Vogelschützer tagen in Münster
Der Kiebitz ist extrem bedroht

Münster -

Es gibt immer weniger Kiebitze, die Feldbrüter sind akut vom Aussterben bedroht. In Münster beraten am Wochenende 160 Experten, wie die eleganten Vögel noch zu retten sind.

Samstag, 09.02.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 09.02.2019, 12:15 Uhr
Der elegante taubengroße Kiebitz brütet auf Äckern. Doch die sind wegen der Landwirtschaft ein gefährliches Terrain und bieten kaum noch Nahrung. Foto: Theo Israel/Nabu

Es ist demnächst wieder die Zeit für die spektakulären Balzflüge, mit denen Kiebitzmännchen die Damenwelt ihrer Art beeindrucken wollen. Die Salti in der Luft sind aber kaum noch zu beobachten, denn der Kiebitz ist akut vom Aussterben bedroht.

Kristian Lilje von der Naturschutzstation des Naturschutzbundes ( Nabu ) Münsterland ist Experte für Feldvögel – und deren Zahl nimmt rasant ab. Lilje ist an diesem Wochenende einer der Referenten bei der Tagung „Perspektiven des Kiebitz-Schutzes in Deutschland“, die die Nabu-Station Münsterland und das Institut für Landschaftsökologie der Universität Münster im Gebäude der Geo-Institute veranstaltet. Rund 160 Fachleute aus ganz Deutschland beratschlagen dabei, wie der Kiebitz noch gerettet werden kann.

In 10 Jahren ausgestorben

50 000 bis 60 000 Brutpaare vermuten Naturschützer noch in Deutschland, überwiegend in der Nordhälfte, davon rund 25 Prozent in NRW. Im Stadtgebiet von Münster wurden 2018 vom Nabu noch 118 Brutpaare gezählt, die meisten in der Nähe von Wolbeck und Nienberge. In diesem Jahr könnten es weniger als Hundert werden, fürchtet Lilje, in etwa zehn Jahren könnte er völlig ausgestorben sein.

Kiebitze brüten in der offenen Landschaft. So können sie Feinde früh wahrnehmen und diese in der Luft von ihrem Gelege ablenken. Ab Ende März werden die Kiebitze wieder ihre meist vier Eier in eine Kuhle auf nackte Äcker leben und 28 Tage brüten. Das erste Problem: Just in dieser Zeit wird auf den Feldern eingesät: „Rund 80 Prozent der Kiebitz-Gelege werden so vernichtet“, so Lilje.

Von der Landwirtschaft bedroht

Wenn Junge schlüpfen, finden sie auf den durch Düngemittel und Pestiziden, so Lilje, „antiseptischen“ und darum nahezu insektenfreien Äckern kaum Nahrung. Die Gelege versuchen Nabu-Vogelschützer mit Stöcken auf dem Acker zu markieren – damit die Landwirte die Stelle aussparen, so Lilje.

Und um Feldvögeln eine höhere Überlebenschance zu geben, wirbt der Nabu bei den Landwirten um „Kiebitzinseln“. Das sind Flächen, es reicht etwa ein halber Hektar, die gegen Entschädigungszahlung des Landes NRW brach gelassen werden.

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