Kleine Ursache, großer Effekt
Sieben Gründe für den täglichen Stau

Münster -

Münsters Straßenverkehr braucht keinen großen Anstoß, um im Chaos zu versinken. Dabei kommt die heutige Situation keineswegs überraschend, wie Zahlen belegen.

Dienstag, 13.11.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 13.11.2018, 11:41 Uhr
  Foto: Oliver Werner

Bereits kleinste Behinderungen im Verkehrsfluss – sei es eine falsch abgestellte Mülltonne, ein Umzugswagen am Straßenrand oder eine ausgefallene Ampel – lösen in Münster mit hoher Sicherheit einen Stau aus. Warum ist das so? Hier einige Erklärungsversuche:

1. In Münster leben aktuell rund 37 000 Menschen mehr als noch vor zehn Jahren. Jeder Einwohner verursacht im Durchschnitt eine Autofahrt am Tag. Allein deshalb gibt es 37 000 Autofahren am Tag mehr.

2. Von 2008 bis 2016 stieg die Zahl der Arbeitsplätze in Münster um 26 000 und liegt bei 164 000. Auswärtige benutzen auf ihrem Weg zur Arbeit zu 80 Prozent ein Auto. Die Stadt geht davon aus, dass es insgesamt rund 288 000 Autofahrten pro Tag nach und von Münster gibt.

3. Die Leistungsfähigkeit vieler Ampeln in Münster ist in den vergangenen Jahren gesunken. Das heißt: Je Grünphase kommen weniger Autos durch. Diese Änderung ist eine Reaktion von Polizei und Ordnungsamt auf die sehr hohe Zahl verletzter Verkehrsteilnehmer. An vielen Stellen haben Auto- und Radfahrer beispielsweise heute zeitlich versetzte Grünphasen. Auch die „Räumzeiten“ wurden verlängert. Das heißt: Die Wartezeit zwischen den Grünphasen wird länger.

4. Aus Gründen der Verkehrssicherheit wurden an vielen Stellen Straßenquerschnitte verringert und die Kreuzungseinfahrten verengt. Bestes Beispiel hierfür ist der vor einigen Jahren umgebaute Ludgerikreisel. Er ist übersichtlicher geworden, zugleich aber nicht mehr so leistungsfähig.

5. Parallel zum gewachsenen Autoverkehr ist auch ein steigender Radverkehr zu registrieren. An den Stellen, wo die Verkehrsteilnehmer um den gleichen Straßenraum buhlen, wachsen auch die Konflikte. Wild abgestellte Räder und Falschparker werden überdies zum Verkehrshindernis.

6. Der Osten der Stadt ist ein Nadelöhr im Verkehrsnetz, weil hier der Ring nur ein- statt zweispurig geführt wird. In genau diesem Bereich gibt es mit dem Kanalausbau (acht neue Brücken) und dem vierspurigen Ausbau der Umgehungsstraße zwei jahrelange Dauerbaustellen. Das führt zu weitreichenden Verdrängungseffekten im gesamten Netz.

7. Die von der Stadt forcierte „Nachverdichtung“ führt zu vielen Baustellen in ansonsten „fertigen“ Quartieren. Baukräne, die auch in belastete Straßen hineinragen, sind Standard.

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