Rathauskonzert mit wechselnden Besetzungen
Meisterleistung und Sternstunde zugleich

Münster -

Von dem jungen Organisten Johann Sebastian Bach wird berichtet, er habe die gottesdienstliche Gemeinde mit seinem kühnen Orgelspiel mitunter höchst „confundiret“, also gehörig durcheinander gebracht. Aber wie heftig mögen bereits ein halbes Jahrhundert früher die Gläubigen in Norditalien über Michelangelo Rossi und seine „Toccata Settima“ den Kopf geschüttelt haben?

Freitag, 09.03.2018, 19:03 Uhr

Mitwirkende des Rathauskonzertes (v.l.): Andreas Maria Küper, Gie­drius Zukauskas, Gabriele Piras, Svenja Ciliberto, Christian Büscherfeld, Gudula Rosa, Mihai Ionescu, Mara Smith, Uta Heidemann-Diedrich und Shengzhi Guo Foto: Christoph Schulte im Walde

Von dem jungen Organisten Johann Sebastian Bach wird berichtet, er habe die gottesdienstliche Gemeinde mit seinem kühnen Orgelspiel mitunter höchst „confundiret“, also gehörig durcheinander gebracht. Aber wie heftig mögen bereits ein halbes Jahrhundert früher die Gläubigen in Norditalien über Michelangelo Rossi und seine „Toccata Settima“ den Kopf geschüttelt haben? Denn in diesem singulären Orgelstück bleibt kein harmonischer Stein auf dem anderen, zumindest nicht zum Schluss, dessen frappierende Wirkung auch in der Streicherversion von Thorsten Schmid-Kapfenburg zur Geltung kommt. Dergleichen lässt selbst nach 350 Jahren noch ein staunendes Publikum zurück wie am Donnerstag beim Rathauskonzert.

Zu bestaunen gab es an diesem Abend ohnehin jede Menge, nicht nur Rossis exzessive chromatische Eskapaden, sondern auch Georg Philipp Telemanns durch und durch gediegenes a-Moll-Konzert mit der ausgezeichneten Gudula Rosa als Solistin auf der Blockflöte. Was da an Vitalität und ungebremster Spiellaune spürbar wurde, war ebenso maßstabsetzend wie kurz darauf die ausgedehnte Suite für Blockflöte und Streichquartett aus der Feder des Briten Gordon Jacob. Der hat sich gewiss nie als Speerspitze der musikalischen Avantgarde verstanden, denn dafür ist seine Sprache doch zu eklektizistisch. Aber die sieben hübschen Tanzsätze seiner Suite, mal archaisierend, mal impressionistisch verträumt, verbreiteten einfach nur gute Stimmung. Viel Plaisir also – und keine Spur von Konfusion.

Auch nicht in Johann Sebastian Bachs „Goldberg-Variationen“. Glaubt man der Legende, dienten sie dem Auftraggeber ja zur Beruhigung schlafloser Nächte. Wie immer das funktioniert haben soll. Denn an Ruhe ist bei dieser doch so aufregenden Musik kaum zu denken, woran Uta Heidemann-Diedrich, Mara Smith und Shengzhi Guo keinen Zweifel ließen. Im Gegenteil: hier war allerhöchste Konzentration gefragt, die allein aus der über einstündigen Meditation einen Solitär barocker Tonsatz-Kunst macht. Dank filigraner motivischer Arbeit, absoluter rhythmischer Präzision und nahtlosem Über- und Nacheinander heikler Passagen in aberwitzigem Tempo. Das war eine Meisterleistung und eine Sternstunde in der traditionsreichen Reihe der Rathauskonzerte.

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