Serie: Europa lebt in Münster
Britin über den Brexit: „Das Land leidet darunter“

Münster -

Am 26. Mai wird das Europa-Parlament gewählt. Wir stellen in einer Serie bis zum Wahltermin täglich Münsteraner aus den EU-Ländern vor. Durch sie lebt Europa in Münster. Diesmal erzählt Susan Cordes aus England, was ihr Europa in Zeiten des Brexits bedeutet.

Freitag, 03.05.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 03.05.2019, 10:10 Uhr
Susan Cordes besitzt nach wie vor auch ihren britischen Pass. Foto: spe

Wie fühlt sich eine doppelte Staatsbürgerschaft an: englisch oder deutsch? Susan Cordes lacht: „Ich bin Europäer“, sagt sie. Susan Cordes muss es wissen. 1966, da war sie gerade 19 Jahre alt, kam die junge Balletttänzerin aus London nach Deutschland, zunächst nach Wuppertal. Seit 1979 lebt sie in Münster, das sie wegen seiner Weltoffenheit besonders mag. Die Tanzkarriere beendete Susan Cordes früh, seit vielen Jahren arbeitet sie im Einzelhandel – und erlangte als Gesicht der münsterischen Laura-Ashley-Filiale eine gewisse Bekanntheit in der Stadt.

Als 2016 in Großbritannien die Entscheidung für den Brexit fiel, tat die dreifache Großmutter aus dem Südviertel einen Schritt, den sie als EU-Bürgerin bis dahin für überflüssig gehalten hatte: Sie beantragte die deutsche Staatsangehörigkeit – die sie inzwischen auch erhalten hat. Ganz feierlich, mit Händedruck vom Oberbürgermeister.

Schwacher Trost

Und was hat sie nun davon? „Dass ich wählen kann!“ Die Bundestagswahl 2017 war für die damals 70-Jährige die allererste Wahl ihres Lebens. Auch an der Europawahl nimmt sie natürlich teil – ganz im europäischen Sinn: „Das Thema Brexit bewegt mich sehr. Das Land leidet darunter.“ So verfolgt sie gespannt am Fernseher die Debatten im Unterhaus – die Auftritte von Speaker John Bercow seien dabei nur ein schwacher Trost. Beim Empfang aller Neubürger im Rathaus hätten sich die Engländer sogleich gefunden („die erkennt man an der Kleidung“) und sich gemeinsam in die „Brexit-Ecke“ gestellt: „Ich habe noch keinen gesprochen, der für den Brexit wäre“, sagt Cordes.

Ist keine Lösung in Sicht? „Ich wäre für ein neues Referendum“, sagt die Deutsch-Britin, die im Modehaus Appelrath-Cüper als Verkäuferin arbeitet. „Es würde heute anders ausgehen“, meint sie. „Die Menschen sind inzwischen informiert.“

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