Chef der Verkehrspolizei ist skeptisch
„Keine Sonderregelungen für Fahrradfahrer“

Münster/Düsseldorf -

Am Kreuztor, Kanalstraße, Hörstertor und Salzstraße will die Stadt Radfahrern Vorfahrt gewähren. Am Rande eines Verkehrssymposiums sagte der Chef der Verkehrspolizei in NRW, Rüdiger Wollgramm, was er davon hält: nichts.

Montag, 25.02.2019, 09:00 Uhr
Polizeidirektor Rüdiger Wollgramm leitet das Verkehrsreferat im NRW-Innenministerium Foto: dpa

Die Zahl der Fahrradunfälle rekordverdächtig hoch, ein rasanter Anstieg besonders bei den Pedelecs: Vor dem Hintergrund dieser besorgniserregenden Entwicklung blickt der Chef der Verkehrspolizei in NRW, Rüdiger Wollgramm, extrem skeptisch auf das Vorhaben des Rates, an zunächst vier Promenaden-Querungen Vorfahrt für Radfahrer einzuführen.

„Ich habe ein Problem mit Sonderregelungen für Fahrradfahrer“, sagte er unserer Zeitung bei einem Verkehrssymposium der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Eine Ausnahme, wie sie in Münster angestrebt wird, sorge eher für Irritationen, zumal bei ortsfremden Autofahrern. „Man muss überlegen, ob eine Sonderregel so viel Vorteile bringt, dass das alle Risiken aufwiegt“, mahnte Wollgramm.

Risikobehaftetes Projekt

Dieses Kriterium gelte ebenso für den Feldversuch, der für Fahrradfahrer in Münster einen grünen Pfeil für Rechtsabbieger erproben soll. Auch das sei ein risikobehaftetes Projekt. In vielen westdeutschen Städten seien die nach der Wiedervereinigung übernommenen grünen Pfeile wieder abmontiert worden, weil die Unfallzahlen an diesen Stellen plötzlich stiegen. Noch mehr stört sich Wollgramm an der Diskussion, ob Fahrradfahrer über eine auf Rot stehende Fußgängerampel fahren dürfen. „Man bestärkt den einen oder anderen Radfahrer in seiner Easy-Rider-Mentalität“, sagt der Referatsleiter Verkehr, der selbst jeden Tag mit dem Rad ins Düsseldorfer Ministerium fährt und in seiner Freizeit aufs Mountainbike steigt. „Das passt nicht mit der hohen Verkehrsdichte zusammen.“

An diesen Kreuzungen bekommt die Promenade Vorfahrt

1/6
  • Ab 2019 sollen Radfahrer, die auf der Promenade fahren, an diesen vier Kreuzungen Vorfahrt haben:

    Ab 2019 sollen Radfahrer, die auf der Promenade fahren, an diesen vier Kreuzungen Vorfahrt haben:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Salzstraße

    Foto: Matthias Ahlke
  • Hörstertor – hier regelt derzeit eine Ampel den Verkehr

    Foto: Matthias Ahlke
  • Kanalstraße

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Kreuztor

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die sechs weiteren Kreuzungsbereiche sollen später folgen. Dort könnten Unterführungen - wie an der Mauritzstraße - oder Brücken gebaut werden.

    Foto: Matthias Ahlke

Bei dem GdP-Symposium hatte Wollgramm über die steigende Zahl von verunglückten Radfahrern berichtet. Die amtliche Statistik wird an diesem Mittwoch veröffentlicht. Doch allein in den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres waren es in NRW mehr als 13 000 Radunfälle. Wohlgemerkt die, von denen die Polizei überhaupt erfahren hat. Die Dunkelziffer liege laut Studien bei 89 Prozent. Wollgramm warb deshalb nicht nur vehement dafür, freiwillig einen Helm aufzusetzen – die GdP will sogar eine Helmpflicht. Er appellierte mit Blick auf viele Radler, die mit Smartphone und Kopf- oder Ohrhörer unterwegs sind: „Fahrradfahren muss man mit allen Sinnen, um komplett verkehrssicher zu sein, und sich nicht des Hörsinns berauben.“

Bauliche Veränderungen & ständige Überwachung 

Bei dem Vorhaben, für die vier Promenaden-Querungen Am Kreuztor, Kanalstraße, Hörstertor und Salzstraße den Radfahrern Vorfahrt einzuräumen, hat der Rat indes offenbar nicht die Expertise der Polizei eingebunden. Fragt man Beamte nach ihrer Einschätzung aus der Praxis, hört man kritische Töne. Das gehe nur mir baulichen Veränderungen und vor allem ständiger Überwachung durch Polizeibeamte. Sie haben Zweifel, dass Autofahrer, Fußgänger und vor allem Kinder auf dem Schulweg mit der Situation klarkommen.

Wollgramm sagte es so: Jeder Radfahrer müsse sich bewusst sein, „dass er ein Verkehrsteilnehmer mit allen Rechten und Pflichten ist“. Und die erste Pflicht ist Rücksicht, um niemanden zu gefährden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6416691?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
WWU Baskets flambieren auch die Bayern-Talente
Wild entschlossen: Münsters Kai Hänig
Nachrichten-Ticker