Jobmesse für Flüchtlinge
Ansturm auf Arbeit

Münster -

Die Arbeitsplatz- und Jobmesse für Flüchtlinge erwies sich als riesiger Erfolg. Nur ein Problem gab es: Die Volkshochschule platzte aus allen Nähten.

Freitag, 23.02.2018, 17:02 Uhr

Dicht gedrängt informierten sich die Arbeitsuchenden bei den Unternehmen nach Jobmöglichkeiten.
Dicht gedrängt informierten sich die Arbeitsuchenden bei den Unternehmen nach Jobmöglichkeiten. Foto: Björn Meyer

Es ist kurz vor 10 Uhr morgens, in wenigen Augenblicken soll die Ausbildungsplatz- und Job-Messe für Flüchtlinge in den Räumlichkeiten der Volkshochschule beginnen. Etwa 30 Unternehmen sind gekommen, um sich vorzustellen und so um potenzielle Beschäftigte zu werben. Spannung allerdings, ob viele kommen werden, liegt nicht in der Luft. Aus einem Grund: Im Inneren der VHS herrscht bereits dichtes Gedränge. Eine Schlange hat sich draußen vor dem Eingang gebildet. Aus dem ganzen Münsterland sind Menschen gekommen. Frauen und Männer. Jung und alt. Aus Afrika, Asien oder Europa. Sie alle eint ein Ziel: Sie wollen arbeiten.

Junge Initiatoren

„Wir hatten schon eine Vorahnung, aber dass so viele kommen, hätten wir nie gedacht“, sagt Doktorandin Ina Batzke . Zusammen mit Tolga Buruk, Busra Kor und Jan Amrhein hat sie die Messe organisiert – oder besser gesagt initiiert, denn: „Uns war ziemlich schnell klar, dass wir das nicht alleine auf die Beine stellen können“, erklärt der 21-jährige Medizinstudent Jan Amrhein, Ideengeber der Veranstaltung. Also wandten sich die vier jungen Leute, die das Projekt im Rahmen des Avicenna-Begabtenförderungswerks entwickelt hatten, an das Jobcenter Münster und stießen dort sofort auf offene Ohren. Es folgten Volkshochschule und Unternehmen. „Da sieht man mal, was passiert, wenn man die richtigen Leute miteinander in Kontakt bringt“, sagt Ina Batzke mit Blick auf den prall gefüllten Raum vor ihr.

Bei Fotograf Michael Arndt konnten sich die Gäste kostenlos Bewerbungsfotos erstellen lassen.

Bei Fotograf Michael Arndt konnten sich die Gäste kostenlos Bewerbungsfotos erstellen lassen. Foto: Björn Meyer

Unterschiedliche Erwartungen

Die, die gekommen sind, haben dabei ganz unterschiedliche Erwartungen. „Ich suche körperliche Arbeit“, sagt Jalal Lawan. Der 18-jährige Kurde wohnt in Ochtrup und besucht ein Berufskolleg in Steinfurt. Extra für die Messe ist er am Freitagmorgen nach Münster gekommen.

Genet Berhane aus Eritrea hat kürzlich ihren Deutschkurs abgeschlossen. Die 28-Jährige ist alleine mit ihrem Kind in Deutschland und sucht einen Teilzeit-Job. „Etwas mit Menschen, ich will doch weiter mein Deutsch verbessern“, sagt sie.

Studium für Flucht abgebrochen

Andere haben bereits konkretere Vorstellungen. Aminullah Abbsi (33) aus Afghanistan will eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner finden, und Parween Ahmad aus Syrien (26) will Mediengestalterin werden. In diesem Bereich absolviert sie gerade ein Praktikum. In Syrien war sie auf dem Weg zur Akademikerin, hatte bereits einige Semester studiert: „Doch ich habe das Studium abgerochen, um nach Deutschland zu kommen“, sagt sie.

Parween Ahmad war auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle als Mediengestalterin.

Parween Ahmad war auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle als Mediengestalterin. Foto: Björn Meyer

Viele Bewerber fürs Bäckerhandwerk

Einige Meter weiter steht Ute Kaulitz. Die Bäcker-Meisterin sucht Bäcker und Produktionshelfer für Cibaria, denn gerade im Bäckerhandwerk mangelt es an Fachkräften. Dass sie schon an diesem Tag fündig wird, glaubt Kaulitz nicht. Nicht weil keine geeigneten Bewerber dabei seien – im Gegenteil: „Es sind einfach zu viele. Ich denke, viele werden sich das zu Hause angucken und sich dann vielleicht melden.“

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