt deutliche Grenzen gezogen – und für die Einleitung des Strafverfahrens gegen die Parteifreunde aus Budapest gestimmt.

Samstag, 10.11.2018, 10:54 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 08.11.2018, 19:12 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 10.11.2018, 10:54 Uhr
Manfred Weber (CSU). Foto: dpa

Seit 14 Jahren sitzt Weber im EU-Parlament, dennoch ist er in Brüssel und Straßburg der katholische Niederbayer geblieben. Er ist eben kein abgehobener Heute-hier-morgen-dort-Globalist geworden, wie ihn Populisten so gern als Feindbild zeichnen. Er tritt heimatverbunden und zugleich als überzeugter Europäer auf. Dennoch kennt er die Schwachstellen des Projekts Europa. Er pocht auf mehr Rechte für das Europaparlament. Auf ein Europa, das seine Bürger schützt – auch mit gut gesicherten Außengrenzen. Und er könnte mit seiner Haltung auch die zuweilen gefährlich schwankende Brücke der EU zu ihren Bürgern wieder festigen.

Brücken baut die Personalie aber auch mit Blick auf die Union. Die CDU kann mit dem CSU-Vize als Brüsseler Spitzenkandidat die zeitweise europakritisch auftretende bayerische Schwesterpartei wieder klar auf Europa-Kurs trimmen. In der CSU gilt Weber bislang als ein Nachfolge-Kandidat für den angezählten Horst Seehofer an der Parteispitze. Kein Wunder, dass Webers Nominierung auch vom Ministerpräsidenten in München gefeiert wird. In Markus Söders lauten Beifall dürfte die Hoffnung hineinspielen, dass auf diese Weise ein Konkurrent für den CSU-Vorsitz weggelobt wird.

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