Electronic Wind Quartet mit „Luftstrom“ im Pumpenhaus
Eine Gruppe Reis wandert mit

Münster -

Angetrieben von sanftem Wind wandert eine kleine Gruppe Reiskörner langsam auf der großen Leinwand von einer Ecke in die andere. Nach und nach kommen weitere Körner hinzu, der Wind schwillt zum Sturm an, und einzelne Positionspunkte der Mitspieler werden sichtbar.

Donnerstag, 06.12.2018, 18:44 Uhr
Electronic Wind Quartet (v.l.): Beat Hofstetter, Beat Kappeler, Andrea Formenti und Sascha Armbruster Foto: Ulrich Coppel

Angetrieben von sanftem Wind wandert eine kleine Gruppe Reiskörner langsam auf der großen Leinwand von einer Ecke in die andere. Nach und nach kommen weitere Körner hinzu, der Wind schwillt zum Sturm an, und einzelne Positionspunkte der Mitspieler werden sichtbar. In Orm Finnendahls Stück „Flock 18“ geben Punkte, die durch die Mitspieler bewegt werden, den virtuellen Reiskörnern bei Berührung einen Impuls, der Richtung und Tempo des Körner-Schwarms verändert. Mit dieser Spontan-Komposition begann das schweizerische „Electronic Wind Quartet“ (die elektronische Ausgabe des „Arte Saxofon Quartett“) am Mittwochabend sein von der „Gesellschaft für Neue Musik“ ausgerichtetes Konzert im Pumpenhaus.

Beat Hofstetter, Sascha Armbruster, Andrea Formenti und Beat Kappeler benutzten in jedem der dargebotenen Werke anstelle von Saxofonen bestimmte EWI-Blaswandler. Sebastian Schottke übernahm die Technik und Klangregie.

In „Flock 18“ benutzte „das „Electronic Wind Quartet“ die EWI-Instrumente quasi als Joystick, um mittels Tastenkombinationen und Blassensoren über eine digitale Schnittstelle für Musikins­trumente (MIDI) interne oder externe Soundmodule anzusteuern. Zugleich wurden die durch Computer erzeugten Klangimpulse und Aktionen der einzelnen Musiker mittels einer „Boids“ genannten Methode des US-Amerikaners Craig Reynolds auf der Leinwand visualisiert: „Saxofon goes Space Invadors“ – quasi.

Alle Werke des Abends waren Uraufführungen. Bis auf den Trailer zum Stück „SEL“ von Christoph Ogiermann und Matteo Bonaflini, das ein abendfüllendes Werk mit „submusikalischen Themen“ nur anreißt und im kommenden Jahr komplett aufgeführt werden soll. Ulrike Meyer-Spohns „fEWI“ enthielt fragmentierte Samples musikalischer Klischees: bayrische Folklore, Bachs Präludium in C-Dur BWV 846 und der Gesang eines Countertenors. Die Musiker warfen sich diese gegenseitig zu, sodass sie hieraus nach und nach eine neue Gesamtcollage formten: postmodern – könnte man meinen.

In Yannis Kyriakides „Nightdreams“ zogen Windgeräusche durch das „5.1.“- Surroundsystem im Pumpenhaus. In Emilio Guims „Legend“ waren neben den EWI-spielenden Live-Musikern auch Texte und kurze Filmsequenzen derselben Musiker beim Saxofonspielen auf verschiedenen Leinwänden zu sehen. Da EWI-Live-Musiker und die zugespielten Saxofonspieler ständig die Positionen wechselten und teilweise auch ein und derselbe Musiker an verschieden Punkten gleichzeitig zu sehen war, entstand ein Verwirrspiel. Das überschaubare Publikum dankte mit langem Applaus.

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