Kommentar zu Angela Merkels Zitteranfall
Abscheulicher Voyeurismus

Diesmal ging die Kanzlerin auf Sicherheit: Beim Empfang der dänischen Regierungschefin setzte sich Angela Merkel auf einen Stuhl. Nur nicht wieder zittern. Die Debatte um ihren Gesundheitszustand beendete sie damit nicht.

Donnerstag, 11.07.2019, 18:24 Uhr aktualisiert: 11.07.2019, 18:36 Uhr
Bundeskanzlerin Angela Merkel und die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen verfolgen im Sitzen das Abspielen der Nationalhymnen im Ehrenhof des Bundeskanzleramtes. Foto: dpa

Die Bilder sind verstörend. Eine von Zitteranfällen heimgesuchte Kanzlerin , die gleichwohl mit stoischer Pflichterfüllung im 14. Amtsjahr ihr übermächtiges Arbeitspensum wie selbstverständlich absolviert; und um Kontrolle kämpft – Kontrolle nicht im politischen Tagesgeschäft, sondern im sichtbaren Ringen mit ihrem ihr phasenweise nicht gehorchenden Körper. Und das alles vor den Augen der Weltöffentlichkeit.

Allein Angela Merkel selbst und ihre Ärzte werden wissen, ob sie, die in all den Jahren alles Persönliche von der Öffentlichkeit fernzuhalten wusste, ihre Erkrankung mit den nur spärlichen Aussagen herunterspielt. Der Ruf nach Einsicht in ihre Krankenakte ist aktuell abwegig, weil es keinerlei Indizien dafür gibt, dass ihre sichtbare körperliche Schwäche einhergeht mit einer beeinträchtigten Wahrnehmung ihrer Amtsgeschäfte.

Es ist die unglaubliche Diskrepanz zwischen den aktuellen Bildern einerseits und Merkels bekannt unbeugsamer Stärke und Durchsetzungskraft andererseits; eine schwächelnde Kanzlerin Merkel kennen wir nicht. Mehr denn je verdient sie in diesen Tagen respektvolle Distanz und Hochachtung; der entwürdigende Voyeurismus in den sozialen und Boulevardmedien ist abscheulich.

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