Jahresbericht der Krisenhilfe
386 Beratungsgespräche: Vor allem Jüngere rufen an

Münster -

Die Krise beginnt oft mit dem Studium. Manche kommen in der fremden Stadt nicht klar. Andere lassen sich von den Hochglanz-Profilen ihrer Altersgenossen blenden. Kurz: Immer mehr 20- bis 29-Jährige sind schwer gefrustet. Wer hilft? Die Krisenhilfe . . .

Dienstag, 21.05.2019, 22:00 Uhr
Petra Karallus (l.) und Sarah Stern präsentieren die neuen Karten, mit denen die Krisenhilfe auf sich aufmerksam macht: Eine „Freikarte für eine Beratung“ und die „Rote Karte für die Krise“. Foto: Oliver Werner

Die Sprüche: locker. Der Hintergrund: ernst. Denn: Das eine schließt das andere keineswegs aus, sagen zwei, die es wissen – Petra Karallus , Leiterin der Krisenhilfe Münster, und Sarah Stern , die seit über einem Jahr das Team hauptamtlich unterstützt. Sie präsentierten bei der Vorstellung des Jahresberichts 2018 hoffnungsvoll-grüne Postkarten, die jetzt zu Tausenden unter die Menschen gebracht werden. Gezielt an Stellen, an denen die Krisenhilfe junge Leute erreichen möchte.

„Die Zahl der Jüngeren zwischen 20 und 29 Jahren ist bei uns rasant angestiegen“, skizziert Petra Karallus eine Entwicklung aus der Statistik des vergangenen Jahres. Festgestellt hat die Krisenhilfe, die in der täglichen Beratung auf ein gut ausgebildetes Team von rund 30 Ehrenamtlichen bauen kann, dass für junge Frauen und Männer die Hemmschwelle niedriger ist, sich Hilfe zu holen. „Ältere sind da immer noch zurückhaltender, überlegen länger, versuchen auch oftmals, zunächst allein mit ihren Problemen fertig zu werden“, beschreibt Petra Karallus die unterschiedliche Verhaltensweise in den Generationen.

Durch Überforderung in die Krise

Was treibt die jungen Menschen in ihre persönliche Krise? Oftmals Überforderung zu Beginn des Studiums oder auch während des Verlaufs, ein immer größer werdender Druck, allen Anforderungen gerecht zu werden. Vereinsamung, wenn junge Menschen zum ersten Mal allein in einer neuen Stadt leben, aber auch die schillernden Profile anderer auf sozialen Medien gaukle manchem eine Welt vor, der er sich nicht gewachsen fühle. Prüfungsängste nehmen zu, Angst zu versagen, die Eltern oder auch den Partner zu enttäuschen.

Es sei wichtig, Betroffene möglichst früh zu erreichen – ehe sie in ein tiefes Loch fallen und keinen Ausweg wissen. Die Karten seien ein Schritt in diese Richtung, auf das Angebot aufmerksam zu machen. Das gilt natürlich für alle Altersgruppen: „Den Hörer nehmen, 51 90 05 wählen, das ist der erste Schritt. Wir tun alles, dass innerhalb von 24 Stunden ein erstes Gespräch stattfinden kann.“

386 persönliche Beratungsgespräche

Manchmal reiche schon ein einziger Gesprächstermin (45,3 Prozent) aus. Knapp 36 Prozent nutzen zwei bis vier Termine, fünf- bis sieben Mal kommen 8,6 Prozent der Hilfesuchenden, gut sechs Prozent nutzen acht- bis zehnmal das Angebot für ein Gespräch in den Räumen an der Klosterstraße. Insgesamt verzeichnete die Beratungsstelle 386 persönliche Beratungsgespräche 2018.

Um den Anforderungen gerecht zu werden, setzt die Krisenhilfe auf professionelle Ausbildung ihrer Ehrenamtlichen. Im vergangenen Jahr haben neun Ehrenamtliche diese Ausbildung abgeschlossen, im Januar 2019 ist eine neue Gruppe gestartet, die sich bis zum Sommer nächsten Jahres auf ihre Mitarbeit vorbereitet. 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6630173?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Münsters Open-Air-Kinoprogramm 2019
Sommer-Filmnächte: Münsters Open-Air-Kinoprogramm 2019
Nachrichten-Ticker