Interview mit Klaus „Major“ Heuser
„Musik hat an Bedeutung verloren“

Münster -

An einer Pinkelrinne lernte Klaus „Major“ Heuser einst einen gewissen Wolfgang Niedecken kennen. Von da an war der Gitarrist Teil der Kölsch-Rockband BAP. Jetzt kommt Heuser mit seiner aktuellen Band nach Münster - und erzählt vorher im Interview, warum Musik heute weniger Wert ist.

Mittwoch, 12.12.2018, 13:00 Uhr
Klaus Major Heuser hat als Gitarrist und Songschreiber zwei Jahrzehnte BAP mitgeprägt. Am Samstag kommt er mit der Klaus-Major-Heuser-Band ins Jovel. Foto: pd

An einer Pinkelrinne lernte Klaus „Major“ Heuser in jungen Jahren einen gewissen Wolfgang Niedecken kennen. Am nächsten Tag spielte Heuser bei BAP vor und stieg in die Band ein. Der gebürtige Leverkusener schrieb auch den größten Hit der kölschen Band „Verdamp lang her“. 1999 stieg der Mann, den sie „Major“ nennen, nach 19 Jahren bei BAP aus. Von der Musik aber ließ er nie. Am Samstag tritt der 61-Jährige mit seiner aktuellen Formation "Klaus Major Heuser Band" im Jovel auf (Beginn 20 Uhr). Über seine Karriere, seinen Sohn und darüber, dass Musik heute weniger wert ist als früher, sprach unser Redakteur Björn Meyer mit Heuser.

Herr Heuser, wann haben Sie das letzte Mal „Verdamp lang her“ gehört.

Heuser: Das ist erst ein paar Tage her, zufällig im Radio. Dabei finde ich das ehrlich gesagt schade: Ich habe Hunderte Lieder geschrieben, aber sie spielen immer das selbe.

Wie ist denn überhaupt der Zustand der Rockmusik?

Heuser: Es gibt schon noch gute Bands, aber Rockmusik hat einfach nicht mehr die Bedeutung, die sie früher einmal hatte. Das ist auch eine Frage der Generationen. Die Jugendlichen hören andere Musik als wir, was okay ist, das haben wir früher ja auch so gemacht. Ich finde allerdings, früher bedeutete Musik noch musizieren, heute spielt die Technik eine viel größere Rolle. Dadurch, dass man alles glattbügeln kann, alles fehlerlos ist, ist Musik auch langweiliger geworden. Und Musik hat an Bedeutung verloren. Ganz einfach, weil ich mir für zehn Euro alles zu jeder Zeit herunterladen kann. Das ist einfach etwas anderes, als wenn ich für eine Langspielplatte erst fünf Mal das Auto putzen muss.

Sie selber wollten auch immer nach vorne schauen, haben BAP verlassen, um nicht immer die gleiche Musik zu spielen: Haben Sie noch Kontakt zu den alten Weggefährten?

Heuser: Zu allen, außer zu Wolfgang Niedecken. Wir sind nicht verkracht, aber das hat sich einfach nicht ergeben. Ich denke mit großer Dankbarkeit an die Zeit damals, auch weil sie es mir ermöglicht hat, heute aus Spaß Musik zu machen.

Ist Musik denn heute nur Spaß oder doch Beruf?

Heuser: Schon noch immer beides. Ich halte es für sehr wichtig, beides miteinander zu vereinen. Dass habe ich auch meinem Sohn mit auf den Weg gegeben.

Ist er auch Musiker?

Heuser: Nein, der war schon immer genervt davon, dass man ihn ständig gefragt hat, ob er denn auch Gitarre spiele. Das ist übrigens heute noch so (lacht). Er spielt gar kein Instrument und ist Radio-Journalist. Außerdem ist er Leverkusen-Fan, was als Junge, der in Köln aufwächst, nicht unbedingt das Praktischste ist.

Sie leiden seit einigen Jahren an einer Nervenkrankheit in der Hand. Wie sehr beeinträchtigt Sie das?

Heuser: Unterschiedlich. Mit dem Plektrum kann ich auf der Rockgitarre noch gut spielen. Ganz anders ist das mit der klassischen Konzertgitarre. Da muss man mit den Fingern zupfen, was ziemlich schwierig ist, wenn die Finger der rechten Hand nicht mehr uneingeschränkt das machen, was sie sollen. Ich habe von vorne anfangen müssen und mittlerweile zwar das Gefühl, dass es etwas besser wird, aber es ist trotzdem total frustrierend, denn die klassische Gitarre ist meine große Liebe.

Was sagen die Ärzte?

Heuser: Das Ganze ist noch nicht erforscht, trifft aber auch andere Musiker. Trompeter, die mit ihren Lippen plötzlich keinen Ton mehr aus ihrem Instrument herausbekommen oder Klavierspieler.

Sie kommen mit der Klaus-Major-Heuser-Band ins Jovel, was erwartet das Publikum?

Heuser: Ich hoffe doch sehr viel (lacht). Wir werden als Band immer besser. Wir improvisieren gerne und das klappt gut. Wir machen halt noch richtig Musik.

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