Serie zur Entwicklung Münsters
Der Mythos wirkt: 1997 erleben die Skulptur-Projekte ihren Durchbruch

Münster -

1997 erleben die Münsteraner und Kunst-Freunde aus aller Welt zum dritten Mal die Skulptur-Projekte. Der Argwohn früherer Jahre weicht der Begeisterung.

Dienstag, 31.07.2018, 12:00 Uhr
Foto: Jürgen Peperhowe

Die Ausstellung Skulptur-Projekte Münster umgibt ein Mythos, der sorgsam gepflegt wird. Anfangs, so schildern es Zeitzeugen und so dokumentieren es viele Bücher, haben sich die Münsteraner mit Händen und Füßen gegen die moderne Kunst im öffentlichen Raum gewehrt. Heute aber wird die Ausstellung gefeiert – als Beleg für die neue Offenheit, als Beleg für die bislang so schmerzhaft vermisste internationale Wahrnehmung, letztlich als Beleg dafür, dass in Münster mehr möglich ist als Kirchenmusik und Aasee-Idylle.

Gerade dieser Wandel macht das Projekt so spannend. Der Widerstand früherer Jahrzehnte ist das Gütesiegel von heute. Wer sich im Stahlbad der Kritik behauptet, da sind sich alle Stammtische einig, der muss gut sein. 

Dieser Mythos führt unweigerlich zu der Frage, wann genau der Argwohn in Begeisterung umgeschlagen ist. Dabei landet man schnell im Jahr 1997. Die dritte Auflage der Skulptur-Projekte ist außergewöhnlich groß und außerordentlich beliebt. Das Wort Sommermärchen wird erst 2006 kreiert. Ungeachtet dessen ist es 1997 in Münster bereits erlebbar. Selbst die überregionale Presse, die Münster ansonsten eher mit spitzen Fingern anpackt, überschlägt sich regelrecht mit Lob.

Was Münster im vergangenen Vierteljahrhundert bewegte

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  • 1993

    1993: 1200-Jahr-Feier. Ob sich diese Schüler des Hittorf-Gymnasiums wieder erkennen? Auf diesem Foto aus dem Jahr 1993 werben sie für den Schülerfotowettbewerb. In der Hand halten sie das offizielle Logo des Stadtjubiläums, der zugleich auch das Thema des Wettbewerbs darstellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1994: Marion Tüns wird Oberbürgermeisterin. Der frühere Oberbürgermeister Jörg Twenhöven (vorne, v.r.) und Oberstadtdirektor Tilman Pünder blicken nicht gerade begeistert, als Marion Tüns erstmals die Oberbürgermeister-Kette trägt. Jubeln indes kann die grüne Bürgermeisterin Barbara Schlemann (vorne, l.), neben ihr die CDU-Politikerin Hildegard Graf.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1995: Streit um Madonna im Südpark. Die Künstlerin Emmy Feldmann hat jene Schutzmantelmadonna, deren Aufstellung in Münster zum Politikum wir, geschaffen

    Foto: Ahlke
  • 1996: Bürgerentscheid stoppt Gesamtschule. Ausgiebig feiern der CDU-Fraktionschef Werner Stolz (vorne, v.l.) sowie die Elternvertreter Eleonore Heyne, Thomas Gruschka und Renate Spitzner ihren Sieg beim Bürgerentscheid. Die Haupt- und die Realschule im Ostviertel bleiben bestehen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1997: Skulptur-Projekte erleben Durchbruch. Nicht kleckern, sondern klotzen, heißt bei den Skulptur-Projekten 1997 die Devise. Die gut besuchte Eröffnungsveranstaltung vermittelt  einen ersten Vorgeschmack auf die gewachsene Bedeutung der Ausstellung.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 1998: 350 Jahre Westfälischer Friede. Die Jubiläumsfeier in Osnabrück und Münster beschert den beiden Städten eine sicherlich einmalige Dichte an politischer Prominenz. Nie zuvor und nie danach gab es in der jüngeren Geschichte der Stadt Münster einen solchen Auflauf von europäischen Staatsoberhäuptern wie bei der Eröffnung der Europaratsausstellung zum Westfälischen Frieden im Landesmuseum am Domplatz.

    Foto: Presseamt Stadt Münster
  • 1999: Berthold Tillmann wird Oberbürgermeister. Berthold Tillmanns Erfolg am Wahlabend 1999 ist so überwältigend, dass ihm seine Frau Cornelia Bergmann überschwänglich in die Arme fällt. Deutlich lässt der Herausforderer die Amtsinhaberin Marion Tüns hinter sich.

    Foto: Ahlke
  • 2000: Gericht kippt Preußen-Park. Im Modell gab es das ECE-Einkaufszentrum und das neue Stadion bereits. Doch daraus wurde nichts. Zur Orientierung: Im Vordergrund verläuft die Hammer Straße, im Hintergrund sind die Hochhäuser von Berg Fidel zu sehen

    Foto: Ahlke
  • 2001: Konzept für dezentrale Flüchtlingsunterbringung. 2008, also sieben Jahre nach dem Beginn des Konzepts, zeichnet der damalige NRW-Integrationsminister Armin Laschet (v.l.) das münsterische Flüchtlingskonzept aus. Projektleiter Jochen Köhnke und Sypros Marinos, Vorsitzender des Ausländerbeirates, nehmen die Urkunde entgegen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2002: Nein zur Stadtwerke-Teilprivatisierung. Otto Meyer und Marion Tüns (vorne, v.l.) werden nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid bejubelt. 2002 werden die Münsteraner an die Urnen gerufen, um die Frage zu beantworten, ob die Stadt Münster die alleinige Eigentümerin der Stadtwerke Münster bleiben soll. Die Antwort beim Bürgerentscheid ist eindeutig: 65,4 Prozent der Wähler stimmen dem zu, nur 34,6 Prozent sind für die von der CDU-Alleinregierung geplante Teilprivatisierung des Versorgungsunternehmens. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2003: Müllaufbereitungsanlage am Start. In Coerde wird die MBRA eröffnet. Die vier Buchstaben stehen für Mechanisch-Biologische Restmüll-Aufbereitungsanlage. Nach einer heftigen Auseinandersetzung mit der Landesregierung in Düsseldorf setzt die Stadt Münster ein Abfallkonzept um, das ohne eine Müllverbrennungsanlage auskommt. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2004: Tiefgarage Ludgeriplatz scheitert. Der Ludgeriplatz, hier ein Foto aus dem Jahr 2001, ist ein kompliziertes Gebilde. Wo soll man hier eine Tiefgarage bauen, fragen sich 2004 viele Münsteraner. Am Ende scheitert das Projekt.

    Foto: Oliver Werner
  • 2005: Pläne für Kanalausbau werden vorgestellt. Als 2017 die Behelfsbrücke, die während des Baus der neuen Schillerstraßen-Brücke erforderlich, wieder abtransportiert wird, liegt die erste öffentliche Präsentation der Ausbaupläne bereits zwölf Jahre zurück.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2006: Münster-Arkaden eröffnet. Von der Rothenburg bis zur Ludgeristraße führt ein Verbindungsweg lang durch die Münster-Arkaden. Seit der Eröffnung 2006 ist das Einkaufszentrum aus der Innenstadt nicht mehr wegzudenken.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • 2007: Südbad schließt. Die Adresse Inselbogen 36 ist derzeit eine Brachfläche. Bis 2007 hat hier das Südbad gestanden. Zwischenzeitlich ist geplant, das Grundstück mit Wohnungen zu bebauen, wozu sich die Kommunalpolitiker aber nicht durchringen können. Zugleich aber werden die verschiedenen, bislang ins Auge gefassten Pläne zum Bau eines neuen Südbades nicht umgesetzt, so dass der Inselbogen 36 seit gut einem Jahrzehnt irgendwo zwischen Baum und Borke vor sich hin dümpelt.

    Foto: Ahlke
  • 2008: Münsteraner erteilen dem Bau einer Musikhalle per Bürgerentscheid eine Absage. Mit einer Aufführung der Carmina Burana vor dem Schloss hatten die Musikhallenfreunde noch für ein „Nein“ geworben – vergeblich. 

    Foto: pia
  • 2009: Markus Lewe wird Oberbürgermeister. Der SPD-Kandidat Wolfgang Heuer (2.v.r.) gratuliert Markus Lewe nach der Oberbürgermeisterwahl zum Sieg. Später macht Heuer als Ordnungs- und Personaldezernent Karriere unter Lewe.

    Foto: Ahlke
  • 2010: Städtebaupreis für die Stubengasse. Unter den vielen Preisen, die Münster schon gewonnen hat, fällt der Deutsche Städtebaupreis im Jahr 2010 kaum auf. Auch wenn der Preis allenfalls in Fachkreisen bekannt ist, so wird mit ihm ein städtebaulicher Wandel dokumentiert, der in Münster sehr wohl eine breite Wirkung erzielt hat. 

    Foto: Oliver Werner
  • 2011: Forensische Klinik geht in Betrieb. Nur selten ist das Tor der forensischen Klinik in Amelsbüren so seit offen wie am Tag der Offenen Tür 2011. Kurze Zeit später kommen die ersten Patienten.

    Foto: Oliver Werner
  • 2012: Abschied vom Namen Hindenburg. Beim Bürgerentscheid 2012, dem vierten überhaupt, setzen sich nicht die Ja-Stimmen durch, sondern die Nein-Stimmen. Und das auch ziemlich deutlich: 59,4 Prozent der Münsteraner entscheiden sich dafür, dass der frühere Hindenburgplatz seinen neuen Namen Schlossplatz behalten und nicht zum alten Namen zurückkehren soll.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2013: Abzug der letzten britischen Soldaten. Über Jahrzehnte hinweg sind britische Soldaten in Münster, hier eine Parade auf dem Domplatz, ein vertrauter Anblick. 2013 aber verlassen die letzten Truppenteile die Stadt.

    Foto: Oliver Werner
  • 2014: Münster wäscht auf 300.000 Einwohner. Stefanie Luik über den Dächern von Münster. Im November 2014 wird die Studentin als 300 000. Münsteranerin begrüßt. Die junge Frau aus Reutlingen ist das Gesicht eines anhaltenden Bevölkerungswachstums in Münster.

    Foto: Oliver Werner
  • 2015: Hängepartie an der Umgehungsstraße endet. 2015 passiert das, womit niemand mehr gerechnet hat: Es erfolgt der erste Spatenstich für den vierspurigen Ausbau der Umgehungsstraße, dritter Bauabschnitt. Der jahrzehntelange Vorlauf für diesen umstrittenen Straßenbau beschert Münster einen außergewöhnlichen Superlativ: 31 Jahre lang, von 1986 ist 2017, ist die Bürgerinitiative St. Mauritz aktiv, um eben diesen Ausbau zu verhindern.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2016: Das Aus für verkaufsoffene Sonntage. Auf diesen Moment haben sie hingearbeitet (vorne, v.l.): Die Pfarrer Martin Mustroph und Jens Dechow, Bernd Bajohr von der Gewerkschaft Verdi und Jochen Lüken, Personalratsvorsitzende der Stadt Münster, feiern den erfolgreichen Bürgerentscheid.

    Foto: Oliver Werner
  • 2017: Hauptbahnhof wird neu eröffnet. Riesig ist der Andrang als der neue Hauptbahnhof im Juni 2017 feierlich eröffnet wird. Das Gebäude kommt gut an. 

    Foto: Oliver Werner

Die Skulptur-Projekte basieren auf einer Idee von Klaus Bußmann und Kasper König . Bußmann hat sich als Direktor des Landesmuseums am Domplatz der Aufgabe verschrieben, die Münsteraner an die moderne Kunst heranzuführen. Kasper König, den international vernetzten Ausstellungsmacher mit münsterischen Wurzeln, reizt diese Aufgabe nicht weniger. 1997 arbeiten sie ein drittes und letztes Mal zusammen, bevor sich Bußmann dann in den Ruhestand verabschiedet. 

Beiden gelingt es, eine Vielzahl von Kunstwerken in die Stadt zu holen, die einerseits künstlerisch überzeugen, andererseits aber auch die Massen anlocken. Nam June Paik stellt vor dem Universitätsschloss silbern lackierte Oldtimer auf, aus denen das Mozart-Requiem erklingt. Jorge Pardo baut einen hölzernen Steg in den Aasee hinein und erlaubt den Passanten dadurch ganz neue Perspektiven. Etwas weiter kann man sich unter den „Poetischen Sendemasten“ von Ilya Kabakov legen und – mit etwas Konzentration – ein Goethe-Zitat am Himmel entziffern.

Diese Skulpturen könnten in Münster bleiben

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Getränkekisten

 Selbst die Info-Punkte, die an verschiedenen Stellen in der Innenstadt für die Kunstschau werben, sind ein echter Hingucker. Die kleinen Häuschen bestehen aus sorgsam gestapelten und verschraubten Getränkekisten, ein Projekt der Künstler Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt. Kein Wunder, dass mit 500 000 Besuchern ein neuer Rekord erzielt wird. 

Geradezu symptomatisch für die Skulptur-Projekte 1997 ist die rote Bar, die Tobias Rehberger auf dem Dach des Hörsaalgebäudes am Hindenburgplatz geschaffen hat. Das Kunstwerk kommt daher wie eine spektakuläre Kneipe und lockt mit einem roten Teppich. Chillen als eine Form des Kunstgenusses, das gefällt. 

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Kasper König ist 40 Jahre lang der Macher der Skulptur-Projekte, er kennt die Szene wie kein anderer. Foto: dpa

Pumpenhaus-Theater

Zu den Neuerungen der Skulptur-Projekte 1997 zählt auch, dass parallel dazu ein ambitioniertes Tanz- und Theaterprogramm im Pumpenhaus-Theater präsentiert wird. Das 1985 gegründete, linksintellektuelle und im „grünen“ Milieu verhaftete Theater unter Leitung von Ludger Schnieder ist für Bußmann und König genau der richtige Partner.

Die zehn populärsten Werke

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  • Platz 9 müsste eigentlich Platz 10 sein, teilt sich mit der Wasserwaage von John Knight aber die gleiche Zahl an Stimmen. Daher gibt es zwei 9. Plätze: Einer davon ist Koki Tanakas Werk „Gruppe“. Vier Stunden Film-Material zeigt acht Menschen, die miteinander reden und gelegentlich Impulse von anderen Menschen bekommen. Die Fragestellung ist ebenso spannend wie wichtig: „Wie zusammen leben und das Unbekannte teilen“.

    Platz 9 müsste eigentlich Platz 10 sein, teilt sich mit der Wasserwaage von John Knight aber die gleiche Zahl an Stimmen. Daher gibt es zwei 9. Plätze: Einer davon ist Koki Tanakas Werk „Gruppe“. Vier Stunden Film-Material zeigt acht Menschen, die miteinander reden und gelegentlich Impulse von anderen Menschen bekommen. Die Fragestellung ist ebenso spannend wie wichtig: „Wie zusammen leben und das Unbekannte teilen“.

    Foto: Oliver Werner
  • Ebenfalls auf Platz 9: John Knights Waage am LWL-Museum für Kunst und Kultur.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Platz 7: Hervé Youmbi vermischt in seinen himmlischen Masken afrikanische und US-amerikanische Jenseits-Motive von Tod und Schrecken. Der Kameruner hat sie am Überwasserfriedhof in unmittelbarer Nähe zur letzten Ruhestätte des Generals Ludwig Roth von Schreckensteinin in Bäumen aufgehängt. Damit hinterfragt der Künstler die Authentizität von Grabriten. Seine Arbeit wirft an diesem Ort unwillkürlich Gedanken über Spiritualität und Aberglaube auf. Wer etwa die Motive seiner himmlischen Masken studiert, die mitunter recht grimmig sind, dem werden Gedanken über Unheil bringende Fetische kommen. Ob man will oder nicht.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Ebenfalls auf Platz 7: Die Gartenstraße Nummer 29 war schon immer ein Ort irgendwo in Fernost – voll chinesischer Zutaten. Während der Skulptur-Projekte 2017 konzentriert sich im Hinterzimmer des ehemaligen Asia-Ladens die globalisierte Welt und dies sehr bunt, aber nicht immer schön. Angeordnet hat dieses Sammelsurium die 1976 geborene Künstlerin Mika Rottenberg, selbst ein Kind der globalisierten Welt. Geboren in Argentinien, aufgewachsen in Israel, ausgebildet zur Künstlerin in den USA, als solche tätig überall. Rottenbergs Skulptur-Projekt vollendet der 30 Minuten dauernde Film, der im als kleines Kino umgebauten Hinterzimmer des Asia-Ladens in Endlos-Schleife läuft.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Platz 6: Im Tunnel am Schloss herrscht während der Skulptur-Projekte dank Aram Bartholls fünf Kronleuchter mit ihren jeweils aus zehn thermoelektrischen, mit Teelichtern betriebenen LED-Leselampen eine fast schon festliche Stimmung.

    Foto: Hanna Neander
  • Für Platz fünf (Pierre Huyghes Welt im Eispalast) findet Irmgard Bröskamp (Ostbevern) diese Worte: „Hier kann nachempfunden werden, wie trist, trostlos, unheimlich ein Leben ohne Mitmenschen und Pflanzen sein kann. Eine Mahnung, wie wichtig es ist, die Umwelt zu schützen und zu pflegen.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Platz 4: Der Schönheit und Stille erfreuen sich Besucher auch beim Haus im Wald von Hreinn Fridfinnsson. Leser Christian Lüschen-Heimer: „Die Wirkung entfaltet sich erst, wenn man sich einlässt, sprich: sich ihm nähert, es betritt. Und dann ist sie enorm: Heimat; Wahrnehmung von Geborgenheit und gleichzeitig Ungeschütztheit; Erinnerung an Kinderspiele; die gedankliche Vervollständigung, die bei jedem anders ist. Es ist berührend!“

    Foto: -kb-
  • Platz drei der „Lieblingsskulpturen“: Der “Nuclear Temple“ von Thomas Schütte erinnert einerseits an ein Atomkraftwerk, andererseits an eine Kirche. Er fügt sich harmonisch in das Gelände des alten Zoos und strahlt eine eigenartige Würde und Ruhe aus.

    Foto: Ellen Bultmann
  • Platz 2: Mit 60 Stimmen landet der Nackerten-Brunnen von Nicole Eisenman auf Platz zwei. Damit kommen die beiden Wasser-Skulpturen auf die Hälfte der Stimmen und verweisen die übrigen 33 Skulpturen auf die hinteren Plätze.

    Foto: Hanna Neander
  • Platz 1: Der Unterwasser-Steg von Ayşe Erkmen war von Start weg ein Renner. Die Unterwasserbrücke hat mit 113 Stimmen fast ein Drittel aller Stimmen auf sich vereint. Das Besondere dieses Skulptur-Projektes ist, dass es an sich unsichtbar ist und erst durch die Besucher erkennbar wird.

    Foto: Oliver Werner

Immer wieder entpuppt sich das Pumpenhaus-Theater als Motor der künstlerischen Entwicklung in Münster, so auch im Jahr 2010, als das Theater sein 25-jähriges Bestehen mit dem grandiosen   Festival „Statements“ feiert.

Sackgasse

Zu diesem Zeitpunkt ist von der Euphorie 1997 nicht mehr viel zu spüren. Die Verantwortlichen der Skulptur-Projekte, allen voran Kasper König, merken schnell, dass der Erfolg auch in die Sackgasse führen kann. Das Jahr 1997 treibt die öffentliche Erwartungshaltung in die Höhe. Die Ausstellung ist auf dem besten Wege, zu einem Event zu werden, was König auf jeden Fall vermeiden möchte.

Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

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  • Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ei Arakawa:

    Ein Mini-Museum mit sieben Gemälden plus Musik auf grüner Wiese vor Haus Kump – vor allem abends schön.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nairy Baghramian:

    pseudounfertige Skulpturen auf Schraubenschlüsseln finden sich am Erbdrostenhof.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Aram Bartholl:

    Lagerfeuer-Feeling in gedachter Endzeit gibt es an drei Standorten: H1-Tunnel, Pumpenhaus und Fernsehturm.

    Foto: Henning Rogge
  • Cosima von Bonin/Tom Burr

    Die schwere Moore-Plastik am Landesmuseum wird scheinbar vom Tieflader abgeholt. Auf der Kiste steht „Fragile“ für „Zerbrechlich“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Andreas Bunte:

    hängt am H1-Vorplatz, Stadthaus-1-Innenhof und bei der VHS Plakate mit Fotos einer Installation auf. Via QR-Code gibt es Töne und Bilder.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gerard Byrne

    Gerard Byrne setzt im Klaviersaal der Stadtbücherei das Verhältnis von Musik, Sprache und Bild in Szene.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Camp:

    (Shaina Anand und Ashok Sukumaran) spannt an der Theaterruine ein Netzwerk, das Informationen über das Theater und die Umgebung vermittelt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Michael Dean

    Michael Dean verhängt den Lichthof des Landesmuseums mit transparenter Folie und zeigt darin Schriftzeichen-Skulpturen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jeremy Deller:

    hat Kleingärtner zehn Jahre lang Tagebuch schreiben lassen. Respektable 33 Bücher werden ausgestellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nicole Eisenman:

    hat einen Brunnen für die Kreuzschanze schaffen, der aus unbekleideten Frauen besteht.

    Foto: Oliver Werner
  • Ayşe Erkmen:

    lässt Menschen im Hafen über eine Brücke unter Wasser gehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Lara Favaretto:

    stellt am Ludgeriplatz gegenüber ein Denkmal für Kolonialkriegsopfer einen Spardosen-Monolithen für Flüchtlinge auf.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hreinn Friðfinnsson:

    platziert auf einer Wiese im Sternbuschpark sein Edelstahl-Hausskelett.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ludger Gerdes:

    hat 1989 über dem Ordnungsamt Marl das Leuchtschild „Angst“ anbringen lassen; bis zum 1. Oktober hängt es am Aegidiimarkt.

    Foto: Gerhard Kock
  • Pierre Huyghe:

    stellt die ehemalige Eissporthalle auf den Kopf für ein Habitat.

    Foto: Oliver Werner
  • John Knight:

    vermisst das neue Landesmuseum mit einer überdimensionierten Wasserwaage.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Justin Matherly:

    stellt den Nietzsche-Felsen in der Nähe des Hauptbahnhofs auf Gehhilfen und thematisiert dessen Erweckungserlebnis.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Christian Odzuck:

    stellt eine dem Gebäude der Oberfinanzdirektion nachempfundene Architektur aus recyceltem Material der abgerissenen OfD auf die Brache.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Peles Empire:

    (Barbara Wolff, Katharina Stöver) machen den Archetyp des Prinzipalmarkt-Giebels gegenüber dem Aegidiimarkt begehbar.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Alexandra Pirici:

    lässt Tänzer im Friedenssaal Bewegungen zum Thema Frieden und Staaten aufführen.

    Foto: Oliver Werner
  • Mika Rottenberg:

    eröffnet gegenüber dem Gefängnis in einem ehemaligen Asia-Laden einen Asia-Laden mit Videos.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Xavier Le Roy mit Scarlet Yu:

    lassen Münsteraner in der Innenstadt pantomimisch Skulpturen darstellen, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Sany:

    (oder besser: Samuel Nyholm) zeigt seine fallenden Figuren als Brennmalerei auf Holz an mehreren Stellen in der City.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gregor Schneider:

    hat im Landesmuseum die Wohnung von N. Schmidt eingerichtet.

    Foto: Henning Rogge
  • Thomas Schütte:

    zeigt auf dem ehemaligen Zoo-Gelände die Reinform des Tempels in Rostrot.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nora Schultz:

    will mit Installation und Videos die Wucht der Architektur des neuen Landesmuseums brechen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emeka Ogboh macht die Weltmusik des in Münster begrabenen Komponisten Moondog im Hamburger Tunnel hörbar und ließ in Belgien Bier unter dem Einfluss von Musik aus Lagos brauen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Michael Smith:

    lädt über 65-Jährige ein, sich kostengünstig Tattoos von Arbeiten internationaler Künstler stechen zu lassen.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Hito Steyerl:

    stellt „Hell-YeahWeFuckDie“ als Leuchten in die LBS – Wörter, die in Popsongs der Gegenwart häufig sind – und thematisiert zudem, wie Menschen mit Robotern umgehen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Koki Tanaka:

    zeigt in der Johannisstraße 18/20 Videos von Workshops mit Münsteranern, die darüber nachgedacht haben, wie Menschen zusammenleben und Unbekanntes teilen.

    Foto: Henning Rogge
  •  Oscar Tuazon:

    bereichert eine Industriebrache am Stadthafen mit einer Art öffentlichem Betonkamin.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Bárbara Wagner und Benjamin de Burca:

    singen in der Uralt-Disco „Elephant Lounge“ Schmalz-Schlager mit kritischen Texten: „Bye Bye Deutschland! Eine Lebensmelodie.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Cerith Wyn Evans kühlt eine Glocke von St. Stephanus auf Winter-Temperatur. Zu den üblichen Gottesdienstzeiten (samstags um 17 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr) können die Menschen hören, ob dies einen Unterschied macht - und wenn welchen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hervé Youmbi:

    hängt zwischen die Bäume des alten Überwasserfriedhofs über die Bronzefiguren Masken, die Motive aus Afrika mit dem Horrorgesicht aus den „Scream“-Filmen kombiniert – ein Maskenball der besondern Art.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gintersdorfer/Klaßen starten im Pumpenhaus ihre öffentlichen Performance-Proben „Erniedrigung ist nicht das Ende der Welt“. (Symbolfoto)

    Foto: pd

Die Ausstellung 2007 fällt bedeutend kleiner aus. König wehrt überdies eine Verkürzung des Ausstellungs-Intervalls von zehn auf fünf Jahren ab. Er sieht darin eine Entwertung des ursprünglichen Konzeptes. Später denkt er laut darüber nach, die Skulptur-Projekte nur noch alle elf Jahre stattfinden zu lassen, um sie zeitlich von der Documenta-Ausstellung in Kassel und der Biennale in Venedig zu entkoppeln. Unter touristischen Gesichtspunkten würden die Skulptur-Projekte damit an Bedeutung verlieren, da speziell das internationale Publikum das Ausstellungs-Hopping liebt. 

Eiertanz

Droht nach der Begeisterung die Leere? Die inhaltliche Kritik der Münsteraner geht bei den Ausstellungen 2007 und 2017 gegen Null, zugleich aber ist den wechselnden Kuratoren-Teams der Eiertanz anzumerken. Einerseits müssen die Skulptur-Projekte wegen des hohen Einsatzes an Steuermitteln massenkompatibel bleiben, andererseits birgt das öffentliche Lob die Gefahr in sich, dass die Kunst als Mittel der Tourismusförderung missbraucht wird. 

Skulptur Projekte 2017

Hier Texte und Fotostrecken zur Skulptur Projekte 2017 in Münster

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Nach 40 Jahren Skulptur-Projekte endet die Ära Kasper König. Was danach kommt, ist offen. Die Münsteraner können sich ein Ende des Ausstellungsmarathons nicht mehr vorstellen. Bei den  Künstlern und Ausstellungsmachern ist man sich da nicht mehr so sicher.

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