Kommentar
Jeder Aktion folgt die Reaktion

Münster -

Der Hafen lockt die Massen an, zugleich aber nervt der massenhafte Verkehr die Anwohner. Einige Anmerkungen zu dem aktuell meistdiskutierten Quartier in Münster.

Samstag, 11.05.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 11.05.2019, 17:39 Uhr
Beliebtes Ausflugziel: Der Hafen zieht viele Menschen an, auch wenn nicht gerade Hafenfest ist. Foto: Beimdiek

Es vergeht praktisch keine Woche, ohne dass nicht irgendeine Frage rund um die Stadthäfen diskutiert wird. Nehmen wir also die Stichworte der vergangenen Tage: Da wären die Überlegungen der Stadt Münster, an der Ecke Albersloher Weg/Kiesekamps Mühle ein neues Verwaltungsgebäude zu bauen. Da wäre die politische Debatte in der Bezirksvertretung Mitte über die Verkehrsprobleme am Hansaring und die offene Frage, ob (und wenn ja, wann) neue Unterführungen an der Hafenstraße für Entlastung sorgen könnten. Last but not least sind da die (vagen) Überlegungen der Polizei, irgendwo im Bereich Hawerkamp ein neues Polizeipräsidium zu bauen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die immer neuen Begehrlichkeiten, denen dieses Areal ausgesetzt ist, und die noch immer ungelösten Probleme, die das Areal im Würgegriff halten, auf eine kaum fassbare Art und Weise eine Schicksalsgemeinschaft eingehen.

Fluch und Segen zugleich

Es scheint, als sei der Hafen Fluch und Segen zugleich, als gingen Träume und Albträume nahtlos ineinander über, als lauere hinter jeder Chance gleich die nächste Schwierigkeit. In der Tat liegen Licht und Schatten eng beieinander. Auf der Südseite des Stadthafens wurde in den vergangenen Jahren gebaut wie verrückt, an der Nordseite dümpelt aktuell die stillgelegte Baustelle des ­Hafencenters vor sich hin.

Abriss der Osmo-Hallen: Wie sich das Gesicht des Hafens ändert

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    Abschied von den Osmo-Hallen: Ein großer Teil des alten Industriegebäudes ist bereits abgerissen.

    Foto: Oliver Werner
  • Auf der freien Fläche am Wasser plant die LVM einen Gebäudekomplex mit Büros, Restaurants und Wohnungen. Auf dem Nachbargrundstück (rechts) wollen Andreas Deilmann und Rainer M. Kresing...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...Wohnungen bauen. Es handelt sich um die weißen Gebäude auf diesem Plan der Stadt Münster.

    Foto: Stadt Münster
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    Im Münster-Modell stehen die Neubauten am Hafen schon. Beim LVM-Gebäude in der Mitte sind schon viele Details zu erkennen. Links davon ist die geplante Erweiterung des Coppenrath-Verlags, rechts die des Kuhr-Speichers zu sehen. Das braune Gebäude am linken oberen Rand ist das im Bau befindliche Hafencenter.

    Foto: Oliver Werner
  • Das über die Wasserkante hinausragende Dach der Osmo-Hallen wird als Wahrzeichen des Hafens in abgeänderter Form erhalten bleiben. Darunter will die LVM eine überdachte, öffentlich zugängliche Freifläche errichten.

    Foto: Oliver Werner
  • Während der Bereich zwischen Wasserkante und Hafenweg fast schon komplett freigeräumt ist, haben die Arbeiten bei den hinteren Hallenteilen noch gar nicht begonnen.

    Foto: Oliver Werner
  • Da es für das Projekt von Deilmann und Kresing, das sich vom Hafenweg bis zur Schillerstraße erstreckt, noch kein Baurecht gebe, werde auch jetzt noch nicht abgerissen, heißt es.

    Foto: Oliver Werner
  • Die hinteren Hallenteile werden laut Deilmann-Projektentwicklung „frühestens in zwei Jahren″ abgerissen.

    Foto: Oliver Werner
  • Das LVM-Projekt ist da schon wesentlich weiter.

    Foto: Oliver Werner
  • Nur ein Teil der Halle des ehemaligen "Heaven" (im Hintergrund) steht noch.

    Foto: Oliver Werner
  • Zudem müssen noch einige Teile der Dachkonstruktion über dem Hafenweg entfernt werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Bis Anfang September soll die alte Halle auf dem LVM-Gelände komplett demontiert sein.

    Foto: Oliver Werner
  • Auch auf der anderen Hafen-Südseite (links) ändert sich gerade einiges.

    Foto: Oliver Werner
  • Diese Lagerhalle im Eigentum der Stadtwerke verschwindet.

    Foto: Oliver Werner
  • Auch das Bürogebäude des früheren Gefahrgutlagers Lehnkering wird abgerissen. Damit wolle man Vandalismus zuvorkommen, sagt Stadtwerke-Pressesprecher Florian Adler. Für die alte Betonhalle von Lehnkering gibt es andere Pläne...

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Vollkorn-Bäckerei Cibaria will dort eine gläserne Backstube bauen.

    Foto: Entwurf Archplan, Visualisierung Loom
  • Wenn alles glatt läuft, soll auf der Südseite zudem ab Ende 2019 eine 700 Meer lange und bis zu 15 Meter breite Promenade entstehen. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • Entlang der Hafenkante soll ein Geländer für Sicherheit sorgen. Clou des Entwurfs: zwei Sonnenterrassen, die über dem Wasser schweben.

    Foto: scapa - landschaftsarchitekten
  • Auf der Südseite hat sich in den letzten Jahren ohnehin schon mehr getan als gegenüber: (V.r.n.l.) Das Wolfgang-Borchert-Theater ist in den umgebauten Flechtheimspeicher gezogen. Auch der Rhenusspeicher wurde kernsaniert. Neu ist der Bürokomplex "Dock 14", in dem ein Dutzend Firmen untergebracht sind.

    Foto: Oliver Werner
  • Daneben hat der "SuperBioMarkt" eine neue Zentrale gebaut. 

    Foto: Oliver Werner
  • Schließlich hat die Hafenkäserei eine Heimat in Münster gefunden.

    Foto: Oliver Werner

Nun, die vermeintlichen Widersprüche lösen sich auf, wenn man sich vor Augen hält, dass jede Aktion auch eine Reaktion auslöst. Seit nahezu 20 Jahren ist es geradezu hip, am Kreativkai zu arbeiten und zu feiern. Stau und Verkehr haben dramatisch zugenommen, nächtliche Ruhestörungen auch. Je mehr das Quartier in der Gunst der Berufspendler und Flaneure steigt, desto mehr fühlen sich andere belästigt durch die Auto- und Menschenmassen vor der eigenen Haustür.

Hin und weg

Seit über 25 Jahren ist der Hafen ein städtebaulicher Erneuerungsschwerpunkt der Stadt Münster, wie es offiziell heißt. Erneuerung ist das Gegenteil von Stillstand, damit das klar ist. Gleichwohl steht und fällt jede weitere Entwicklung mit der Lösung der verkehrlichen Probleme. Der „Sinn“ jedes Neubaus muss sich deshalb messen lassen an der Frage, wie man dort hinkommt und auch wieder weg.

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