Hamid R. Reghat ist seit zehn Jahren Direktor im GOP-Varieté
„Da kann ich nur sitzen und staunen“

Münster -

Hamid R. Reghat feiert in diesen Tagen sein zehnjähriges Dienstjubiläum als Direktor des GOP-Varieté-Theaters Münster und blickt zurück auf über 60 Shows mit über 700 Künstlern aus über 40 Nationen und durchschnittlich 130 000 Gästen pro Jahr.

Mittwoch, 17.10.2018, 23:20 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 17.10.2018, 23:18 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 17.10.2018, 23:20 Uhr
Seit zehn Jahren leitet Hamid R. Reghat das GOP-Varieté gegenüber dem Hauptbahnhof. Foto: Karla Kretz

Hamid R. Reghat feiert in diesen Tagen sein zehnjähriges Dienstjubiläum als Direktor des GOP-Varieté-Theaters Münster. Die erste Show, die unter der Leitung des 55-Jährigen gezeigt wurde, war 2008 „Sonido“. Aus den letzten Jahren seien ihm vor allem die begeisterungsfähigen Münsteraner in Erinnerung geblieben, berichtet Reghat und blickt zurück auf über 60 Shows mit über 700 Künstlern aus über 40 Nationen und durchschnittlich 130 000 Gästen pro Jahr in Münsters Varieté.

Welche Show liegt Ihnen besonders am Herzen?

Reghat (lacht): Einige, einige. Also natürlich bleibt die allererste Show immer in Erinnerung, das war „Sonido“. Eine wunderbare Show, richtig herzerwärmend. Aber wir haben sonst auch tolle Produktionen gehabt, wie „Lipstick“, „Rockabilly“ oder „Dummy“ oder die jetzige Produktion „Fashion“, also es sind schon großartige Shows dabei. Ich freue mich auch schon jetzt sehr auf die Show im nächsten Januar. Die Produktion kommt aus Kanada und wird „Bang Bang“ heißen. Ich habe noch keine Ahnung, was da auf uns zukommt. Die Show wird das erste Mal im November/Dezember in Deutschland gezeigt und kommt dann zu uns. Ich habe nur ein bisschen was drüber gelesen, aber kenne den Regisseur und weiß, wenn er was anpackt, dann wird es gigantisch gut.

Was ist für Sie der besondere Moment einer Show?

Reghat: Ganz besonders ist tatsächlich, wenn der Vorhang zugeht und wir Standing Ovation haben. Wenn ich die Gäste verabschiede und man dann diese strahlenden Augen sieht. Und vor allem, wenn die Kinder rauskommen, aufgeregt erzählen und versuchen, den Jongleur nachzumachen.

Geht auch mal etwas schief?

Reghat: Ständig läuft was schief (Reghat lacht). Immer wieder Kleinigkeiten: Der Vorhang geht nicht auf oder zu früh zu und andere Kleinigkeiten. In Erinnerung ist mir geblieben: Wir hatten mal einen Moderator, der ständig vergessen hat, wenn er abgegangen ist von der Bühne, sein Headset auszustellen. Also konnte man im Zuschauerraum hören, was er hinter der Bühne, backstage, erzählt. Das war nicht immer so angenehm. Wir haben ihn natürlich darauf aufmerksam gemacht, und am nächsten Tag hat er dann prompt vergessen, sein Headset anzuschalten, als er auf die Bühne kam. Für die Zuschauer bringt das aber immer einen Lacher mit.

Die Künstler kommen aus aller Welt, baut man da persönliche Beziehungen auf?

Reghat: Ich hab natürlich sehr engen Kontakt zu den Künstlern. Nach der Hälfte einer Spielzeit feiern wir ein „Bergfest“, und zwischendurch gehen wir mit den Künstlern essen. Man kommt zusammen, lernt sich kennen und baut auch privaten Kontakt auf. Nach einer Spielzeit sind wir durch die sozialen Medien weiterhin in Verbindung, da kann man sehen, wo die Künstler jetzt gerade überall sind auf der Welt.

Was fasziniert Sie am Varieté-Business?

Reghat: Mich begeistert das Gastgebersein. Das ist genau das, was wir hier tun. Ob sie eine Show zeigen oder ein Restaurant haben, das spielt keine Rolle, es zählt, dass der Gast zufrieden nach Hause geht. Ich bin seit 38 Jahren in der Gastronomie, dahinter steckt meine Faszination.

Wie wichtig ist das Varieté-Theater in der aktuellen Kulturlandschaft?

Reghat: Also ich würde sagen, Varieté ist definitiv in Deutschland angekommen. Es gibt ja auch mehrere Varieté-Häuser; nicht nur das GOP-Varieté ist für den Menschen eine Art Kultur, die viel mit Spaß zu tun hat: mit Lachen, Entspannen, Abtauchen in eine andere Welt. Es ist schon etwas anderes als Theater oder Oper. Man geht ins Varieté, um einfach abschalten und staunen zu können – wie Urlaub vom Alltag. Ich glaube, das ist auch das, was den Menschen heutzutage bei der Dichte an Arbeit und Menge an Verpflichtungen quer durch die Gesellschaft fehlt. Sie sind froh, wenn sie einfach mal zwei Stunden Spaß haben können. Bei mir ist das auch nicht anders.

Und die nächsten zehn Jahre . . .?

Reghat: Wir sind ständig dabei, uns zu entwickeln und zu verändern. Wir werden demnächst unser Restaurant komplett umbauen und neu gestalten. Außerdem in die Bühnentechnik investieren. Die Shows werden immer anspruchsvoller was die Technik anbelangt. LED-Wand, Beleuchtungselemente und Tonanlagen werden hinzukommen. Dadurch werden sich auch die Shows verändern. Wir werden größere Produktionen haben, mit mehr Künstlern (bis zu 15) und technischen Elementen wie Animationen. Das passt einfach in die heutige Zeit. Aber die klassischen Shows bleiben natürlich erhalten. Wir sind schon immer die Vorreiter gewesen in Deutschland, was die Show-Entwicklung, aber auch die technische Entwicklung angeht, und das werden wir auch in den nächsten Jahren so machen.

Zwei Sätze zur aktuellen Show . . .

Reghat: „Fashion“ ist eine Show mit 15 Künstlern auf der Bühne. Die Modewelt wird ziemlich auf die Schippe genommen; es ist sehr witzig und von der künstlerischen, der akrobatischen Seite her eine der stärksten Shows bisher. Vor allem die letzte Nummer, eine Partnerakrobatik, gehört zu meinen Lieblingsnummern. Sie ist mit solch einer Perfektion gemacht, da kann ich nur sitzen und staunen.

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