Das Theater Querschnitt präsentiert seine herrliche „Revolution am Donnerstag“
Guerilleros werden zu Familien-Mediatoren

Münster -

Es gibt Mütter, die fürchten nicht Tod noch Teufel, herrschen über jede Familie, akzeptieren keine Autorität und knacken jede Behörde: So ein Familien-Biest ist Veronika (grandios mit herrischer Lakonie: Gilla Pitz), deren Tochter Agnes (mit eisernem Charme: Sarah Stern) überraschend auftaucht, schwanger von einem Schwarzen: „Ich hab keine Adresse und keine Telefonnummer.“ Sofort ist Frau Mama an den Schießscharten: „Je dunkler die Haut, desto größer die Probleme!“ In Walter Brunhubers (auch Regie) Komödie „Revolution am Donnerstag“, die im KAP 8 Bürgerhaus Kinderhaus Premiere feierte, zielt jedes Dialogduell zwischen Mutter und Tochter auf Untergang. Beide liefern sich löwenhafte Schaukämpfe: „Meine Tochter muss eine Therapie machen!“, diagnostiziert Mama, während Teenager Agnes die ewigen Venedig-Ferien nervten: „Ich habe nur gekotzt.“ Ängste und Zynismus kämpfen um jeden Ego-Millimeter: Lechzt Mama nach französischer Spargelsuppe, ruft Töchterlein nach der Supermarkt-Pizza.

Sonntag, 10.06.2018, 16:04 Uhr

Planlose Revolutionäre überfallen ein streitendes Mutter-Tochter-Gespann. Foto: Günter Moseler

Rettung naht durch einen Revolutionär-Trupp! Die stürmen, von Haushälterin Vany (aufrührerisch: Sieglinde Bröer ) eingeschleust, Mutters Salon im Dienste der „Weltrevolution“: „Heute bringen wir Liebe und Frieden zurück in die Welt.“ Che (Ali Reslan als fescher Oberterrorist), Kev (cool: Joscha Kollet) sowie der ominöse Revolutionsprophet „Washington“ (distinguiert: Hartwig Kussatz) betreten die Szene als planlose Eroberer, die von Schmetterlings- und Chaostheorie schwadronieren: „In wenigen Stunden ändert sich alles!“

(Kinder-)Pistolen sind erkennbar Makulatur, bald hat die Familienfehde die Weltrevolution im Griff, triumphiert das Allzumenschliche über „Die Menschheit“, verwandeln sich die Guerilleros in Mediatoren beim familiären Dauerclinch. Fast folgerichtig misslingt die Finanzierung der Revolution. Da fällt das revolutionäre Auge auf Mama Veronika – zack! – ist sie eine Geisel! Inzwischen hat sich Agnes diverser Rollen bemächtigt, Verwirrung gestiftet und Verbündete gefunden: zahme Revolutionäre, in denen es menschelt wie bei Rotkäppchens Großmutter.

Knappe Bühnenmittel genügten, um die Aufführung auf Darstellung und Sprache zu konzentrieren. Ein paar Stühle, ein Tisch, von dem aus Mutter Veronika (fast) allen das Zittern beibrachte, eine Erzählerin (Monika Zimmerhof-Elsner), die diskret die Handlung beschleunigte. Moral: Revolution ist keine Marotte, aber der (volle) Bauch näher als hehre Ideale. Herzlicher Beifall.

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