Kommentar zu Merkels Griechenland-Besuch
Die neue Partnerschaft

Küsschen, Küsschen: Die Zeiten, als die Kanzlerin in Griechenland als Nazi verunglimpft wurde, sind vorbei. Doch trotz des Schmusekurses gibt es klare Worte von Merkel zur Lage der Flüchtlinge in der Ägäis.

Freitag, 11.01.2019, 12:32 Uhr
 Alexis Tsipras, Premierminister von Griechenland, gibt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach der gemeinsamen Pressekonferenz die Hand. Foto: dpa

Auch für Angela Merkel ist Griechenland wieder eine Reise wert. Hässliche Anfeindungen mit NS-Symbolen bestimmen nicht mehr das politische Klima zwischen Athen und Berlin. Die akute Finanzkrise in Hellas, die über lange Zeit die Schlagzeilen in Europa beherrschte, ist in den Hintergrund gerückt – vorerst. ­Inzwischen sind sich Alexis Tsipras und Angela Merkel auf pragmatische Art und Weise nähergekommen.

Merkel in Athen – also beinahe ein normaler Arbeits­besuch auf EU-Ebene? Nicht ganz. Griechenland stehen Wahlen ins Haus, und Tsipras spekuliert auf den Rückenwind aus Berlin. Athen braucht dringend Investitionen, der Konjunkturmotor läuft nicht rund. Und auch ohne Euro-Rettungsschirm bleibt dem noch immer notleidenden Land der Zugang zum Kapitalmarkt verwehrt. Tsipras braucht die Kanzlerin als Vertrauenssymbol für Geldgeber.

Und Merkel? In deutschem Interesse liegt die politische Stabilität auf dem Westbalkan. Tsipras soll ihr dabei helfen, den Namensstreit mit dem Nachbarn Mazedonien ad acta zu legen. Ein neues „Nord-Mazedonien“ soll an EU und Nato herangeführt werden. Damit Russland auf Distanz gehalten werden kann. Merkels Besuch in Athen ist Ausdruck einer neuen Partnerschaft.

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