Stadtwerke geben höhere Netzentgelte weiter
Stromkunden zahlen ab März mehr

Münster -

Zwei Drittel aller Stromkunden der Stadtwerke Münster müssen ab März einen höheren Grundpreis für ihr Stromprodukt zahlen. Betroffen sind alle Tarife ohne Preisgarantie.

Freitag, 12.01.2018, 20:01 Uhr

Ab dem 1. März müssen viele Stromkunden der Stadtwerke Münster mehr zahlen.
Ab dem 1. März müssen viele Stromkunden der Stadtwerke Münster mehr zahlen. Foto: Stadtwerke/Jean-Marie Tronquet

Zwei Drittel der Stadtwerke-Stromkunden müssen ab dem 1. März höhere Strompreise zahlen, da die großen Netz-Betreiber in Deutschland die Preise für die Netznutzung erhöht haben – „zum Jahresanfang um immerhin 45 Prozent“, erklärt Stadtwerke-Pressesprecherin Lisa Schmees . Der feste Grundpreis für die häufig genutzten Tarife „Münster:direkt“ und „Münster:natürlich“ steigt demnach um 23,80 Euro pro Jahr. Ausgenommen von dieser Preiserhöhung, die die Stadtwerke Münster an ihre Kunden weitergeben, sind laut Schmees nur jene Kunden mit Preisgarantie-Tarifen für meist ein bis zwei Jahre.

Die Stadtwerke, die insgesamt 160.000 Haushalte mit Strom versorgen , weisen ihre Kunden derzeit in persönlichen Anschreiben auf die Erhöhungen hin und geben zugleich den Hinweis, dass sich durch eine individuelle Zusammenstellung des eigenen Stromtarifs die Energiekosten spürbar senken lassen.

Hilfe hierbei soll ein laut Schmees bereits im Herbst 2016 eingeführter „Strompreisrechner“ auf der Homepage der Stadtwerke leisten. Wer dort für seinen Haushalt den Jahresverbrauch in Kilowattstunden aus der letzten Rechnung einträgt, kann die für sich günstigste Tarif-Variante auswählen und buchen.

Zusammensetzung des Strompreises

Es gibt vier große Netzbetreiber in Deutschland (E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall mit zahlreichen Tochterunternehmen), die den Strom über längere Strecken transportieren – sogenannte Übergangsnetzbetreiber oder vorgelagerte Netzbetreiber. Über Umspannwerke wird der Strom, den die Stadtwerke Münster übrigens an der Strombörse in Leipzig kaufen, auf eine für Haushalte nutzbare Spannung von 230 Volt gebracht und über das Netz der städtischen Netzgesellschaft an die Endkunden geliefert. Ein Großteil des Strompreises setzt sich aus Bestandteilen zusammen, die die Stadtwerke an Dritte weiterleiten. Laut Stadtwerke Münster entfallen 56,6 Prozent auf Steuern und Abgaben, etwa auf die Umlage zur Deckung der Kosten der nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vergüteten Stromeinspeisung (EEG-Umlage). Das Netzentgelt, das die Stadtwerke an die Stromnetzbetreiber zahlen, macht 19,5 Prozent des Strompreises für die Endkunden aus.

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Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch einer vierköpfigen Familie von 3500 Kilowattstunden im Jahr bewegt sich der Preis je nach Tarifzusammenstellung zwischen 948,78 Euro und 1001,28 Euro pro Jahr. Am teuersten ist die sogenannte Grundversorgung im Tarif „Münster:ideal“, in dem jene Haushalte versorgt werden, die von sich aus keinen anderen Tarif gewählt haben. Im Vergleich zu den Grundversorgern NRW, so Schmees, „liegen aber unsere Grundversorgungspreise für Strom für einen Durchschnittskunden mit 3500 Kilowattstunden im Jahr weiterhin unterhalb des Mittelwerts“.

Während die meisten Stromkunden in diesem Jahr höhere Preise verschmerzen müssen, können sich Haushalte, die mit Gas heizen und kochen über leichte Kostensenkungen freuen. Da die Beschaffungspreise für Erdgas gesunken sind, soll der Gaspreis in der Grundversorgung und in Tarifen ohne Festpreis um 0,2 Cent je Kilowattstunde sinken. Schmees: „Das bedeutet für einen Durchschnittskunden mit einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden pro Jahr eine Ersparnis von 47,60 Euro brutto im Jahr. Davon profitiert rund die Hälfte unserer Erdgaskunden.“

Kommentar: Gewagte Preiserhöhung

Die von den Stadtwerken Münster angekündigte Strom-Grundpreiserhöhung scheint mit einem Betrag von 23,80 Euro aufs Jahr gerechnet moderat auszufallen. Doch angesichts des harten Wettbewerbs, in dem der kommunale Stromversorger mit erheblich günstigeren Stromanbietern konkurrieren muss, ist es eine gewagte Preiserhöhung. Sie wird manchen Kunden bewegen, sich auf einschlägigen Vergleichsportalen nach einer Alternative umzusehen. Andere Anbieter locken dort mit Ersparnissen von mehreren Hundert Euro bei einem Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden jährlich. Da mag die in der vergangenen Woche platzierte Nachricht der Stadtwerke über die Versorgung so vieler Stromkunden wie nie zuvor der Hoffnung Ausdruck verleihen, mögliche Zweifler trotz der Erhöhung zu halten. Kunden, die noch in der recht teuren Grundversorgung sind, sollten sich zumindest um einen günstigeren Tarif bei den Stadtwerken kümmern.

Karin Höller

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