Interview mit Klaus Otto Nagorsnik
Der Quizmaster

Münster -

Klaus-Otto Nagorsnik ist Bibliothekar der Stadtbücherei Münster, leidenschaftlicher Quizzer, Europameister in „Stadt-Land-Fluss“ und Jäger in „Gefragt – gejagt“. Alles zusammen bereitet ihm jede Menge Spaß.

Samstag, 22.12.2018, 15:00 Uhr aktualisiert: 23.12.2018, 11:57 Uhr
Klaus-Otto Nagorsnik:„Ich habe immer recht – solange ich nicht eines Besseren belehrt werde.“ Foto: Jürgen Christ

Sind Sie Bibliothekar geworden, weil Sie so viel wissen, oder wissen Sie so viel, weil Sie Bibliothekar geworden sind?

Nagorsnik: Ich bin Bibliothekar geworden, weil ich gerne lese und weil sich die Gelegenheit ergeben hat. Gerne lesen, viel wissen und viel aufnehmen ist aber schon viel früher in mir angelegt gewesen - und wird sicherlich beides mitbestimmt haben.

Was sind Sie lieber? Bibliothekar oder Fernsehjäger?

Nagorsnik: Ich bin gar kein Fernseh-Mensch, sondern da per Zufall hingekommen. Aber das macht Spaß - genauso wie die Arbeit als Bibliothekar. Mal das eine, mal das andere zu machen, das gefällt mir gut. Da kommt man aus dem Trott raus.

Sie haben einen Beruf, von dem alle glauben, zu wissen, was Sie tun. Was mit Büchern. Aber womit genau beschäftigen Sie sich eigentlich den ganzen Tag?

Nagorsnik: Ich arbeite unter anderem an der Auskunft. Dort helfe ich möglichst allen Leuten weiter. Sei es, dass sie neu sind, dass ein Buch verschwunden ist, dass sie ein bestimmtes Buch suchen, das wir aber nicht haben. Ich organisiere hier die Fernleihe, also den Austausch mit anderen Bibliotheken. Das ist eine ziemlich komplizierte Sache bei Tausenden von Bibliotheken.

Klingt nach einer sehr organisatorischen Tätigkeit.

Nagorsnik: Nicht nur, da steckt auch viel Recherche drin. Manche kommen auch mit etwas unklaren Wünschen. Oder suchen Bücher, die nicht überall zu haben sind. Da muss man schon mal nachforschen. Und dann müssen die natürlich noch verpackt und verschickt werden.

Sind Sie da nicht völlig überqualifiziert? Denken Sie nicht: Ach, da kommt jetzt wieder dieser Depp und findet das richtige Buch nicht?

Nagorsnik: Nein, gerade die Suche nach einem Buch ist das, was mir auch beim Quizzen gefällt. So bekomme ich manche Anregung, auf die ich vorhin sonst nicht gekommen wäre. Ich finde schön, dass ich auch in anderen Sachen gefordert werde als nur in Literatur und Wissenschaft. Das hilft mir beim Quizzen.

Was ist der Reiz, so viel zu wissen? Hat das was mit Macht zu tun?

Nagorsnik: Wenn man irgendwo besonders gut ist, dann gibt es so etwas wie eine innere Befriedigung. Das ist fürs Selbstwertgefühl, fürs Ego gar nicht so schlecht. Bei mir ist das Wissen vielleicht eine Stärke. Meine Schwächen verrate ich Ihnen aber nicht.

In „Gefragt – gejagt“ mimt Klaus-Otto Nagorsnik den Jäger, der den Kandidaten das Leben schwer macht.

In „Gefragt – gejagt“ mimt Klaus-Otto Nagorsnik den Jäger, der den Kandidaten das Leben schwer macht. Foto: ARD/Uwe Ernst

Haben Sie keine Sorge, sich durch eine total läppische Frage zu blamieren?

Nagorsnik: Nein, das passiert mir schließlich ständig.

Aber bei Ihnen wissen trotzdem alle, dass Sie besonders viel Ahnung haben.

Nagorsnik: Solcher Fehler kann man beim Quizzen immer ausgleichen. Ich habe mal Herrn Lindner mit Herrn Rösler verwechselt. Großes Gelächter. Damit muss man leben. Ich habe selber keinen Fernseher und schon viel Quizze gespielt. Ich kann einschätzen, dass ich relativ gut dastehe.

Sind Sie deswegen Jäger geworden?

Nagorsnik: Ich wollte bei der WM 2012 in Duisburg wissen, was ich wirklich weiß. Da bin ich spontan an einem Samstagnachmittag hingefahren und habe einen zweiten Platz gemacht. Hinter dem kaum schlagbaren Holger Waldenberger. Und das haben die vom Fernsehen wohl mitbekommen.

Was fasziniert Sie am Quizzen so?

Nagorsnik: Quizzen ist auch ein Mannschaftssport. Das ist wie auf dem Fußballplatz. Wenn da einer den Ball verstolpert, dann mosern die andern. Da gibt es manchmal Zank. Das ist das reizvolle an einem Team. Beim Quizsport geht es gar nicht darum, alles wissen zu wollen. Das kann man gar nicht. Es geht um den Spaß am Wissen und die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Wissensgebieten.Wenn ich die entdecke, dann sage ich: Aha. Ist ja doch nicht alles für die Katz.

Wie merken Sie sich das alles? Haben Sie ein fotografisches Gedächtnis?

Nagorsnik: Nöö. Ich kann nicht gut auswendig lernen. Vokabeln oder Formeln lernen war nie meins. Ich brauch einen Zusammenhang. Wenn man häufig quizzt, erinnert man sich bei der einen Frage daran, dass man so eine ähnliche schon mal bekommen hat. Dann wird das aufgefrischt. Wenn ich selber Fragen schreibe, recherchiere ich schon mal einen Samstagnachmittag. Bevor ich eine Frage eindeutig formulieren und mögliche Nebenlösungen ausschließen kann, habe ich fünf weitere Sachverhalte festgestellt. Ich sortiere mittlerweile nichts mehr als unwichtig aus. Alles kann wichtig sein.

Sie sagen, Sie entwickeln selbst Fragen. Wozu?

Nagorsnik: Ich veranstalte jeden Monat ein Kneipenquiz. Da bin ich der Quizmaster und der absolute Diktator.

Das gefällt Ihnen, oder?

Nagorsnik: Ich habe immer Recht – solange ich nicht eines Besseren belehrt werde. Aber das kommt selten vor. Für dieses Quiz schreibe ich die Fragen. Das macht anderen Spaß. Das macht mir Spaß. Das ist das allerbeste Training.

Sprechen Ihre Kunden aus der Stadtbücherei Sie oft wegen Ihrer Rolle im Fernsehen an?

Nagorsnik: Nicht deswegen. Ich glaube, dass sie eher zu mir kommen, weil ich Ihnen schon mal geholfen habe. Ich habe da einen Spezialisten, der bestellt immer per Fernleihe entlegene russische Romane, die irgendwo in historischer Zeit spielen. Der kommt immer gleich zu mir, weil er weiß, dass ich kyrillische Schrift lesen kann. Ich nehme mir die Zeit und suche das.

Sie hätten einmal bei Johannes B. Kerner die Chance gehabt, 250 000 Euro zu gewinnen und sind knapp gescheitert. Wie sehr ärgert Sie so etwas?

Nagorsnik: Wenn man als Kandidat in eine Quizshow geht, darf man in keiner Sekunde ans Geld denken. Ich sage immer: Habt Spaß. Wenn Ihr das Geld mitnehmt: Schön. Wer das nicht macht, hat schon zu 50 Prozent verloren.

Ist denn das Gewinnen Teil Ihrer Finanzplanung?

Nagorsnik: Ich habe einmal 5000 Euro bei Kai Pflaume gewonnen, das hab ich als warmen Segen genutzt. Da bin ich Europameister in Stadt-Land-Fluss geworden. Bei „Gefragt - Gejagt“ bekomme ich ein Honorar. Das hilft schon, aber ich bin mit dem, was ich hier verdiene, jahrelang klargekommen. Bei unvorhergesehen Engpässen kann ich mich zurücklehnen und sagen: Mach Dir keine Sorgen.

In einer Zeit der „Fake News“ ist in der Quiz-Welt alles schön einfach. Dort gibt es ja nur falsch und richtig. Wie sehr ärgert es Sie, wenn Wahrheiten als falsch bezeichnet werden?

Nagorsnik: Bei „Fake News“ wird eine einzelne Nachricht als falsch, unglaubwürdig oder getürkt wahrgenommen. Dahinter steckt ein komplett falsches, abgeschottetes Weltbild, in das andere Nachrichten oder Wahrheiten nicht hineinpassen. Ich halte Wahrheiten immer nur für vorläufig. Das sind Hypothesen, mit denen man arbeiten kann. Und die müssen auch diskutierbar sein. Wenn das nicht möglich ist, dann stört mich das.

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