DGB-Gewerkschaften unter neuer Führung
Digitalisierung als große Herausforderung in den Unternehmen

Münster -

Die Führung der DGB-Region Münsterland wird der 38-jährige Volker Nicolai-Koß übernehmen. Neben der Tarifpolitik wollen die Gewerkschaften Akzente in der Wohnungs- und Verkehrspolitik setzen.

Donnerstag, 11.07.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 12.07.2019, 11:38 Uhr
Die DGB-Region Münsterland hat eine neue Leitung. Als Geschäftsführer wurde Volker Nicolai-Koß (3.v.l) gewählt, der bislang als Gewerkschaftssekretär für den DGB in Münster tätig war. Jutta Schultz (4.v.l.) ist neue Bezirksgeschäftsführerin bei Verdi. Foto: hö

Der 38-jährige Politikwissenschaftler Volker Nicolai-Koß ist die neue Stimme der DGB-Gewerkschaften im Münsterland. Der bisherige Gewerkschaftssekretär in Münster tritt nun die Nachfolge von Winfried Lange an, der aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurückgetreten ist. Sein Ziel ist es, die regionalen Strukturen auszubauen, um mit der „Organisationsmacht, die wir haben, politikfähig zu sein“, wie er am Donnerstag vor der Presse erklärt.

Er nennt als Beispiele die Wohnungspolitik (31 000 Unterschriften für die Förderung des Wohnungsbaus seien an den Ministerpräsidenten übergeben worden) und die Verkehrspolitik, bei der es noch mehr Anstrengungen für eine Mobilitätswende geben müsse. Es brauche die Unterstützung der Gewerkschaften bei der Entwicklung betrieblicher Konzepte, um berufliche Pendlerwege und den CO-Ausstoß zu senken. Nicolai-Koß moniert, „dass die Tarifbindung immer mehr abnimmt“. Sie müsse bei öffentlichen Auftragsvergaben ein Kriterium sein.

Allerdings gab es bei der Vorstellung der Arbeitsschwerpunkte auch Positives zu berichten. Jutta Schultz , die zum Jahresanfang die Bezirksgeschäftsführung bei Verdi übernommen hat, lobte die guten Tarifabschlüsse im ersten Halbjahr 2019 in unterschiedlichen Branchen, darunter im Einzel-, Groß- und Außenhandel. Schultz nannte als Schwerpunkte in diesem Jahr die Bewältigung der Digitalisierung mit all ihren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. „Welche Qualifizierungsmaßnahmen können Arbeitnehmer einfordern?“ Es gehe um Diskussionen auf Augenhöhe mit den Arbeitgebern. Ein weiteres Kernthema: der Pflegenotstand und die Senkung der Belastung von Pflegekräften. Nicht zuletzt wolle sich Verdi in Münster auch weiterhin für den arbeitsfreien Sonntag engagieren.

Einen Führungswechsel hat es zum Jahresanfang auch bei der IG Metall Münster gegeben. Als Geschäftsführerin wurde Tanja Goritschan – seit 2007 in Münster – gewählt. Auch bei der IG Metall und in der Automobilindustrie im Besonderen sei die Digitalisierung eine große Herausforderung, machte Heinz Pfeffer in Vertretung von Goritschan deutlich. „Sind die Unternehmen vorbereitet, wenn Arbeitsplätze wegfallen?“, fragte er. Deshalb unterstütze die IG Metall das Vorhaben, ein sogenanntes Transformations-Kurzarbeitergeld einzuführen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sorgt sich indes um den „extremen Lehrermangel in NRW“, der vor allem Grundschulen und Förderschulen treffe, wie Stadtverbandsvorsitzender Ulrich Thoden deutlich machte. Das Zurückholen von Pensionären und die Nachschulung von Seiteneinsteigern sei nur Flickschusterei infolge einer verfehlten Bildungspolitik. Ein Problem seien zudem die vielen prekären Beschäftigungsverhältnisse, monierte Thoden. Im Mittelbau der Hochschulen beispielsweise gebe es noch mehr befristete Beschäftigungsverhältnisse als in der Gebäudereinigung. Apropos Gebäudereinigung: Aufgrund der Kündigung des Rahmentarifvertrags durch die Arbeitgeber drohen hier im Herbst Streiks, kündigte Georg Nießing an.

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