Deutschsprachige Erstaufführung: „Eine Art Liebeserklärung“ von Neil LaBute
Zwischen Moralistin und Vamp

Münster -

„Wie viel Gramm wiegt eine Lüge?“ Diese Frage stellt Faye zu Beginn dem Publikum und sich selbst. Nach 90 Minuten wird sie für sich selber eine Antwort gefunden haben. 90 Minuten, in denen sie sich erklärt, sich ereifert, sich verteidigt – und dabei immer auch unwillentlich anklagt. 90 Minuten Theater-Monolog für eine emotional auftrumpfende Carola von Seckendorff, die ihr Publikum im U2 in den Bann zog.

Donnerstag, 13.09.2018, 23:10 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 13.09.2018, 23:06 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 13.09.2018, 23:10 Uhr
Carola von Seckendorff spielt die Schauspielklaviatur von der verheulten Moralistin bis zum rebellischen Vamp. Foto: Oliver Berg

„Eine Art Liebeserklärung“ von Neil LaBute war eine deutschsprachige Erstaufführung (Regie: Shirin Khodadadian) – die Lebensbeichte einer amerikanischen Mittelschichts-Lady; einer Lehrerin, die ihren Job ebenso liebt wie ihren Mann und immer alles richtig machen will. Und wie in Hollywood ist es die sexuelle Leidenschaft, die diesem Bilderbuch-Leben beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Beinahe. Denn Faye ist mit einem blauen Auge davongekommen. Doch das „Auge“ schmerzt sie höllisch.

Wie vor Gericht erklärt Faye nun ihren Zuschauern, dass sie ihren Mann Eric liebe. Eric ist nicht weiß, sondern „gemischtrassig“, wie er selber immer stolz betone. Ruckzuck hat sich die Berufs-Rechthaberin in eine Rede über gesellschaftliche Fallstricke des „N-Worts“ hineingesteigert. Was zunächst wie eine Anklage des unterschwelligen Rassismus’ in den USA beginnt, nimmt plötzlich die Biege zur Frage weiblicher Selbstermächtigung.

Denn der gut aussehende Schüler Tommy wird von Faye verführt und verschafft ihr nicht nur bislang unbekannte körperliche Wonnen, sondern auch jene Schwangerschaft, die mit dem Ehemann nicht glückte. Psychologisch ist das raffiniert, gibt es der moralisch zerrissenen Mittvierzigerin doch die Möglichkeit, ihre Untreue als „Geschenk“ an den Gehörnten auszugeben. Der ihr tatsächlich verzeiht – oder doch nicht?

Es liegt wohl in der Natur des Genres, dass Autor LaBute manch soziologische Breitseite abfeuert; dass er jene „Ungerechtigkeit“ anprangert, die reifen Ladys angeblich kein Recht auf jüngere Lover zubilligt; dass er die Rassenfrage teils klischeehaft in den Plot quetscht (angeblich ist Unfruchtbarkeit für den dunkelhäutigen Eric besonders schlimm!). Wie allerdings Carola von Seckendorff die Klaviatur von der verheulten Moralistin bis zum rebellischen Vamp bespielt, ist mitreißend anzuschauen.

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