Reise- und Musikdoku „Blown Away“
„Wir konnten gar nicht segeln“

Münster -

Welch ein Abenteuer: Vier Jahre unterwegs, 31 Länder, 75.000 Kilometer. Im Mittelpunkt der Reise von Hannes Koch und Ben Schaschek stand ein Musikprojekt – und ein ziemlich marodes, 40 Jahre altes Segelboot.

Dienstag, 21.05.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 21.05.2019, 09:04 Uhr
Ben Schaschek (r.) hat erzählt, dass er während der Reise für die Route und die Planung zuständig war, sein Freund Hannes Koch für die Technik und die Mahlzeiten. Einmal waren sie 44 Tage am Stück zu zweit auf See – Freunde sind sie aber immer noch. Foto: pd

Der Film „Blown Away“ erzählt die Geschichte von Ben Schaschek und Hannes Koch und ihrer vierjährigen Reise rund um die Welt. 2011 starten die damals Mitte Zwanzigjährigen mit dem 40 Jahre alten Segelboot „Marianne“ von Australien über Südostasien, Indien, Afrika und Südamerika bis nach Nordamerika. Mit einem alten Schulbus fahren sie durch die USA bis nach Kanada und schließlich mit dem Boot zurück über den Atlantik nach Europa.

Insgesamt reisen sie 75 000 Kilometer und besuchen 31 Länder. Wie in einem Tagebuch halten sie ihre Erlebnisse auf Video fest. Das Projekt der gelernten Tontechniker: Musiker aus verschiedenen Ländern aufnehmen. Insgesamt kreieren über 200 Musiker 130 Stücke. Daraus entsteht auch das Album  „Songs for Marianne“ – der Soundtrack für den Film, den die beiden am Samstag (25. Mai, 19.30 Uhr) im Cineplex vorstellen. Im Interview mit unserem Redakteur Pjer Biederstädt erzählt Ben Schaschek, wie sie fast mit einem Tanker kollidiert sind und wo es auf der Welt am schönsten ist.

Weißt Du, dass Ihr und Euer Film Schuld daran sein könntet, dass viele Menschen spontan ihre Jobs kündigen?

Ben Schaschek (lacht): Tatsächlich ist während der Filmtour jemand zu uns gekommen und hat gesagt, dass er am nächsten Tag seinen Job kündigen will, um auch so eine Reise zu machen.

Dahinter steckt diese Sehnsucht nach Ferne und Freiheit, die der Film zwangsläufig in jedem weckt. War das auch der Antrieb für Euch, dieses Abenteuer zu starten?

Schaschek: Das Ganze war eher einem Zufall geschuldet und nicht von langer Hand geplant. Wir wollten eigentlich nur ein halbes Jahr unterwegs sein, sind dann aber mit dreieinhalbjähriger Verspätung zurückgekommen.

Wie kam es dazu?

Schaschek: Ich hatte gerade mein Studium in Australien beendet und wollte nach Hause fliegen, habe aber den Flug verpasst. Am Horizont habe ich dann ein Segelboot gesehen und gedacht: So eine Reise auf dem Boot wäre doch auch schön. Ich habe Hannes gefragt, ob er mitmacht, dann habe ich von meinem Erbe über Ebay für 11 000 Euro ein Boot gekauft. Es gab eigentlich nur ein Problem: Wir konnten gar nicht segeln.

Und dann?

Schaschek: Habe ich einen Online-Segelkurs belegt.

Ist das nicht etwas wenig, um mit einem 40 Jahre alten Schiff quer über die Ozeane zu schippern?

Schaschek: Wir haben gedacht, dass wir immer entlang der Küste in Sichtweite zum Ufer segeln könnten, aber das hat natürlich nicht geklappt.

Gab es denn brenzlige Situationen?

Schaschek: Einmal dachte ich, das war’s jetzt für uns. Wir sind von Australien nach Papua durch die Torresstraße gesegelt. Alle sagten, dass man das auf keinen Fall nachts machen soll. Haben wir natürlich doch gemacht. Plötzlich kam uns ein riesiger Tanker entgegen. Er kam immer dichter, ich hatte mich schon auf den Boden geworfen in Erwartung der Kollision. Die gab es aber nicht, es müssen Millimeter gewesen sein.

Warum habt ihr den Tanker nicht angefunkt?

Schaschek: Ich hatte vor dem Trip keinen Funkkurs belegt, weil das 150 Dollar extra gekostet hätte. Deswegen habe ich mich nicht getraut, die anzufunken. Ich wusste einfach nicht, was ich sagen soll.

Gab es noch mehr heikle Situationen?

Schaschek: In Brasilien sind wir innerhalb einer Woche drei Mal überfallen worden. Uns ist zum Glück nichts passiert und viel ist auch nicht abhanden gekommen.

Der Film zeigt eher die schönen Seiten des Reisens. Wo hat es Dir am besten gefallen?

Schaschek: In Vietnam und Kuba. In Kuba waren wir, bevor das Handelsembargo aufgehoben wurde. In beiden Ländern war es sehr ursprünglich. Das hat uns gefallen.

Im Vordergrund stand für Euch das Musikprojekt. Welcher Musiker ist besonders in Erinnerung geblieben?

Schaschek: Sicherlich Jack Mantis. Der stand gerade im Hafen von Trinidad und Tobago, als unsere „Marianne“ mit Motorschaden hereingeschleppt wurde. Er hat uns dann später auch noch auf der Reise durch die USA begleitet und ist jetzt auch auf der Filmtour dabei. Und dann war da noch Vicky Lucato. Die brasilianische Sängerin hat uns mit ihrer Stimme umgehauen. In nur einer Nacht hat sie den Song „Travelling Man“ geschrieben. Die beiden sind herauszuheben, aber eigentlich waren alle Begegnungen extrem inspirierend. Mit vielen Musikern haben wir noch heute Kontakt.

Kann man nach so einer Reise einfach wieder in den deutschen Alltag zurückkehren?

Schaschek: Ich nicht, Hannes ja. Er lebt in Berlin. Ich lebe jetzt in der Bretagne, organisiere Segelreisen. Unser Boot liegt auch dort. Ich musste einfach ans Meer.

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