Zu wenig Niederschlag
Waldböden sind metertief ausgetrocknet

Münster -

Die münsterischen Wälder leiden immer mehr unter der anhaltenden Trockenheit. Teilweise ist der Boden schon metertief ausgetrocknet, berichtet das Grünflächenamt. 1000 Fichten mussten bereits gefällt werden, Tausende weitere Bäume seien in Gefahr.

Mittwoch, 17.10.2018, 07:53 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 17.10.2018, 07:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 17.10.2018, 07:53 Uhr
Seit Februar hat es weniger als sonst geregnet. Die Trockenheit hinterlässt in den münsterischen Wäldern bereits sichtbare Spuren. Foto: Martin Kalitschke / Lisa Stetzkamp (Grafik)

Als Michael Stolz ein paar Eicheln vom Boden aufheben will, kommt ihm eine dicke Staubwolke entgegen. „Knochentrocken“, stellt der Forstwirtschaftsmeister am Dienstagmorgen im Waldgebiet Dyckburg knapp fest. Den neunten Monat in Folge gab es im Oktober weniger Niederschlag als üblich, gerade mal fünf Liter. Langsam aber sicher, sagt Stolz, zeichnen sich Entwicklungen ab, „die man als katastrophal bezeichnen kann“. Auch sein Kollege Franz-Josef Gövert vom städtischen Grünflächenamt spricht von einer „extremen Situation“, die er so noch nie erlebt habe.

Blätter von Sonne verbrannt

Gövert schaut nach oben. „Die Eichen haben in der Krone nur wenige Blätter, sie sind schlicht verbrannt“, stellt er fest. „Sehen Sie, man kann bis in den Himmel schauen.“ Nach monatelanger Hitze und Trockenheit seien neben den Eichen viele Buchen so geschwächt, dass sie sich nicht mehr gegen Schädlinge wie den Eichensplintkäfer wehren können. „Wir können nicht sagen, ob und wie viele dieser geschwächten Bäume im nächsten Jahr wiederkommen“, sagt Stolz. „Der Wald wird wieder grün“, entgegnet Gövert. „Doch ob die Hauptbaumarten auch wieder grün werden? Wir wissen es nicht.“

Knochenharter Boden

Im Waldgebiet Hohe Ward wurden in den vergangenen Tagen einige Staubecken ausgehoben. „Der Sand war bis in eine Tiefe von vier Metern pulvertrocken“, sagt Stolz. Und dort, wo es in Münster eher lehmige Böden gibt, sei es unmöglich zu graben, berichtet Gövert: „Dort ist der Boden knochenhart.“

Je trockener der Boden, umso schwieriger ist es für die Bäume, an Grundwasser zu kommen. Die Schäden bei den Fichten, die nur ganz flache Wurzeln haben, seien so „katastrophal“, dass Stolz nicht ausschließen will, dass sie in ein paar Jahren ganz aus den heimischen Wäldern verschwunden sein könnten. Allein in den vergangenen Wochen seien rund 1000 Fichten gefällt worden. Auch viele Birken seien in diesem Jahr in Münster eingegangen.

"Alle eingegangen"

Langfristig wollen weder Stolz noch Gövert ausschließen, dass sich die Zusammensetzung der Wälder, aber auch der Grünflächen in der Innenstadt ändern wird. Bereits jetzt pflanze die Stadt – mit Blick auf zu erwartende Klimaveränderungen – auch Bäume, die bislang nur in Nordamerika oder Asien vorkamen: Douglasie, Amberbaum, Gingko.

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Foto: Stetzkamp (Grafik)

In der Dyckburg schützt ein Zaun junge Bäume, die vor drei Jahren gepflanzt wurden, vor Rehen. Stolz zeigt auf mehrere kleine Eichen – „alle eingegangen“. Er schätzt, dass von den Bäumen, die in letzter Zeit gesetzt wurden – rund 10 000 pro Jahr –, ein Drittel den Hitzesommer 2018 nicht überstanden hat.

Probleme könnten sich potenzieren

„Noch so ein Jahr“, sagt Gövert, „und die Probleme werden sich potenzieren.“ Sollten noch mehr Bäume sterben, dann gibt es immer weniger Schatten, der Boden erwärmt sich – und damit die ganze Stadt. „Das konnten wir schon in diesem Jahr beobachten, als viele Rasenflächen verbrannt waren“, berichtet er.

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Hier ist der Boden pulvertrocken: Forstwirtschaftsmeister Michael Stolz im Dyckburg-Wald. Foto: Martin Kalitschke

Stolz und Gövert gehen über eine Brücke, das Rinnsal darunter führt tatsächlich noch ein paar Zentimeter Wasser. „Das hätte ich nicht gedacht“, wundert sich Stolz. In anderen Jahren indes liege hier der Wasserstand bei zwei Metern. 200 bis 300 Liter Regen bis Ende November sind laut Gövert nötig, damit sich die Situation in den Wäldern entspannt. Und wenn er ausbleibt? „Dann werden sich die Zustände noch erheblich verschlimmern.“

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