Planen in ruhigem Fahrwasser
Neue Initiative zur Beendigung der Streitereien rund um die Stadthäfen

Münster -

„Hafenratschlag“ nennt sich das Format. Es geht darum, dass sich 120 Beteiligte rund um die Stadthäfen einmal austauschen, um gemeinsam zu überlegen, wie es weitergehen soll. Der (nicht-öffentliche) Auftakt war laut den Informationen von Teilnehmern vielversprechend.

Mittwoch, 06.02.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 06.02.2019, 20:39 Uhr
Verstärkt will die Stadt demnächst das Areal am Stadthafen II in den Blick nehmen. Die Situation dort ist entspannter als am Stadthafen I, nach dem Ende der (möglichen) Stadionpläne an der Nieberdingstraße ergeben sich neue Perspektiven. Foto: Oliver Werner

Als die Moderatorin Frauke Burgdorff allzu euphorisch wurde, grätschte Stadtbaurat Robin Denstorff kurz dazwischen: „Das hier ist keine Pressekonferenz nach dem Motto: Wir geben Gas am Hafen.“ Gleichwohl standen beide am Mittwochmorgen noch ganz unter dem Eindruck einer Veranstaltung, die rund 15 Stunden zuvor in den Räumlichkeiten des Gastronomen Uwe Lappe am Dortmund-Ems-Kanal stattgefunden hatte.

Teilnehmer mit unterschiedlichen Interessen

Rund 120 geladene Gäste – Hafenanwohner, Investoren, Unternehmer, Politiker, Stadtplaner, Mieter, aber auch Vertreter von Kulturinitiative B-Side und der Protestbewegung Platanenpower – hatten sich zum Gespräch getroffen, zum „Hafenratschlag“, wie es offiziell hieß. Angesichts der verworrenen Situation am Hafen war Moderatorin Burgdorff nach eigenem Bekunden auf stundenlangen Streit eingestellt. Doch der blieb aus. „Das passiert mir nicht oft“, verwies die versierte Krisenmanagerin aus Bochum auf Einsätze in München oder Berlin.

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Stadtbaurat Robin Denstorff (v.l.), Frauke Burgdorff und Andreas Leifken berichteten von „Hafenratschlag“. Foto: Oliver Werner

Statt die ohnehin bekannten Streitpunkte noch einmal durchzukauen, sei es darum gegangen, das ungeheure Potenzial der gesamten Fläche an den Stadthäfen 1 und 2 – also vom Kreativkai bis zur Nieberdingstraße – näher in den Blick zu nehmen. Den Teilnehmern der dreistündigen Workshops attestierte die Moderatorin, dass sie „nicht gegen etwas sind, sondern für etwas.“ Dies um so mehr, als weniger die konkrete Planung und mehr die Frage nach dem weiteren Vorgehen bei der Planung. Da die Interessen nun mal sehr unterschiedlich seien, laute die entscheidende Frage für die Zukunft: „Wie organisieren wir für die Zukunft Streit?“

Neugestaltung an den Häfen

Stadtbaurat Denstorff hat aus dem Gesprächen den Wunsch nach einem Hafenmanagement mitgenommen. Die Stadt Münster stehe vor der Aufgabe, die Informationen über den weiteren Planungsprozess möglichst breit zu kommunizieren. Teilnehmer des „Hafenratschlags“ und Gesprächspartner bei der Pressekonferenz war auch Andreas Leiken vom Stadtplanungsamt, der sich seit 18 Jahren mit den Stadthäfen beschäftigt. Er bestätigte, dass sich der jetzt begonnene Dialog, der am 11. April fortgesetzt werden soll, grundlegend vom Hafenforum vor einigen Jahren unterscheide. Seinerzeit habe man sich mit den konkret Vorhaben beschäftigt, jetzt gehe es um das Miteinander im Verfahren.

Die Neugestaltung an den Häfen lässt seit Jahren auf sich warten. 2001 ging das Traditionsunternehmen Osmo in die Insolvenz, das alte Firmenareal ist inzwischen eine Brache. 2005 wurde das Betonwerk Casper Hessel am Albersloher Weg aufgegeben.

Kommentar zum Thema

War es Zufall oder ein Wink des Schicksals, dass der Baustopp am Hafencenter und der „Hafenratschlag“ mit dem Ziel eines friedlichen Miteinanders zeitlich zusammengefallen sind? Das Signal jedenfalls ist klar: Angesichts der endlose Querelen der vergangenen Jahre und der vielen einander ausschließenden Interessen am Hafen ist ein Neuanfang, ja ein Moment des Innenhaltens zwingend erforderlich.

Die gute Atmosphäre, die nach Auskunft vieler Beteiligte bei der nicht-öffentlichen Veranstaltung geherrscht haben soll, ist vermutlich dem Umstand geschuldet, dass es ein „Weiter so“ nicht geben kann.

Der heutige Stadtbaurat Robin Denstorff sieht sich nicht nur als Planer, sondern auch als Schiedsrichter. Er hat erkannt, dass die Spielregeln der Planung nicht weniger wichtig sind als die Planung selbst. Ein Großteil der Probleme zwischen Kreativkai und Nieberdingstraße sind eher kommunikativer denn baulicher Art. Man kann Denstorff nur Glück wünschen. Oder soll der Streit noch einmal 15 Jahre währen? - Klaus Baumeister

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