Klavierspieler mit Kartenlesegerät
Bei diesem Straßenmusikanten können Passanten bargeldlos zahlen

Münster/Ascheberg -

Zum romantischen Bild eines Straßenmusikers gehört das Einmachglas, in das die Passanten ihre Münzen werfen. Bei Lukas Schlattmann geht das auch anders: Künftig steht auf seinem Klavier ein Kartenlesegerät. Bargeldlos spenden - damit ist der Münsteraner Vorreiter in seiner Szene.

Dienstag, 30.10.2018, 18:36 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 30.10.2018, 14:20 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 30.10.2018, 18:36 Uhr
Er singt uns ein Lied, er ist der Piano-Mann: Lukas Schlattmann wohnt in Ascheberg, reist aber als Straßenmusikant mit seinem Klavier durch die Fußgängerzonen der näheren und weiteren Umgebung. Jetzt neu: mit Einmachglas und Kartenlesegerät. Foto: Gunnar A. Pier

Lukas Schlattmann ist ein Bargeld-Typ. Schließlich verdient er sein Geld als Musiker auf Hochzeiten und in Fußgängerzonen, da wird er bar bezahlt, warum soll er also im Supermarkt die Karte zücken? Doch die Passanten, die an dem Pianisten vorbeischlendern, können das künftig tun: Ab Mittwoch steht ein Kartenlesegerät auf seinem Klavier. Damit ist der 44-Jährige, der mit seinem Musikgeschmack irgendwo in den 70ern hängengeblieben ist, plötzlich in der Zahlungs-Zukunft angekommen und ein Vorreiter in der Straßenmusiker-Szene.

Zum romantischen Bild eines Straßenmusikers gehört das Einmachglas, in das die kleine Anerkennung des Publikums klimpert. „Der Mindestlohn sitzt fast immer drin, und manchmal brummt es richtig“, sagt der Münsteraner, der heute im Ascheberger Ortsteil Davensberg lebt, weil dort für Großstadt-Muffel wie ihn alles schöner und vor allem erschwinglicher ist.

Klavier statt Gitarre 

Seit 1998 macht er musikalisch Platte. Bei einer Jux-Tour durch Süddeutschland zusammen mit einem Freund entdeckte er den Reiz der Auftritte auf Märkten und bei Stadtfesten. „Man kann immer erstmal überall spielen“, erklärt er. Wenn es Sonderregelungen gebe, dann käme schon jemand vom Ordnungsamt auf den tönenden Vagabunden zu. „Wir kommen immer gut klar.“ Draußen spielt Lukas Schlattmann Klavier statt Gitarre. „Das macht mehr her.“ Trotzdem: „90 Prozent der Menschen gehen vorbei.“ Wegen dieser Ignoranz brauche man ein dickes Fell und die Erkenntnis: „Es hat mich ja keiner gebeten, hier zu spielen.“

<p>Vergangenheit und Zukunft: Neben dem Einmachglas liegen künftig auch Smartphone und Lesegerät auf Schlattmanns Klavier.</p>

Vergangenheit und Zukunft: Neben dem Einmachglas liegen künftig auch Smartphone und Lesegerät auf Schlattmanns Klavier. Foto: Gunnar A. Pier

Feste Buchungen bringen mehr Geld

Auch wenn also die Münzen verlässlich sein Einmachglas füllen: „Nur von der Straße zu leben, wäre sportlich, da muss man bescheiden sein.“ Deshalb verdient Schlattmann heute mehr Geld mit festen Buchungen. Dann singt er Lieder vornehmlich aus den 70ern, Cover-Songs von Legenden wie Billy Joel, Elton John und den Beatles. Dabei begleitet er sich auf Gitarre und Klavier. Diese Engagements verbindet er gerne mit Straßen-Auftritten. Auf dem Weg zur Hochzeit in Frankfurt noch schnell drei Stündchen in der Fußgängerzone von Gießen. Frei nach Billy Joel: „Sing us a Song, you’re the Piano Man!“ – sing ein Lied für uns, Du bist der Piano-Mann!

Kartenlesegerät für 75 Euro

Statt wie bei Billy Joel Trinkgeld ins Glas zu werfen, können die Passanten nun auch bargeldlos zahlen. Schlattmann hat für 75 Euro ein Kartenlesegerät gekauft, das mit einem Smartphone gekoppelt wird. Auf dem Smartphone-Display können die Spendenwilligen einen Betrag wählen, dann stecken sie EC- oder Kreditkarte in das weiße Lesegerät, tippen ihre Geheimnummer ein, und schon wechselt das Geld ins virtuelle Einmachglas des Musikanten.

Gegen Spenden gibt's bei Lukas Schlattmann auch CDs.

Gegen Spenden gibt's bei Lukas Schlattmann auch CDs. Foto: Gunnar A. Pier

Allein die Tatsache, dass da so ein Gerät steht – da werden schon viele drüber lachen.

Lukas Schlattmann

„Allein die Tatsache, dass da so ein Gerät steht – da werden schon viele drüber lachen“, vermutet der Wahl-Davensberger. Am Mittwoch feiert die Zahlungs-Zukunft auf der münsterischen Ludgeristraße Premiere. Wie von alleine werden so die sieben Prozent Mehrwertsteuer abgezogen, dazu zwischen knapp einem und knapp drei Prozent Provision für den Kartenlesegerät-Anbieter. Der Rest landet auf seinem Konto. Und vielleicht zahlt Lukas Schlattmann dann demnächst im Supermarkt auch mit der Karte.

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