Serie: Europa lebt in Münster
Er fühlt europäisch – und träumt auf Deutsch

Münster -

Am 26. Mai wird das Europa-Parlament gewählt. Wir stellen in einer Serie bis zum Wahltermin täglich Münsteraner aus den EU-Ländern vor. Durch sie lebt Europa in Münster. Der Italiener Mario Caruso ist schon seit 50 Jahren in Deutschland und fühlt sich durch und durch als Europäer.

Montag, 29.04.2019, 10:00 Uhr
Mario Caruso fühlt sich als Europäer, sein Bruder kandidiert sogar bei der Europawahl in Italien. Foto: gh

Wenn Mario Caruso in seinem Heimatdorf Villamaina in Kampanien bei Neapel ankommt, wo seine 96-jährige Nonna (Mutter) lebt, dann heißt es: „Der Deutsche ist wieder da“. In Münster ist er der Italiener. Mario Caruso schmunzelt. „Ich fühle mich als Europäer.“ Aber: „Ich träume auf Deutsch.“

Genau 50 Jahre lebt der 68-Jährige in Deutschland. Erst in Nürnberg, seit 1971 in Münster. Als er im Februar 1969 seine Heimat Italien verließ, wollte er eigentlich mit zwei Freunden nur bis nach Pisa reisen. Die Freunde überredeten ihn, mit nach Nürnberg zu fahren. „Für mich war es ein Abenteuer“, sagt Caruso.

Multikulti als Bereicherung

„In Nürnberg lebten damals viele Italiener“, erinnert sich der Kinderhauser Handwerksmeister. Nur die Suche nach einer Arbeit gestaltete sich zunächst schwierig. Seine Malerausbildung, die er unter anderem auch auf Sizilien genießen durfte, wurde in Deutschland nicht anerkannt. Caruso arbeitete darum in verschiedenen Firmen, lernte die Sprache und traf Ehefrau Editha, eine gebürtige Berlinerin, die vor zehn Jahren gestorben ist. Mir ihr ging er 1971 nach Münster und wurde als Maler eingestellt. Nach gut zehn Jahren wurde er zur Meisterschule zugelassen. 1982 gründete Caruso eine eigene Firma, die inzwischen der Sohn übernommen hat.

Mario Caruso ist seit zwölf Jahren Obermeister der Maler-Innung in Münster. Seit Beginn seines Ruhestandes vor vier Jahren kümmert er sich verstärkt um die Auszubildenden und stellt dabei immer wieder fest: Multikulti ist eine Bereicherung.

Lebensmittelpunkt Münster

Mario Caruso hat nie seine italienische Staatsbürgerschaft aufgegeben. Aber wenn er heute in seinem Heimatdorf ist, fühle er sich ein bisschen fremd. In Münster sind die Familie, Freunde und Ehefrau Ruth.

Europa schätzt Mario Caruso für die freie Berufswahl und die offenen Grenzen. Der 68-Jährige bedauert zwar, dass noch nicht überall der Euro eingeführt wurde, aber er freut sich, dass „wir hier Frieden haben“. Jedes einzelne Land wäre zu klein, um sich durchzusetzen, so Caruso.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6572999?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Die Bahn hat einen neuen Ansager
Stimme für Millionen Fahrgäste: Die Bahn hat einen neuen Ansager
Nachrichten-Ticker