Mobilität im Wohnquartier
Gut vernetzt unterwegs

Münster -

Die Mobilitätswende beginnt vor der Haustür. Wie sie gelingen kann, diskutierte der Klima-Diskurs NRW mit rund 80 Teilnehmern in Münster.

Freitag, 08.06.2018, 17:52 Uhr

Der Klima-Diskurs NRW beschäftigte sich am Donnerstag in der Rüstkammer des Rathauses unter Moderation der Journalistin Britta Mersch (l.) mit dem Thema „Mobilität im Verkehr“. Foto: Oliver Werner

Wie sieht der Verkehr in der Zukunft aus? Vor allem: Wie lässt sich Mobilität in Wohnquartieren voranbringen? Die münsterischen Stadtwerke setzen dabei auf E-Car-Sharing, wie der kaufmännische Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann am Donnerstag beim Klima-Diskurs NRW in der schwül-warmen Rüstkammer des Rathauses vor rund 80 Teilnehmern ausführte.

„Wir wollen den Zweitwagen ersetzen“, gab der Stadtwerke-Chef die Marschroute aus. Und musste sich dafür in der späteren Diskussionsrunde von Michael Glotz-Richter, Referent für nachhaltige Mobilität in Bremen, kritisch fragen lassen: „Warum gehen Sie nur den Zweitwagen an?“ Autobesitz sei schließlich alte Mobilität. Die eingangs bei der Begrüßung von Klima-Diskurs-Vorstand Dr. Axel Horstmann prognostizierte „Interessenkollision“ brachte Glotz-Richter auf den Punkt: „Wir reden über E-Mobilität und subventionieren den Diesel.“

Die Stadtwerke Münster schlagen unterdessen einen neuen Weg ein. Sie wollen zusammen mit Kooperationspartnern ein Pilot-Projekt mit 30 E-Autos und 15 Ladesäulen auf die Beine stellen. „Wir sind in der Konzeptphase“, beschrieb Müller-Tengelmann den Status.

Für ein erfolgreiches Gelingen eines solchen Projekts sind nach Einschätzung des Stadtwerke-Chefs einige Voraussetzungen unabdingbar: Zum einen müsse die Verfügbarkeitsgarantie eines Autos bei „weit über 90 Prozent“ liegen. „Bei einer Fifty-fifty-Chance wird das Projekt nicht angenommen.“ Je homogener ein Wohnquartier sei, umso besser lasse sich die Nachfrage prognostizieren und eine entsprechende Auslastung der Fahrzeuge erreichen. In jedem Fall müsse es möglich sein, Autos per App im Voraus reservieren zu können. Das sei die Nagelprobe, erklärte Müller-Tengelmann. „Wir müssen es einfach machen, die Leute müssen Spaß haben.“ Um die „katastrophal schlechte“ Auslastung der vorhandenen Ladesäulen für E-Autos zu steigern, können in Münster künftig auch auswärtige Besucher das Angebot nutzen. Eine entsprechende Abrechnungsmöglichkeit sei gefunden worden.

Die Herausforderung der Zukunft bestehe darin, die Verkehrsträger „intelligent miteinander zu verbinden“, betonte Dr. Dirk Günnewig, Chef der neuen Fachabteilung Grundsatzfragen der Mobilität im NRW-Verkehrsministerium. Ausschlaggebend sei eine komfortable Nutzung. Dass bei der Erprobung von neuen Projekten Münster ganz gute Karten haben könnte, ließ Günnewig durchblicken: „Es gibt hier eine große Aufgeschlossenheit für neue Mobilitätsformen.“

Keinen Widerspruch erhielt der Chef der städtischen Wohn- und Stadtbau, als er das „autoorientierte Baurecht“ infrage stellte. Dass sehe noch immer einen Stellplatzschlüssel von 1:1 vor. „Angebot schafft Nachfrage“, beschrieb Dr. Christian Jaeger den Effekt dieser Regelung. Der Königsweg sei es, Wege zu vermeiden, sagte er unter Verweis auf eine Nähe von Wohnort zu Arbeitsplatz, Einkaufsmöglichkeiten, Schulen und Kitas. In bestehenden Quartieren sei das aber nicht über Nacht zu ändern.

Der Klima-Diskurs NRW versteht sich als Plattform, auf der strittige Themen des Klimaschutzes offen diskutiert werden.

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